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Iran-Krieg: Immense Folgen für Deutschland | Von Claudia Töpper

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Ein Kommentar von Claudia Töpper.

Deutschland erhält sein Öl und Gas hauptsächlich aus den USA, Norwegen, Kasachstan, Großbritannien, Libyen, Algerien, Aserbaidschan und Russland. Damit sind 80 % des Öl- und Gasbedarfs gedeckt. Dies bedeutet, dass nur ein sehr kleiner Teil des deutschen Bedarfs (katarisches Gas und iranisches Öl) aus dem Nahen Osten bezogen wird. (1)

Die beiden Länder, von denen Deutschland das meiste Öl und Gas importiert, sind Norwegen und die USA. Diese produzieren zum größten Teil ihr Öl und Gas selbst oder, im Fall der USA, importiert das meiste Öl aus Kanada. Somit exportieren sie eher Öl und Gas als dass sie es von anderen einkaufen müssten. (2) Hinzu kommt, dass die meisten Öl- und Gaslieferungen über den Suezkanal nach Europa gelangen und nicht über die Straße von Hormus. (3) Der geringe Teil aus Katar und dem Iran, der Deutschland fehlt, gelangt normalerweise über die Straße von Hormus zum Suezkanal nach Europa.

Dies bedeutet, dass Deutschland zwar nicht direkt von den ausbleibenden Öl- und Gaslieferungen betroffen ist, aber indirekt durch das Steigen der Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt. In der letzten Woche hat Israel das größte Gasfeld im Iran angegriffen und in Brand gesteckt. Auch in Katar kam es zu Angriffen auf Ölfelder. Dieser Mangel, der zwar vor allem direkt Asien trifft, führt jedoch auch auf dem gesamten Weltmarkt zu einem massiven Anstieg der Öl- und Gaspreise. (4)

Hinzu kommt, dass die USA die Lieferungen nach Deutschland einstellen könnten, wenn sich Deutschland weiterhin weigert, direkt in den Iran-Krieg einzusteigen und somit die USA zu unterstützen, erklärte der Politiker und Chemiker, Prof. Dr. Fritz Varenholt kürzlich in einem Interview. (5)

Konsequenzen für Deutschland?

Lebensmittel

Wenn die Gaspreise steigen, steigen auch die Strompreise. Des Weiteren wird für die Produktion von Lebensmitteln zum einen Strom benötigt. Zum anderen werden sie mit Schiffen geliefert, die mit Diesel betrieben werden. Dies bedeutet, dass die Preise für Produkte des täglichen Bedarfs, wie Essen und Trinken in den Einkaufsmärkten weiter ansteigen werden. Momentan belaufen sich die Schätzungen der Preissteigerungen von Lebensmitteln auf bis zu 50 %. Des Weiteren wird nicht nur mit Preissteigerungen gerechnet, sondern auch mit Versorgungsengpässen, denn die ersten Lieferketten scheinen zu reißen. (6)

Industrie

So warnt der Verband für chemische Industrie bereits vor Engpässen. In seinen Pressemitteilungen vom 13. und 18. März 2026 erklärte der Verband: „Viele unserer Mittelständler stehen mit dem Rücken zur Wand. Zollkonflikte, chinesische Dumpingpreise und der Krieg im Iran wirken wie ein toxischer Beschleuniger auf die strukturellen Probleme am Standort. […].“ (7)

„Die Branche leidet insgesamt unter einer schwachen Industriekonjunktur, hohem Importdruck und einem intensiven Preiswettbewerb. Zudem sorgt der Irankrieg für weitere Risiken durch die Blockade der Straße von Hormus. Diese gehen über die Öl- und Gasversorgung hinaus. Es besteht die Sorge ernster, zunehmender Versorgungsengpässe bei Rohstoffen – zum Beispiel bei Ammoniak und Phosphat, Helium und Schwefel. Zusätzlich gibt es erste Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten. […] Je länger der Krieg dauert, desto heftiger sind die Folgen. Die hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit bringen viele Betriebe an ihre Grenzen. Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht. Die Weltordnung wird neu vermessen. Europa ringt um Orientierung. Deutschland reformiert im Schneckentempo. Ohne echten Reformwillen und mächtig Tempo in Berlin und Brüssel droht ein Strukturbruch für die industrielle Basis.“ (8)

Auch die Industrie merkt, dass die steigenden Stromkosten sie massiv treffen. Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Prof. Achim Wambach fügt hinzu: „Der ZEW-Index ist eingebrochen. Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise massiv nach oben und sorgt für steigenden Inflationsdruck.“ (9)

Auf der Internetseite des ZEW ist zudem Folgendes zu lesen:

„Kaum eine Branche erfährt eine Verbesserung im März. Besonders betroffen von den negativen Entwicklungen sind die energieintensiven Branchen: Chemie- und Pharmaindustrie, Automobilbranche, und Maschinenbau. Des Weiteren verzeichnen die Stahl- und Metallindustrie sowie das Baugewerbe ebenfalls starke Rückgänge. Beim letzteren könnte dies auch mit der Erwartung steigender Zinsen zusammenhängen. Etwa 80 Prozent der Befragten rechnen mit Inflationsdruck sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone.“ (10)

Auf lange Sicht hat die Situation zur Folge, dass die deutsche Wirtschaft noch rasanter zerstört wird. Unternehmen, die sich vielleicht gerade so noch über Wasser halten konnten, werden nun auch Insolvenz anmelden müssen. Innerhalb eines Monats ist die Konjunktur in Deutschland von + 58,3 auf – 0,3 eingebrochen. Dies bedeutet ein Minus von 58 Punkten innerhalb eines Monats. (11)

Landwirtschaft

Auch die Landwirtschaft ist von den Preisanstiegen betroffen. So steigen die Düngerpreise in rasantem Tempo. Das Onlineportal agrarheute berichtete am vergangenen Mittwoch, den 18. März 2026 bereits, dass „Europa im Frühjahr 2027 aufgrund der CO2-Importsteuer und des knappen globalen Angebots keinen Stickstoffdünger mehr haben [wird]. […] Diese Botschaft muss die Regierungen und die EU erreichen." (12) Ein Düngemittel-Händler beschrieb die aktuelle Situation wie folgt: „als perfekten Sturm aus steigenden Kosten, niedrigen Getreidepreisen und einem plötzlichen steilen Anstieg der Stickstoffpreise.“ (13)

Laut der Internetseite Rohstoffwelt.de hat China den Export von Düngemitteln massiv eingeschränkt. So heißt es auf der Seite wie folgt: „Berichten zufolge wurden heimische Exporteure angewiesen, die Lieferung von Stickstoff-Kalium-Mischdüngern vorerst auszusetzen. Diese Maßnahme ergänzt bereits bestehende Beschränkungen für Harnstoff (Urea), für den Peking derzeit keine neuen Exportkontingente für das Jahr 2026 freigegeben hat. Ziel ist es, die nationale Versorgung für die anstehende Frühjahrsaussaat zu sichern und die Binnenpreise stabil zu halten.“ (14) Weiter heißt es:

„Die Auswirkungen auf den Weltmarkt sind massiv, da China einer der weltweit bedeutendsten Produzenten und Exporteure von Agrarnährstoffen ist. Die Unsicherheit durch den Konflikt und die chinesischen Exportstopps haben die Preise für Harnstoff – den weltweit am häufigsten verwendeten Stickstoffdünger – in kürzester Zeit in die Höhe getrieben.“ (15)

In diesem Zusammenhang ist es noch wichtig darauf hinzuweisen, dass der Düngerpreis zu 80 % aus dem Gaspreis ermittelt wird. (16)

Medizinische Versorgung

Des Weiteren gibt es erste Auswirkungen auf die medizinische Versorgung. Wichtige Kunststoffe fehlen für das Material in Krankenhäusern, wie z. B. Einweghandschuhe, Schutzkittel, Drainagen, Absauger und Vliessstoffe. Einige Hersteller für Klinikmaterial reagieren bereits. Seit vergangenen Mittwoch, dem 18. März 2026 weisen sie ihren Kunden, wie Krankenhäusern und Laboren nur noch ein gewisses Kontingent zu, anstatt die Bestellungen vollständig zu erfüllen. So sollen Hamsterkäufe verhindert werden. (17)

Kommentar

Auch, wenn die Lieferungen über die Straße von Hormus hauptsächlich Asien betreffen, hat die Sperrung dieser Straße dennoch massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Sie wirkt, wie die Corona-Plandemie wie ein Brandbeschleuniger auf die Industrie. Durch den rasanten Preisanstieg in nahezu jedem Bereich, könnte aber nicht nur in kurzer Zeit die deutsche Industrie still stehen. Es ist durchaus denkbar, dass die Bundesregierung zuerst die Zufuhr von Öl und Gas bei der Bevölkerung drosselt, zugunsten der Industrie.

Auch, wenn der US-Präsident, Donald J. Trump am Montag, den 23. März 2026 auf seiner Social-Media Plattform truth social verkündet hat, dass nach einem Verhandlungswochenende mit dem Iran die USA alle militärischen Angriffe für fünf Tage einstellen, wird dies nicht langfristig zu einer Senkung der Öl- und Gaspreise führen, denn die Ölfelder sind vernichtet. (18) Hinzu kommen die beschädigten bzw. zerstörten Raffinerien im Nahen Osten. Es wird Jahre dauern, um diese wieder aufzubauen. All dies wird sich in den Preisen widerspiegeln.

Interessant ist hier, dass der Iran diese angeblichen Verhandlungen dementiert. (19) Laut der österreichischen Nachrichtenplattform AUF1 erklärte der Iran „Es gibt keine laufenden Verhandlungen und wird sie auch nicht geben, und mit dieser Art von psychologischem Krieg kehren weder die Straße von Hormus zu den Vorkriegsbedingungen zurück, noch kehrt Ruhe auf die Energiemärkte ein.“ (20)

Dies alles lässt eher vermuten, dass den USA schlicht und ergreifend die Waffen ausgegangen sind und sie schnell Nachschub produzieren müssen. Oder, sie planen einen umfangreichen Schlag gegen den Iran, der mehr Fokus, Zeit und Planung erfordert. Ob der Iran auch seine Kräfte sammelt oder die Pause nutzt, um einen Gegenschlag auszuüben, bleibt abzuwarten. In jedem Fall scheint eine Kapitulation eines der beiden Länder momentan ausgeschlossen. Dies legt auch eine interessante Aussage nahe, die kürzlich beim CPAC in Ungarn getätigt wurde.

Am vergangenen Wochenende fand das CPAC Hungary in Budapest statt. Dies ist eine Konferenz bei der sich konservative politische Vertreter aus Europa, den USA und anderen Ländern austauschen. Zu der Konferenz waren diesmal nicht nur Donald Trump und der israelische Ministerpräsident, Benjamin Netanjahu zugeschaltet. Der Sohn von Netanjahu, Jair Netanjahu war persönlich vor Ort. Laut der russischen Nachrichtenplattform rt.de erklärte Jair Netanjahu:

„[Der] Iran befindet sich gerade an seinem schwächsten Punkt und was sie da tun, ist völlig verrückt – wie sie die Golfstaaten angreifen, wie sie die Straße von Hormus blockieren – stellen sie sich vor, wie schlimm die Lage gewesen wäre, wenn sie [Iran] […] Atomwaffen und zehntausende ballistische Raketen erworben hätten, die die Vereinigten Staaten erreichen könnten. Das hätte den dritten Weltkrieg garantiert, und zwar einen atomaren.“ (21)

Wenn man die offensichtlichen Verdrehungen der Tatsachen bei diesem Zitat außer Acht lässt, ist die Aussage von Netanjahus Sohn hier außerordentlich bemerkenswert. Denn, Netanjahus Sohn gibt hier offiziell live im ungarischen Fernsehen zu, dass der offizielle Grund für den Angriff auf den Iran, eine Lüge ist. Er erklärt offen, dass der Iran weder Atombomben noch ballistische Raketen besitzt.

Ob er nun, nach dem Angriff der USA und Israel Raketen von Russland und China zur Verfügung gestellt bekommt, ist natürlich eine andere Sache. Aber Fakt ist, zum Zeitpunkt des Angriffs besaß er offensichtlich keine und sowohl Israel als auch die USA haben es gewusst.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://ec.europa.eu/eurostat/web/interactive-publications/energy-2026

(2) https://www.eia.gov/international/overview/world

(3) https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20251219-2

(4) https://de.tradingeconomics.com/commodity/crude-oil; https://www.youtube.com/watch?v=BbhN4yHBi5s

(5) https://www.youtube.com/watch?v=wGmG2oiYxYA

(6) https://www.youtube.com/watch?v=BbhN4yHBi5s

(7) https://www.vci.de/presse/pressemitteilungen/lichtinstallation-schneckentempo-berlin.jsp

(8) https://www.vci.de/presse/pressemitteilungen/quartalsbericht-4-2025.jsp

(9) https://www.zew.de/presse/pressearchiv/einbruch-der-erwartungen-infolge-des-kriegs-in-nahost

(10) https://www.zew.de/presse/pressearchiv/einbruch-der-erwartungen-infolge-des-kriegs-in-nahost

(11) https://www.zew.de/presse/pressearchiv/einbruch-der-erwartungen-infolge-des-kriegs-in-nahost

(12) https://www.agrarheute.com/markt/duengemittel/duengerpreise-steigen-rasendem-tempo-landwirte-zahlen-horrorpreise-fuer-duenger-639755

(13) https://www.agrarheute.com/markt/duengemittel/duengerpreise-steigen-rasendem-tempo-landwirte-zahlen-horrorpreise-fuer-duenger-639755

(14) https://www.rohstoff-welt.de/news/726164--Agrar-Schock~-China-stoppt-Duenger-Exporte.html

(15) https://www.rohstoff-welt.de/news/726164--Agrar-Schock~-China-stoppt-Duenger-Exporte.html

(16) https://www.youtube.com/watch?v=BbhN4yHBi5s

(17) https://www.youtube.com/watch?v=BbhN4yHBi5s

(18) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116278232362967212

(19) https://t.me/auf1tv/18634

(20) https://t.me/auf1tv/18634

(21) https://de.rt.com/kurzclips/video/274354-netanjahus-sohn-krieg-gegen-iran/

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Illustration: Gaspipeline und Ölförderung symbolisieren Anstieg der Weltmarktpreise

Bildquelle: Gergitek / shutterstock


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