Hollisters Geopolitik-Radar

Hollisters Geopolitik-Radar vom 23.-29. März 2026

Hollisters Geopolitik-Radar vom 23.-29. März 2026

Tag 28 des Iran-Krieges – und die Eskalation erreicht eine neue Dimension. Iran öffnet Hormuz für Russland, China und Indien, sperrt es für den Westen: kein Krieg mehr, sondern ein Mautsystem nach geopolitischer Loyalität. Drei US-Kräfteverbände sind auf dem Weg in den Persischen Golf – während Iran seinen Preis für eine Bodeninvasion öffentlich nennt: UAE-Küsten, Bahrain, Bab al-Mandab. Bushehr wurde dreimal getroffen, ohne dass jemand sagt, wer geschossen hat. Und die Huthis feuern ihre erste Rakete auf Israel.

Der Geopolitik-Radar vom 23.–29. März 2026.

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Ticker

1. Iran lehnt US-Friedensplan ab - stellt eigene fünf Bedingungen (25. März)

Washington übergab über Pakistan einen 15-Punkte-Plan: Einschränkung des Nuklearprogramms, Öffnung von Hormuz. Teheran antwortete mit fünf Gegenforderungen: Stopp aller Angriffe und Attentate, verbindliche Kriegsgarantien, Kriegsreparationen, Ende aller Feindseligkeiten auf allen Fronten - und Irans Souveränität über die Straße von Hormuz. Washington: „lächerlich und unrealistisch." Iran: „Wir verhandeln nicht."

2. Trump verlängert Deadline auf 6. April - droht mit Kraftwerksangriffen (26. März)

Trump verschob per Truth Social die Frist für Iran, Hormuz zu öffnen, um zehn Tage - angeblich auf Teherans Wunsch. Gleichzeitig drohte er, bei Nichterfüllung iranische Energieanlagen zu zerstören. UN-Menschenrechtsexperten: Angriffe auf Kraftwerke wären ein Kriegsverbrechen. Iran: Wir führen keine Gespräche.

3. Israel trifft Nuklearanlagen Arak und Ardakan (27. März)

Der Schwerwasserreaktor Khondab in Arak sowie die Yellowcake-Produktionsanlage in Ardakan wurden von Israel angegriffen - beides Kernstücke des iranischen Nuklearprogramms. Der Arak-Reaktor kann zur Produktion waffenfähigen Plutoniums genutzt werden. Die Ardakan-Anlage verarbeitet Uranerz zu Yellowcake als Vorstufe zur Anreicherung. Zeitgleich dritter Treffer auf Bushehr-AKW-Gelände. IRGC-Luftwaffenchef auf X: „Diesmal nicht mehr Auge um Auge."

4. Huthis treten dem Krieg bei (28. März)

Erstmals seit Kriegsbeginn feuerte die jemenitische Huthi-Bewegung eine ballistische Rakete auf Israel ab - abgefangen. Zuvor hatten die Huthis gedroht, in den Krieg einzutreten, falls das Rote Meer für Angriffe auf Iran genutzt wird oder neue Allianzen entstehen. Bab al-Mandab als zweite Meerenge rückt damit in den Fokus.

5. Drei Kräfteverbände Richtung Persischer Golf (25.–28. März)

Die USA verlegen drei separate Kräfteverbände: Die 82nd Airborne Division mit 1.000 bis 3.000 Fallschirmjägern - ausgebildet für den Einsprung in feindliches Gelände, keine Schutzformation. Die USS Boxer mit der 11th Marine Expeditionary Unit (ca. 2.500 Marines, ausgestattet mit V-22 Osprey-Kipprotorflugzeugen). Die USS Tripoli mit der 31st MEU - bereits seit Wochen in der Region. Das Pentagon hat laut CBS News detaillierte Pläne für einen Bodeneinsatz ausgearbeitet.

6. Israel erklärt Südlibanon zur dauerhaften Besatzungszone (24. März)

Verteidigungsminister Katz: Israel wird den Südlibanon bis zum Litani-Fluss besetzen. Finanzminister Smotrich: „Der Litani muss unsere neue Grenze sein." Fünf Brücken über den Litani gesprengt, Grenzdörfer abgerissen. Libanons Präsident Aoun: „Auftakt zur Besatzung." International: kein Aufschrei, keine Reaktion, keine Pressemitteilung.

7. Bushehr AKW - drei Einschläge, keine Zuschreibung (17., 24., 27. März)

Drei Projektile schlugen auf dem Gelände des laufenden Atomkraftwerks Bushehr ein - am 17., 24. und 27. März. Keine Strahlenerhöhung, keine Verletzten. Kein Staat hat bisher öffentlich erklärt, wer geschossen hat. Ohne Zuschreibung gibt es keine Abschreckung. IAEA-Chef Grossi: „röteste Linie" nuklearer Sicherheit. Rosatom: Ein direkter Reaktortreffer würde eine „regionale Katastrophe" auslösen.

8. Iran öffnet Hormuz für befreundete Nationen (26. März)

Außenminister Araghchi bestätigte: China, Russland, Indien, Irak und Pakistan erhalten sicheres Geleit durch Hormuz. USA, Israel und ihre Verbündeten nicht. „Sie dachten, Iran hätte nicht den Mut. Wir haben es getan." Hormuz wird vom Kriegsschauplatz zum geopolitischen Mautsystem.

9. Russland startet Frühjahrsoffensive - 948 Drohnen in 24 Stunden (24. März)

Einer der größten russischen Luftangriffe seit Kriegsbeginn. UNESCO-geschützte Innenstadt von Lwiw getroffen. Friedensgespräche zwischen USA, Ukraine und Russland gestoppt. Selenski: Washington ist „vollständig durch den Iran abgelenkt." Putin nutzt das Vakuum.

10. G7-Außenminister in Paris - Rubio vs. skeptische Verbündete (27. März)

Rubio versuchte, die US-Strategie im Iran vor G7-Partnern zu rechtfertigen. Frankreichs Generalstabschef Mandon: „Wir wurden von einem Verbündeten überrascht, der immer unberechenbarer wird und uns nicht informiert, wenn er Kriege startet." Steinmeier: Iran-Krieg sei „völkerrechtswidrig."

11. Quadrilaterales Diplomatie-Format: Pakistan, Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien (30. März)

Islamabad wird Gastgeber eines neuen regionalen Vermittlerformats - ohne USA, ohne Israel, ohne Europa. Pakistan hat den US-Plan nach Teheran überbracht. Das Format zeigt: Die Diplomatie dieses Krieges findet außerhalb des Westens statt.

12. Iran trifft Prince Sultan Air Base - 10 US-Soldaten verletzt (27. März)

Ein iranischer Raketenangriff auf die saudische Prince Sultan Air Base verletzte mindestens 10 US-Soldaten, zwei davon schwer. Mehrere Betankungsflugzeuge beschädigt - ausgerechnet jene, die für die Luftoperationen über Iran unverzichtbar sind.

Im Fokus

1. Hormuz als neue Weltordnung: Iran zieht eine Linie durch die Weltwirtschaft

Es gibt Entscheidungen, die militärisch wie eine Niederlage aussehen - und strategisch ein Sieg sind. Die Öffnung der Hormuzstraße für „befreundete Nationen" ist eine davon.

Araghchis Aussage ist in ihrer Klarheit kaum zu überbieten: China, Russland, Indien, Irak und Pakistan dürfen passieren. Die USA und ihre Verbündeten nicht. „Sie mobilisierten alle ihre Fähigkeiten, um die Sperrung zu stoppen - und scheiterten." Was wie eine Konzession klingt, ist das Gegenteil: Iran verwandelt die Sperrung in ein Mautsystem nach geopolitischer Loyalität.

Die Konsequenzen sind weitreichend. China erhält Energiesicherheit - genau jene, die Washington durch den Krieg entziehen wollte. Indien kann als inoffizieller Zwischenhändler für westliche Länder fungieren, die über indische Kanäle an iranisches Öl gelangen. Pakistan - nominell US-Verbündeter und Vermittler des Friedensplans - steht faktisch auf Irans Seite der Meerenge.

Gleichzeitig droht Iran: Sollten die USA Bodentruppen in den Süden Irans schicken, würde Teheran eine zweite Front an Bab al-Mandab eröffnen. Die 26 Kilometer schmale Passage zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika ist das Nadelöhr zum Suezkanal. Rund 12 Prozent des weltweiten Seeöl- und -gashandels läuft dort durch, über 30 Prozent des Containerhandels zwischen Asien und Europa. Wenn beide Meerengen gleichzeitig blockiert sind, gibt es keine Umgehungsroute ohne extreme Kosten. Die WTO schätzt den wirtschaftlichen Schaden einer Doppelblockade als rezessionsauslösend innerhalb von Wochen.

Deep-Dive: Update Iran-Krieg, 26. März 2026

Update Iran-Krieg, 28./29. März 2026: Update Iran-Krieg, 29. März 2026

Fragen:

  • Iran hat Hormuz geöffnet - für seine Freunde. Wer entscheidet in Zukunft, wer Freund und wer Feind ist?
  • Pakistan erhält sicheres Geleit durch Hormuz und vermittelt gleichzeitig den US-Friedensplan. Auf welcher Seite steht Pakistan wirklich?
  • Bab al-Mandab plus Hormuz: Gibt es ein Szenario, in dem beide Meerengen gleichzeitig blockiert sind - und wie lange würde die Weltwirtschaft das aushalten?

2. Bushehr, Arak, Ardakan: Die nukleare Eskalationsspirale

Drei Einschläge auf das Gelände des Atomkraftwerks Bushehr. Angriffe auf den Schwerwasserreaktor in Arak und die Yellowcake-Anlage in Ardakan. Jedes Mal: keine Strahlenfreisetzung, keine Verletzten - und kein staatliches Bekenntnis, wer geschossen hat.

Das ist die strukturelle Gefahr dieser Woche: Nicht was getroffen wurde, sondern was noch nicht getroffen wurde - und dass niemand die Grenze benennt.

Bushehr läuft mit voller Kapazität. Es enthält 72 Tonnen Kernbrennstoff und 210 Tonnen abgebranntes Material. Ein direkter Treffer auf den Reaktor würde nach Einschätzung von Rosatom eine „regionale Katastrophe" auslösen: radioaktive Aerosole über dem Persischen Golf, Verseuchung der Meeresküsten, Ausfall der Entsalzungsanlagen, von denen Millionen Menschen ihr Trinkwasser beziehen. Tanker, die in verstrahlte Gewässer fahren, würden in keinem Hafen der Welt anlanden dürfen - das Öl wäre nicht verstrahlt, aber die Schiffe wären es. 15 bis 20 Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden. Eine Hormuz-Sperrung durch Verstrahlungsrisiko wäre nicht mehr politisch - sie wäre physisch.

Irans angekündigte Antwort auf einen solchen Angriff: das israelische Atomforschungszentrum in Dimona sowie das südkoreanisch gebaute Barakah-Kernkraftwerk in Abu Dhabi mit vier Reaktoren und 5.600 Megawatt Leistung - an der Küste Abu Dhabis gelegen.

Was analytisch fehlt: Ein Staat, der öffentlich sagt, wer Bushehr dreimal getroffen hat. Ohne Zuschreibung gibt es keine Abschreckung. Ohne Abschreckung wird das nächste Geschoss nicht der vierte Warnschuss sein.

Deep-Dive: Iran Insight - Kommentar: Was passiert, wenn Bushehr brennt

Fragen:

  • Drei Einschläge auf ein laufendes AKW ohne öffentliche Zuschreibung: Wie lange kann dieser Zustand andauern, bevor ein gezielter Treffer die Kalkulation unwiderruflich verändert?
  • Barakah in Abu Dhabi, Dimona in Israel, Bushehr im Iran - wenn alle drei unter Beschuss geraten, wer rettet die Golfregion?
  • Die IAEA hat keine Durchsetzungsbefugnis. Was ist der internationale Rechtsmechanismus, wenn Atomkraftwerke in einem aktiven Krieg getroffen werden - und warum greift er nicht?

3. Bodentruppen, das Doppelschloss und Irans Preis

Drei Kräfteverbände sind unterwegs. Das Pentagon hat detaillierte Pläne ausgearbeitet. Trump erwägt laut Axios die Einnahme von Kharg Island.

Was die Bewegungen militärisch bedeuten, ist eine Sache. Was Iran dafür kalkuliert hat, ist eine andere.

Teheran ließ übermitteln: Bei einer US-Bodeninvasion wird Iran die Küstengebiete der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains besetzen und „die Landkarte verändern." Gleichzeitig: Eröffnung einer zweiten Front an Bab al-Mandab durch die Huthis - die am 28. März ihre erste Rakete auf Israel abfeuerten.

Das ergibt ein strategisches Bild: Iran nennt seinen Preis, bevor die USA die Entscheidung treffen. UAE und Bahrain beherbergen US-Basen, haben iranische Raketen abgefangen, haben politisch Seite bezogen. Im Falle einer Invasion würden sie zum Schlachtfeld. Die USA können ihren Verbündeten nicht sagen, dass sie das eingepreist haben - aber sie haben es.

Rubio sagte in Paris: Die Kriegsziele sind „ahead of schedule" und können ohne Bodentruppen erreicht werden. Gleichzeitig steigen die Truppenzahlen. Der Widerspruch ist strategisch gewollt: maximale Optionalität für Trump.

Deep-Dive: Iran Inside - Bodentruppen und das Doppelschloss

Fragen:

  • Die 82nd Airborne ist eine Angriffstruppe, keine Schutzformation. Wenn sie nicht für den Bodeneinmarsch da ist - für was dann?
  • Iran hat seinen Preis für eine Invasion öffentlich benannt: UAE-Küsten, Bahrain, Bab al-Mandab. Hat Washington seinen Verbündeten in der Region erklärt, dass dieser Preis eingepreist ist?
  • Rubio sagt „keine Bodentruppen nötig" - während drei Kräfteverbände verlegt werden. Was bedeutet „maximale Optionalität" für ein Land, das seit vier Wochen Krieg führt?

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Quellenliste

Friedensplan / Verhandlungen

Hormuz / Bab al-Mandab

Nuklearanlagen

Bodentruppen / Kräfteverbände

Houthis

Libanon / Israel

Ukraine

Europa

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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

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Bildquelle: Michael Hollister


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