Trumps und Netanjahus Krieg
Wie in Russland über den Iran-Krieg berichtet wird
Natürlich ist der Iran-Krieg auch in Russland das Thema Nummer 1 in den Medien, aber der O-Ton unterscheidet sich stark von dem, den man in deutschen Medien hört.
Ein Kommentar von Thomas Röper.
Deutsche Medien und Politiker tun sich schwer mit dem Iran-Krieg, den US-Präsident Trump und der vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen in Gaza gesuchte israelische Ministerpräsident Netanjahu entfesselt haben. Den Iran mögen deutsche Medien und Politiker nicht, aber der Krieg ist gefährlich und eigentlich wollte ihn in Europa niemand, weil er den Fokus von der Ukraine ablenkt und – aus Sicht der europäischen Politiker – schlimmer noch, die amerikanischen Waffenlieferungen für die Ukraine gefährdet, wenn die USA diese nun in einem eigenen Krieg brauchen.
Aber Trump – und vor allem Netanjahu – offen und harsch für den unprovozierten, völkerrechtswidrigen und brutalen Angriffskrieg gegen den Iran zu kritisieren, wagen europäische und vor allem deutsche Politiker und Mainstream-Medien auch nicht. Entsprechend merkwürdig klang die Überschrift eines Spiegel-Leitartikels: „Irans Regime ist mörderisch – Trumps Krieg ist trotzdem falsch“. Das zeigt das Dilemma der deutschen Medien, die sich nicht trauen, den illegalen und für Europa gefährlichen Krieg scharf zu kritisieren, weil sie Angst haben, Trump zu verärgern, und weil Kritik an der israelischen Regierung in Deutschland ohnehin tabu ist.
Die Berichterstattung in Russland klingt da ganz anders. Der Krieg war am Sonntagabend das beherrschende Thema im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens. Aber leider waren die meisten der gesendeten Berichte nur zusammen mit den Bildern verständlich, weshalb es keinen Sinn hatte, sie zu übersetzen.
Um trotzdem zu zeigen, wie in Russland berichtet wurde, übersetze ich hier die Beiträge, die auch ohne die Bilder verständlich sind. Zunächst übersetze ich hier den einleitenden Kommentar des Moderators vom Beginn der Sendung und anschließend einen kurzen Bericht über die Folgen für die Region.
Beginn der Übersetzung der Einleitung:
"Die Folgen des neuen Krieges werden weltweit spürbar sein
Am Samstagmorgen haben die ersten fünf israelischen Raketen Teheran getroffen. Danach gingen die israelischen Angriffe weiter und nach drei Stunden verkündete dann auch US-Präsident Trump den Beginn der Operation „Epic Fury“ (epische Wut). Als Antwort greift der Iran Ziele in Israel und amerikanischen Basen in der Region an.
Der Iran steht als Islamische Republik vor der Frage von sein oder nicht sein. Auch Trump kann sich politisch keine Niederlage leisten. Für ihn ist die laufende Operation eine Art russisches Roulette, dessen Ausgang, auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, fatal sein könnte.
Und nun ist, ohne Übertreibung, die ganze Welt angespannt, schließlich werden die Folgen des neu ausgebrochenen Krieges weltweit spürbar sein.
Schon in den ersten Stunden des neuen Krieges im Nahen Osten hielt Präsident Putin per Video eine Sitzung der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates ab. Laut Kreml-Pressedienst ging es um die Lage um den Iran.
Das russische Außenministerium verurteilte den Angriff auf den Iran aufs Schärfste. In seiner Erklärung hieß es:
„Washington und Tel Aviv haben sich erneut auf ein gefährliches Abenteuer eingelassen, das die Region rasch in Richtung einer humanitären, wirtschaftlichen und möglicherweise auch radiologischen Katastrophe treibt. Die Absichten der Aggressoren sind klar und wurden offen deklariert: die verfassungsmäßige Ordnung zu zerstören und die Führung eines unliebsamen Staates zu beseitigen, der sich dem Diktat von Gewalt und Hegemonie widersetzt hat. (…) Wir fordern, die Lage unverzüglich auf den Weg einer politischen und diplomatischen Lösung zurückzuführen. Russland ist, wie auch früher, bereit, die Suche nach friedlichen Lösungen auf der Grundlage des Völkerrechts, gegenseitigen Respekts und eines ausgewogenen Ausgleichs der Interessen zu unterstützen.“
Die wichtigste Nachricht der gestrigen Nacht war der bestätigte Tod des iranischen Obersten Führers, Ayatollah Ali Chamenei. Wladimir Putin sprach dem iranischen Präsidenten Maqsoud Peseschkjnan heute sein tiefstes Beileid zum Mord von Ali Chamenei aus, der
„in zynischer Verletzung aller Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts“
begangen wurde. Weiter hieß es in dem Telegramm, das auf der Website des Kremls veröffentlicht wurde:
„In unserem Land wird Ayatollah Chamenei als herausragender Staatsmann in Erinnerung bleiben, der einen enormen persönlichen Beitrag zur Entwicklung der freundschaftlichen russisch-iranischen Beziehungen geleistet hat.“,
Iranische Medien meldeten heute auch den Tod des ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Des Weiteren wurden die Tode von Generalstabschef Abdul-Rahim Mussavi, Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh, Oberbefehlshaber der Islamischen Revolutionsgarde Generalmajor Mohammad Pakpour und des Sekretärs des Obersten Verteidigungsrates Ali Schamkhani bestätigt.
Der prominente iranische Theologe Großayatollah Makarem Schirazi hat heute zum Dschihad gegen die USA und Israel aufgerufen.
Laut iranischen Nachrichtenagenturen fielen auch Mitglieder der Familie des Obersten religiösen Führers – seine Tochter, sein Schwiegersohn, sein Enkel und seine Schwiegertochter – den Angriffen zum Opfer. Chameneis Aufgaben werden vorübergehend gemeinsam vom iranischen Präsidenten, dem Chef der Justiz und einem Mitglied des Wächterrats wahrgenommen. Der Expertenrat zur Wahl eines neuen Obersten religiösen Führers tritt heute zusammen. Der Iran hat eine 40-tägige Staatstrauer und eine siebentägige arbeitsfreie Woche ausgerufen.
Die aktuelle Situation erinnert stark an die US-Aggression gegen den Irak im Jahr 2003. Das Ziel war dasselbe: ein Regimechange. Der irakische Präsident Saddam Hussein wurde hingerichtet, Hunderttausende Iraker starben durch die US-Angriffe und im darauffolgenden Bürgerkrieg. Als Ergebnis entstand der terroristische, pseudo-islamische Staat IS. Bis heute hat sich der Irak nicht von diesen Ereignissen erholt.
Ähnliches geschah in Libyen. Die von den USA unterstützten Luftangriffe Großbritanniens und Frankreichs im Jahr 2011 führten zur Ermordung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi. Libyen hat faktisch seine Staatlichkeit verloren, der Sklavenhandel floriert und es herrscht ein verheerendes Elend.
Frühere Aggression mit dem Ziel eines Regimewechsels haben nirgendwo in der Region – weder in Syrien, noch im Jemen, noch in Afghanistan – zu Wohlstand und dem Triumph der Demokratie nach westlicher Vorstellung geführt. Die Ergebnisse sind Verbitterung bis hin zu Hass, und elende Armut.
Ende der Übersetzung
Beginn der Übersetzung des Beitrages über die Folgen des Krieges für die Region:
Die Patriot-Systeme sind der Aufgabe nicht gewachsen
Nach dem Tod des religiösen Führers des Iran hat sich die Lage noch weiter verschärft. Die Operation der Revolutionsgarden als Antwort auf die Ermordung von Chamenei werde vernichtend und erschütternd. Sie trägt den Namen „Wahres Versprechen“, und die Islamischen Revolutionsgarden lösen ihr Versprechen bereits ein.
27 US-Militärstützpunkte sind im Fadenkreuz von hunderten iranischen ballistischen Raketen und Kamikaze-Drohnen. Sie liegen in der gesamten Golfregion und vielen Ländern des Nahen Ostens. Die Angriffe erfolgen in Wellen, eine nach der anderen, mit Abständen von mehreren Stunden. Die Patriot-Luftverteidigungssysteme, die den größten US-Luftwaffenstützpunkt, die Al-Udeid-Basis in Katar, schützen, sind überfordert. Bilder zeigen, wie zwei amerikanische Abfangraketen ihr Ziel verfehlen. Dann kommt eine dritte Rakete, aber die iranische ballistische Rakete manövriert, weicht aus und trifft ihr Ziel präzise.
In Abu Dhabi wurde Cam de la Paix, der permanente Stützpunkt der französischen Marine, getroffen, der nur einen Kilometer vom berühmten Louvre Abu Dhabi entfernt ist, einer der Hauptattraktionen der emiratischen Hauptstadt. Satellitenbilder zeigen den US-Luftwaffenstützpunkt Al-Salem in Kuwait nach mindestens vier Treffern durch iranische Raketen. Ein anderes Foto zeigt angeblich eine brennende Ölplattform der Vereinigten Arabischen Emirate im Persischen Golf, der erste Angriff auf die Treibstoffinfrastruktur der Region. Der Flugverkehr in den Golfstaaten ist seit zwei Tagen lahmgelegt. Der größte Flughafen der Region, der Dubai International Airport, wurde von einer Drohne angegriffen.
Laut dem russischen Verband der Reiseveranstalter sitzen wegen der Sperrung des Luftraums fast 8.000 Russen im Nahen Osten fest. Bislang wurden in der Region bereits 700 Flüge gestrichen.
Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate haben angekündigt, die Kosten für die Unterbringung der infolge der iranischen Angriffe gestrandeten Passagiere zu übernehmen, wie die emiratische Zivilluftfahrtbehörde mitteilte.
In den letzten Stunden haben die Flughäfen und nationalen Fluggesellschaften des Landes rund 20.200 Passagiere abgefertigt, die von den Verschiebungen ihrer Flüge betroffen waren. Neben der Unterbringung in vorübergehenden Unterkünften und Verpflegung wurden auch Umbuchungen durchgeführt.
Laut dem Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate wurden drei Menschen getötet und etwa 40 weitere leicht verletzt, als Trümmer von Raketen und Drohnen auf das Staatsgebiet niedergingen. Unter den Opfern waren keine russischen Staatsbürger. An einem der bekanntesten Wahrzeichen Dubais, dem Burj Al Arab, sind Flammen zu sehen, nachdem Trümmer einer abgeschossenen iranischen Rakete auf ihn gestürzt waren.
Das höchste Gebäude der Welt, der Burj Khalifa, stand im Flugweg einer Drohne und sie prallte in die Mitte des fast einen Kilometer hohen Wolkenkratzers.
Eine Russin berichtet von vor Ort: „Heute Morgen gegen acht Uhr gab es in meiner Gegend, in der Nähe des Burj Khalifa, zwei Einschläge, ganz in der Nähe, direkt über unseren Häusern.“
Ein anderer Russe berichtet: „In der Nähe des Flughafens Al Maktoum war ein Luftabwehrsystem im Einsatz. Zwei oder drei Explosionen. Das war, während wir am Flughafen waren. Gegen 18:00 Uhr gab es weitere Explosionen. Und in der Nacht, gegen 1:20 Uhr, sahen wir zwei Raketen fliegen. Und heute Morgen um 10:00 Uhr beobachteten wir außerdem, wie die Luftabwehr Drohnen beschossen hat.“
Eine andere russische Zeugin berichtet: „Nach den Explosionen war der Strand völlig menschenleer, das war ungewöhnlich. Die Situation ist natürlich sehr ungewöhnlich. Es sind fast keine Autos auf den Straßen. Die Menschen sind natürlich größtenteils zu Hause.“
In Schardscha, einem Emirat neben Dubai, stürzte eine abgeschossene iranische Drohne in ein Einkaufszentrum und löste einen Brand aus. In Dubai wurde ein weiteres Hochhaus getroffen. Berichten zufolge beherbergte das Gebäude die regionale Zentrale der CIA. Laut der New York Times hat die CIA eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung des Angriffs auf den iranischen Obersten religiösen Führer gespielt.
Die arabische Welt hat bereits auf den Tod von Ayatollah Ali Khamenei reagiert. Im Irak gingen Tausende Menschen, viele von ihnen bewaffnet, auf die Straße und forderten den Dschihad. Demonstranten versuchten, den Komplex der US-Botschaft in Bagdad zu stürmen. In Karatschi in Pakistan drangen Demonstranten in die amerikanischen Konsulate ein und begannen zu plündern. Daraufhin eröffneten US-Marines, die die Einrichtungen bewachen, das Feuer auf die Menge. Es wird von mindestens acht Toten gesprochen.
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate denken über Gegenschläge für die iranischen Angriffe nach. Teheran hingegen erklärt, es greife die Nachbarn nicht an, sondern nur die auf ihrem Gebiet liegenden US-Basen, deren sofortige Schließung der Iran fordert, ansonsten gingen die Angriffe weiter.
Ende der Übersetzung
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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
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Dieser Beitrag erschien am 02. März 2026 auf dem Blog anti-spiegel.
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Bild: Mailand, Italien - 17. Januar 2026: Während einer Solidaritätsdemonstration mit iranischen Demonstranten verbrennen Menschen ein Foto, auf dem Ali Khamenei, der Oberste Rechtsgelehrte des Iran, zu sehen ist
Bildquelle: pcruciatti / shutterstock
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