Tagesdosis

Ein Krieg gegen die multipolare Welt | Von Tilo Gräser

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Profit- und Machtgier als Triebkraft im Iran-Krieg

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Der unprovozierte und völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran geht nun bald in den zweiten Monat. Zwar gibt es immer wieder Meldungen über angebliche Gespräche zwischen Washington und Teheran, um die „Feindseligkeiten“ zu beenden. Aber das wurde bisher von iranischer Seite dementiert. Dagegen kommen von US-Präsident Donald Trump wie gewohnt sich innerhalb kürzester Zeit einander widersprechende Aussagen. Das gilt auch für die Entsendung von Tausenden US-Soldaten in die Region, die anscheinend fortgesetzt wird. Beobachter vermuten, dass das verbale Chaos verdecken soll, was eigentlich geplant ist: Den Iran in die Knie zu zwingen und dessen Rohstoffreichtum unter US-Kontrolle zu bringen.

Auch die Nachrichten aus dem Krieg wirken chaotisch. So scheint die Meldung über einen angeblichen iranischen Raketenangriff fast 4000 Kilometer weit gegen die US-amerikanisch-britische Militärbasis Diego Garcia im Indischen Ozean eine Falschmeldung zu sein. Nur der Sender n-tv hatte die Nachricht am Wochenende in der Überschrift etwas relativiert, während alle anderen Mainstreammedien das als Tatsache meldeten. Inzwischen hat der Iran laut der russischen Nachrichtenagentur TASS erklärt, dass er einen solchen Angriff nicht ausgeführt habe, auch weil er gar nicht über entsprechende Raketen verfüge. Dies sei eine weitere Geschichte über eine Operation unter falscher Flagge, sagte demnach der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei. Auf den Onlineplattformen wie X wird berichtet, dass russische und chinesische Satellitenaufnahmen darauf hindeuten, dass ein israelisches U-Boot die Raketen auf den Stützpunkt abgefeuert haben könnte, um die Briten in den Krieg mit hineinzuziehen.

Allem Anschein nach erreichen die USA und Israel vor allem eines: Sie gefährden mit ihrem verbrecherischen und mörderischen Treiben den Rest der Welt und die ohnehin in schwierigen Fahrwassern befindliche Weltwirtschaft. Mag sein, dass auch das Absicht ist und Trump nach dem Motto „America first“ die USA dabei als den großen Profiteur des Ganzen sieht. Das bezahlen nicht nur die Menschen im Iran mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit, mit dem Verlust von Heim und Arbeit und anderen Zerstörungen. Aber auch jene in Israel und den Golfstaaten, die ins Visier der iranischen Gegenschläge geraten. Das bezahlen ebenso die Menschen in den Industrieländern. Auf die Folgen für Deutschland hat Claudia Töpper in der Tagesdosis vom Dienstag aufmerksam gemacht.

Der US-Präsident versucht jetzt wieder, den „Friedensbringer“ zu geben, der den Krieg bald beendet. Wenn er auch nur irgendetwas mit Frieden am Hut hätte, hätte er diesen Krieg gar nicht erst begonnen. Aber wahrscheinlich wäre das grundsätzlich von einem US-Präsidenten zu viel verlangt. Israel hat den Krieg auf den Libanon ausgeweitet und will die bisherige Grenzregion im Südlibanon zerstören wie zuvor den Gazastreifen. Nur vorsichtige Kritik aus westlichen Hauptstädten ist dazu zu vernehmen, so aus Paris. Zugleich wird die internationale Aufmerksamkeit auf den Iran-Krieg von Israel genutzt, um nicht minder völkerrechtswidrig gegen die Palästinenser im Westjordanland vorzugehen.

Kritik und Waffen aus Deutschland

Immerhin hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Angriff auf den Iran als Bruch des Völkerrechts kritisiert – um das mit dem vom Westen provozierten Krieg in der Ukraine gleichzusetzen. Er machte das in seiner Rede zum 75. Jahrestag der Gründung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Auf sein eigenes Versagen im Ukraine-Konflikt ging er dabei erwartungsgemäß nicht ein. Dagegen wird der US-amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran „bis heute von der Bundesregierung und anderen europäischen Regierungen, auch von der EU-Kommission oder im EU-Parlament nicht verurteilt“, wie die Nahost-Korrespondentin Karin Leukefeld am Dienstag in einem Beitrag für das Onlinemagazin NachDenkSeiten feststellte.

„Trotz der aggressiven Drohungen, die israelische Minister gegen den Libanon richten, werden deutsche Waffen und deutsches Geld an die israelische Regierung nicht gestoppt. Das Auswärtige Amt bestellt nicht die Vertreter von Israel und den USA ein, um gegen deren Angriffe zu protestieren.“

Leukefeld macht auf die Folgen für die Menschen in der Region aufmerksam:

„Millionen Menschen in der Region sind auf der Flucht. Mehr als 1,2 Millionen Inlandsvertriebene sind im Libanon registriert, mehr als drei Millionen Vertriebene werden aus dem Iran gemeldet. Die zwei Millionen Palästinenser im Gazastreifen und Zehntausende Vertriebene im besetzten Westjordanland finden kaum noch Erwähnung in westlichen Medien.

Die Zahl der Toten steigt täglich. Mehr als 1.500 Tote werden offiziell im Iran gemeldet, darunter hochrangige Politiker und Militärs. Wissenschaftler, Journalisten, Rettungshelfer, Feuerwehrleute, Angehörige des Zivilschutzes und der Rote-Kreuz/Rote-Halbmond-Organisationen wurden getötet. Ärzte, Krankenhelfer und ihre Gesundheitszentren und Kliniken werden bombardiert. In Schulen sterben Kinder und Lehrer.

Im Libanon werden die Menschen von den israelischen Bomben- und Drohnenangriffen in ihren Häusern, Höfen, Dörfern und Wohnungen getötet, die Israel als ‚Hisbollah-Stellungen‘ beschreibt. Mehr als 1.000 Tote wurden bisher gemeldet, darunter Rettungshelfer, Zivilschutz, Journalisten, Ärzte, Universitätsprofessoren und Familien mit ihren Kindern, die von Israel als ‚Hisbollah‘ bezeichnet werden.“

Die Menschen müssen mit ihrem Leben bezahlen, was Strategen der USA und Israels geplant haben. Mit dem Angriff auf den Iran haben die USA und Israel eine globale Krise ausgelöst, „die jeden einzelnen von uns betreffen wird“. Das hat der US-amerikanische Geopolitik-Analytiker Brian Berletic in einem Gespräch mit dem norwegischen Politologen Glenn Diesen erklärt. Diesen gestand in dem am Donnerstag veröffentlichten Gesprächsvideo ein, dass er anders als Berletic in Bezug auf die Rolle von US-Präsident Trump zu viel Hoffnung hatte. Berletic sagte dazu, er habe die Menschen „schon Monate vor der Wahl 2024 gewarnt, dass es keine Rolle spielt, wer gewählt wird. Es geht ausschließlich um die strukturelle Natur des US-Systems. Es wird von den Interessen großer Finanzkonzerne kontrolliert. Diese basieren auf der ständigen Ausweitung von Profit und Macht.“

Langfristige US-Strategie

Der geopolitische Analytiker, der bei den US-Marines diente, verwies auf die zahlreichen Strategiepapiere, in denen die langfristigen Pläne der herrschenden Kreise der USA „bis ins kleinste Detail“ dargelegt wurden. Im Hinblick auf den Iran-Krieg bezieht er sich auf das Material „Which Path to Persia“ der „Denkfabrik“ Brookings Institution aus dem Jahr 2009.

„Und Kapitel für Kapitel, Wort für Wort, haben die Vereinigten Staaten von der Bush-jr.-Regierung bis hin zur aktuellen Trump-Regierung jede einzelne Option umgesetzt, die darin dargelegt wurde.“

Das Ziel: Den Iran zu schwächen, aushöhlen und schließlich den Iran zu stürzen, „so wie es die USA mit anderen Ländern getan haben“. Mit dem von Israel unterstützten Regimewechsel in Syrien im Dezember 2024 seien die Voraussetzungen für den aktuellen Krieg gegen den Iran geschaffen worden. Die USA und Israel hätten Syriens integrierte Luftabwehrsysteme ausgeschaltet und einen Luftkorridor Richtung Iran freigemacht, der bereits 2009 in jenem Brookings-Papier gefordert worden war, so Berletic. In dem Strategiepapier sei vorgeschlagen worden, Israel als Mittel zu nutzen, um diesen Krieg überhaupt erst in Gang zu setzen und vorzubereiten. Israel sei benutzt worden, um den Krieg gegen den Iran auszulösen, „damit es sowohl den Großteil der Vergeltungsmaßnahmen als auch die Schuld für den Konflikt auf sich nimmt“.

„Man kann sehen, wie die aktuelle Trump-Regierung, Trump-Anhänger und die westlichen Medien genau diese Technik anwenden, die in diesem Strategiepapier dargelegt wurde: Präsident Trump macht Israel dafür verantwortlich, die Energieproduktionsstätten im Iran angegriffen zu haben. Dies ist offensichtlich eine gemeinsame US-israelische Operation, aber sie geben Israel die Schuld, genau wie es in den Strategiepapieren dargelegt wurde.“

Berletic betont, das Verstehen der Tatsache, wie die Vereinigten Staaten als ein von der Unternehmensfinanzierung vereinnahmter Staat agieren, gebe einen „unendlichen Einblick in das, was sie tun und warum“. Im Wesentlichen handele es sich um „einen gigantischen geopolitischen Virus, der sich aus Profit- und Machtgier ausbreitet“. Die herrschenden Kreise der USA könnten niemals eine multipolare Welt akzeptieren, denn das würde ihr ständiges Bedürfnis nach Macht- und Profitausweitung einschränken. Das widerspreche grundlegend ihrer Natur und sei unmöglich, „solange die Interessen, die die USA derzeit lenken, weiterhin die USA lenken“.

Aus Sicht des Ex-Marine war daher der Krieg gegen den Iran unvermeidlich. Er habe seit Jahren vor der Entwicklung gewarnt – „nicht, weil ich die Zukunft vorhersagen kann, sondern weil die Konzerne die Außen- und Innenpolitik der USA lenken und mithilfe dieser Strategiepapiere zu einem Konsens gelangen“. Diese Papiere würden in Gesetzesentwürfe und dann in Kriegspläne umgewandelt. Dann würden die Konzernmedien diese Politik an die Öffentlichkeit verkaufen und versuchen, sie davon zu überzeugen, dass Unternehmensinteressen auch US-amerikanische Interessen sind.

„Und deshalb hört es nie auf, egal wen man wählt, denn letztendlich sind all diese Politiker überhaupt erst durch riesige Lobbygelder und Wahlkampfspenden an die Macht gekommen, die größtenteils von großen Konzernen und ganzen Industriezweigen stammen.“

Berletic sieht auch den „Arabischen Frühling“ als Teil der US-Strategie, was durch dokumentierte Beweise belegt sei. Ziel sei es gewesen, „die arabische Welt zu einer Einheitsfront gegen den Iran umzugestalten, um den Iran einzukreisen, einzudämmen und dann zum Zusammenbruch zu bringen“. Das Endziel seien Moskau und Peking. Diese Strategie sei mit „sehr bewussten, koordinierten Schritten“ umgesetzt worden, „über Regierungen hinweg, ob republikanisch oder demokratisch, spielte keine Rolle“. Dazu gehöre auch, Russland in den Ukraine-Krieg zu verwickeln, so Berletic mit Verweis auf das Papier „Extending Russia“ der „Denkfabrik“ Rand Corporation aus dem Jahr 2019. Die darin beschriebenen Mittel, um Russland zu schwächen, würden Schritt für Schritt umgesetzt.

Endziel China

Das Vorgehen ziele letztendlich auf China ab, weil es die USA in fünf bis zehn Jahren wirtschaftlich überholen werde – „und zwar in einer Weise, die es den Vereinigten Staaten unmöglich machen wird, jemals zu versuchen, seinen Aufstieg zu verlangsamen oder zu stoppen“. Das gelte insbesondere für die Energieunabhängigkeit, die China mit verschiedenen Mitteln anstrebe und um 2030 erreichen könnte. „Und so hatten die Vereinigten Staaten ein sehr kleines, sich schließendes Zeitfenster, um zu versuchen, China zu stören, bevor es diesen endgültigen Übergang vollzieht“, stellte er gegenüber Diesen fest.

„Deshalb haben sie den Iran angegriffen, und man kann sehen, was passiert ist. Sie haben nicht nur den Iran angegriffen, sondern sind zuvor auch in Venezuela einmarschiert, haben den Präsidenten entführt und halten nun die verbleibende venezolanische Regierung als Geiseln fest. Sie haben den Energiefluss von Venezuela nach China unterbunden.“

Dazu gehören demnach auch die ukrainischen Drohnenangriffe mit großer Reichweite tief in russisches Gebiet hinein, die die russische Energieproduktion treffen. Das sei ohne die CIA nicht möglich, die auch maritime Drohnen einsetze, um Tanker anzugreifen, die russische Energie transportieren. Darüber hinaus würden die USA seit Jahren die Öl-Pipeline-Infrastruktur der chinesischen Belt-and-Road-Initiative in Myanmar sabotieren, mithilfe von „Rebellen“.

„Die USA haben bereits eine im Wesentlichen globale maritime Ölblockade gegen China errichtet.“

Die Fragen vieler, warum das chinesische Militär Iran nicht helfe, beantwortete Berletic mit dem Hinweis, das chinesische Militär sorge in der asiatisch-pazifischen Region dafür, eine Blockade der Meerenge von Malakka durch die USA zu verhindern. In Washington sei das verstanden worden. Zugleich habe die US-Führung erkannt, nicht in der Lage zu sein, „die Menge an Munition zu produzieren, die sie für ihren globalen Krieg gegen den Multipolarismus und letztlich gegen China benötigen“. Deshalb würden sie versuchen, den Iran zu destabilisieren und zu stürzen, um dafür zu sorgen, dass Exporte aus dem Nahen Osten erst einmal eingeschränkt und dann ganz unterbunden werden. Dazu hätten die USA und Israel die Energieproduktion im Iran angegriffen, was sich auf die Exporte nach China auswirke. Auch die iranischen Angriffe auf die Öl- und Gas-Produktion der Golfstaaten hätten Folgen für China.

Das nehme „die Form einer globalen Ölblockade gegen China“ an, die die USA zielstrebig umsetzten, entgegen des Eindrucks, sie handelten ohne Plan und die Situation gerate außer Kontrolle. China werde „langsam, aber sicher abgeschnitten“. Dazu würden weitere Kräfte des US-Militärs in die Region gebracht, um den Druck aufrechtzuerhalten und die Lage immer weiter zu verschlimmern.

Der Analytiker ist der Meinung, dass die USA ganz gezielt gegen den Iran vorgehen, unter Missbrauch der vorherigen Diplomatie, und von dessen Gegenschlägen nicht überrascht seien. Sie würden nun versuchen, den Iran wirtschaftlich zu zermürben. Dazu gehörten die Angriffe auf die Infrastruktur, die für die Zivilbevölkerung des Iran – 93 Millionen Menschen – lebenswichtig ist. Der Iran sei von den Exporten von Erdöl und -gas abhängig, die die Hälfte der Staatseinnahmen ausmachten. Berletic ist der Meinung, dass die USA selbst Interesse hätten, die Straße von Hormus zu sperren, und deshalb Marine-Einheiten aus dem asiatisch-pazifischen Raum in den Nahen Osten verlegen.

Israel als Sündenbock

Es gehe darum, Schiffe abzufangen, denen der Iran die Durchfahrt gestatte. So werde der Krieg fortgesetzt und bewusst provoziert, „dass er weiter außer Kontrolle gerät und ganz allmählich und auf scheinbar natürliche Weise einfach alle Exporte auf die eine oder andere Weise unterbindet – eine gegenseitig garantierte Zerstörung der jeweiligen Energieproduktion“. Das sei „eine Voraussetzung, um Russland und China zu isolieren und dann schließlich auf Russland und China allein, ohne ihre Verbündeten und Partner, einzuwirken“. Angesichts der begrenzten Ressourcen der USA, um einen globalen Krieg gegen den Multipolarismus führen zu können, rechnet Berletic mit einem möglichen „Wendepunkt, an dem die USA erschöpft und überfordert sein werden, wie alle Imperien vor ihnen“. Doch es handele sich im Unterschied zu allen geschichtlichen Vorläufern um ein Imperium mit Atomwaffen.

Die Situation sei „sehr gefährlich“, „denn letztendlich richtet sich alles sowohl gegen Russland als auch gegen China, beides Nuklearwaffenstaaten“. Der Ausgang des Iran-Krieges sei offen, doch es gebe derzeit „einfach keinen guten Weg, wie dieser Konflikt ausgehen könnte“. Ihm bereite „am meisten Sorgen“, wie die USA „Israel ganz unverhohlen als den ultimativen Sündenbock benutzen“.

„Durch Israel können sie alles tun. Und dann große Teile der Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es Israel war und die USA nichts tun konnten, um sie aufzuhalten. Und das reicht bis hin zu Atomwaffen. Sie haben Atomwaffen; wenn die USA aus irgendeinem Grund Atomwaffen gegen den Iran einsetzen wollten, würden sie einfach Israel dazu bringen, es zu tun.“

Dann würde US-Präsident Trump behaupten, er sei dagegen gewesen, doch Israel habe es trotzdem getan. In einem Kapitel im Brookings-Papier von 2009 gehe es ausschließlich darum, Israel als entbehrlichen Stellvertreter zu nutzen, um US-Interessen in einer Operation zum Regimewechsel gegen den Iran voranzutreiben. Das werde umgesetzt und mache diesen Konflikt so gefährlich.

„Die USA befinden sich gerade in diesem globalen Krieg der Aggression, Mord und Entführungen. Es ist einfach ein globaler krimineller Amoklauf, aber sie können das nicht ewig tun.“

Krieg um Öl

Aus nichtwestlicher Perspektive bestätigt der afrikanische Politikanalytiker Simon Chege Ndiritu die Analyse von Berletic. Für ihn ist der Angriff auf den Iran ein weiterer Krieg um Öl. Mit diesem treibe US-Präsident Trump ein System voran, „das den USA die Kontrolle über die globalen Ölressourcen und deren Verkauf verschafft“, schreibt Ndiritu in einem Beitrag im russischen Onlinemagazin New Eastern Outlook.

Am 7. März habe das Weiße Haus klargestellt, dass die USA die vollständige Kontrolle über die Ölreserven und die Infrastruktur des Iran erlangen wollen. Das zeige, dass die Operation „Epic Fury“ der nächste Krieg um Öl sei. Die umfangreichen Bombardierungen der iranischen Zivilbevölkerung und der Infrastruktur des Landes – wobei die Rohstoffindustrie ausgespart werden solle – zeigten, dass die USA „von einer neokolonialen Haltung beherrscht wird, Ressourcen zu plündern, wann immer sie auftauchen“. Dies sollte keine Überraschung sein, schreibt der Autor und verweist darauf, dass der republikanische Senator Lindsey Graham Anfang März erklärte, dass die USA die Kontrolle über das iranische Öl anstreben, das zusammen mit dem von Venezuela 31 Prozent der weltweiten Ölreserven ausmache.

Würde Washington die umfassende Kontrolle über die Ressourcen anderer Länder erlangen, „würde es wahrscheinlich Öl rationieren und den Zugang dazu für seine designierten Gegner, darunter China, einschränken“, so der Autor. Ebenso würden andere ausgewiesene Gegner, wie Russland, „durch strengere Sanktionen und Sabotage aus den globalen Energiemärkten verdrängt. Washington würde in der Folge einen großen Teil des Wertes der weltweiten Ölproduktion seinem Bruttonationaleinkommen (BNE) hinzufügen und so ein „Produktivitätswunder ohne Arbeit“ vollbringen. Trumps Operation „Epic Fury“ stelle einen weiteren Schritt zur Monopolisierung des globalen Energiehandels dar.

Die Anstifter dieses Krieges hätten gezeigt, „dass sie eine Welt nicht akzeptieren können, die auf souveräner Gleichheit basiert, in der gleichberechtigte Länder frei Handel treiben. Stattdessen zwingen sie ein System auf, das es ihnen erlaubt, andere Länder unter dem Deckmantel bequemer Rechtfertigungen auszuplündern und zu berauben.“ Ndiritu macht zudem auf die „bedauerliche Realität“ aufmerksam, dass die Bürger des Westens es den USA, Israel und den westeuropäischen Ländern nach wie vor gestatten, weiterhin Kriege um Ressourcen zu führen“.

Millionen von Bürgern aus westeuropäischen Ländern, die Israel unterstützen, stünden vor sozialen Herausforderungen wie Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit. Diese könnten mit den Ressourcen, die in endlose Kriege umgeleitet werden, problemlos gelöst werden, betont der Autor. Doch die westlichen Gesellschaften seien „größtenteils mit an Bord bei einem riskanten Abenteuer, das einer überholten neokolonialen Haltung folgt“. Diese „unvernünftige Zustimmung“ zeige sich darin, „dass Trump und Benjamin Netanjahu keinerlei nennenswerten Widerstand in Form von Protesten, rechtlichen Schritten oder Gesetzesinitiativen gegen die Auslösung eines unvertretbaren Krieges erfahren haben“. Der Autor stellt fest:

„Die Bürger im Westen sind es gewohnt, von den Erträgen der Exzesse ihrer Regierungen zu profitieren, wie zum Beispiel dem Sklavenhandel, dem Kolonialismus, der Plünderung und illegalen Kriegen.“

Forderung nach Kriegsende

Unterdessen haben 80 jüdische und arabische Organisationen in Israel am Montag einen Offenen Brief an US-Präsident Trump und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geschickt, in dem sie ein Ende des Krieges mit dem Iran fordern. Sie rufen dazu auf, einen umfassenden regionalen politischen Prozess einzuleiten, um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen und den Nahen Osten zu stabilisieren. Die Organisationen, die den Brief unterzeichnet haben, sind Mitglieder der Koalition „It’s Time“ („Es ist Zeit“), einem breiten Bündnis von Friedens-, Versöhnungs- und Gemeinschaftsorganisationen in Israel. In dem Brief warnen sie, dass der aktuelle Krieg die Sicherheit nicht verbessert, sondern stattdessen die gesamte Region gefährdet:

„Es ist Zeit, den Krieg gegen den Iran zu beenden – einen Krieg, dessen Ziele unerreichbar sind und dem eine klare Ausstiegsstrategie fehlt. Jeder weitere Krieg in der Region führt nur zu einer nächsten Runde, anstatt sie zu verhindern.“

Den Organisationen zufolge kann der Krieg mit dem Iran nicht isoliert betrachtet werden, sondern steht in direktem Zusammenhang mit den Entwicklungen im Gazastreifen und im Westjordanland.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Illustration als Symbol für US-Kontrolle über Erdöl: Ölfass mit US-Flagge steht in Erdöl-See mit Ölraffenerien im Hintergrund

Bildquelle: Alexandr Iakimov / shutterstock


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