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USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser

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Der Krieg gegen den Iran wird anders ausgehen, als die USA und Israel denken. Das sagen Kritiker aus den USA

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran seit Samstag und der Ermordung von dessen Führungspersonen zeigt sich: In Washington und Tel Aviv regieren Verbrecher, die für ihre Interessen den Mittleren Osten in Brand stecken. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Krieg gegen den Iran. Auch die politische Verfasstheit der Islamischen Republik Iran rechtfertigt nicht den erneuten Bruch jeglichen Völker- und internationalen Rechts sowie die begangenen Mordtaten.

US-Präsident Donald Trump hatte den neuen Angriff mit einer klassischen Kriegslüge begründet: Irans "bedrohliche Aktivitäten gefährden direkt die Vereinigten Staaten, unsere Truppen, unsere Stützpunkte im Ausland und unsere Verbündeten auf der ganzen Welt". Inzwischen wurde bekannt, dass das US-Kriegsministerium Pentagon über keinerlei Informationen eines bevorstehenden Angriffs des Iran auf die USA verfügte, der Trumps "Präventivschlag" rechtfertigen würde. Auch für den Bau einer iranischen Atombombe gibt es bis heute keinerlei Beweise.

Wie lange dieser neue Krieg dauern wird, ist heute nicht abzuschätzen. Trump behauptet, die USA könnten länger als die geplanten vier bis fünf Wochen durchhalten. Israel will sowieso bis zum „Endsieg“ auch in diesem Fall weitermachen und auch der Iran hat angekündigt, einen langen Atem zu beweisen. Klar ist: Die Zahl der zivilen Opfer wird steigen, wenn die USA und Israel noch mehr zivile Gebäude bombardieren. Der iranische Rote Halbmond meldet bereits mehrere Hundert getötete Menschen, darunter viele Kinder.

Angesichts der Flut der Informationen und Meinungen zu dem Krieg folgt ein unvollständiger Überblick über kritische Einschätzungen und Analysen aus den USA. Es ist ein Angebot, die Ereignisse besser zu verstehen und die Folgen abschätzen zu können.

Der Angriff folgt aus Sicht des US-Ökonomen Jeffrey Sachs einer Strategie, die die USA und Israel bereits seit rund 30 Jahren verfolgen. Das sagte er in einem Videogespräch mit einem der Betreiber des Portals India & Global Left, das am Sonntag veröffentlicht wurde.

„Die USA und Israel streben nach der Vorherrschaft in Westasien. Und das wurde durch eine Reihe von Kriegen mit dem Iran als großem Ziel umgesetzt, die eigentlich schon seit Netanjahus Amtsantritt als israelischer Premierminister andauern.“

Das sei vor allem eine langfristige Strategie der beiden Geheimdienste CIA und Mossad, die eine „Blutspur im Nahen Osten“ hinterlassen habe. Diese reiche von Libyen über Syrien und den Irak bis zum Sudan, einschließlich des Völkermordes im Gaza-Streifen und dem Westjordanland. Von Beginn an sei es das Ziel gewesen, im Iran einen Regimewechsel herbeizuführen. Auch der neue Versuch dazu werde scheiten, so Sachs. Er befürchtet aber, „dass die Folgen für die Welt sehr schwerwiegend sein werden“.

Zum Scheitern verurteilte Wahnideen

Israel sei ein „Terrorstaat“, der allein in Gaza bereits Zehntausende Kinder getötet habe, sagte der Ökonom auf die Frage zu dem Angriff auf eine iranische Schule mit mehr als 100 getöteten Schülerinnen. Auch die Ermordung des iranischen „Obersten Führers“ Ali Chamenei sei ein Skandal. Die Ermordung ausländischer Staatsoberhäupter sei „ein äußerst gefährliches, provokatives, rücksichtsloses und illegales Verhalten“. „Sich darüber zu freuen, ist mehr als vulgär“, stellte Sachs klar.

Der Enthauptungsschlag gegen die iranische Führung werde das politische System des Landes nicht ändern. Es werde nicht kapitulieren, stattdessen würden die islamischen Revolutionsgarden die Macht übernehmen. Der Ökonom sagte, der Iran verfüge über mehr Raketen als Israel und die USA über Abwehrsysteme dagegen. Seine Schlussfolgerung:

„Und so ist diese Idee eines Regimewechsels durch die USA und Israel wie so viele andere wahnhafte Aktionen der Vereinigten Staaten und Israels im Grunde zum Scheitern verurteilt.“

Sachs sieht die Golfstaaten als „quasi Vasallenstaaten der USA“ an, da sie deren Militärstützpunkte beherbergen. Dies würde nicht bedeuten, dass die Länder von den USA geschützt würden, sondern „dass man ein Vasall der Vereinigten Staaten ist. Man kann sich nicht gegen die USA stellen.“ Würden die jeweiligen Regierungen das tun, gäbe es eine Regimewechsel-Operation der CIA, die sich mit den Stützpunkten in den Ländern breitmache.

„Ich empfehle übrigens jedem Land: Wenn Sie keine US-Militärbasis haben, denken Sie nicht darüber nach. Wenn Sie eine haben, laden Sie sie ein, nach Hause zu gehen, damit Sie Ihre Souveränität behalten können.“

Er erwarte einen Zermürbungskrieg zwischen den Raketen Irans und den Abwehrsystemen der USA und Israels, erklärte Sachs seinem Gesprächspartner. Diese könnten die unterirdischen Anlagen Irans mit den mobilen Raketensystem nicht zerstören. Die USA hätten allen Berichten zufolge Munitionsvorräte für einen Krieg von wenigen Wochen. Trumps anderslautende Aussagen seien nur „Prahlerei“.

Weitreichende Ziele und Folgen

Zu den Zielen des Angriffs auf den Iran sagte der Ökonom, dass die USA die Ölexporte Irans kontrollieren wollen, die zu einem großen Teil nach China gehen. Dessen Ölversorgung solle unterbrochen werden, als „Teil eines verrückten Planes der USA, der China im Visier hat“. Den Krieg würde Umfragen zufolge nur eine Minderheit von etwa 20 Prozent in den USA unterstützen. Die „überwältigende Mehrheit“ sei dagegen, so Sachs, der daran erinnerte, dass Trump sich in seinem Wahlkampf noch gegen Regimewechsel-Operationen ausgesprochen hatte. Er rechne damit, dass die Proteste in den USA und auch in Israel gegen den Krieg zunehmen werden, wenn die Zahl der eigenen Opfer steige. Aber auch ein starker Anstieg der Ölpreise werde das befördern.

Sachs berichtete außerdem, dass er am Samstag im UN-Sicherheitsrat von der britischen Vertretung an seiner vorgesehenen Aussage gehindert wurde, als es um den Krieg gegen den Iran ging. Er hatte Tage zuvor in einem Offenen Brief an das Gremium vor einem Krieg gewarnt. Die Engländer seien „noch schlimmer als die USA“, kommentierte er das: „Ich denke, die Engländer sind tatsächlich die schlimmsten, die gewalttätigsten, arrogantesten und imperialistischsten Menschen auf dem Planeten.“ Im Sicherheitsrat hätten die meisten Länder tatsächlich dem Iran die Schuld dafür gegeben, dass er angegriffen wurde. Das sei „außergewöhnlich“, aber einfach zu erklären: Es handele sich neben den USA mit Bahrain, Kolumbien, Dänemark, Griechenland, Lettland, Panama und Großbritannien um Länder, die entweder US-Militärbasen haben oder dem US-Militär Rechte an den lokalen Stützpunkten einräumen.

„Diese Länder gaben im Wesentlichen dem Iran die Schuld, weil sie Vasallen der Vereinigten Staaten sind.“

Das sei „schon immer“ die Taktik der USA, in der Golfregion und auch in Europa, „das ein Vasallengebiet der USA ist“. In der Sicherheitsratssitzung hätten die Vertreter der betreffenden Länder die „grundlegendste Aussage der UN-Charta“ missachtet, „nämlich Artikel 2, Absatz 4, dass Nationen keine Gewalt oder Gewaltandrohung gegen andere souveräne UN-Staaten anwenden dürfen“.

Sachs sieht den Krieg als Versuch der USA, das regionale Imperium im Mittleren Osten zu bleiben, mit Israel als regionaler Militärmacht vor Ort. Zugleich würden die USA um ihre bisherige globale Vorherrschaft kämpfen. „Aber sie gewinnen diesen Kampf nicht“, erklärte der Ökonom, „weil wir in Wirklichkeit bereits in einer multipolaren Welt leben“. In dieser würden die USA „keinen besonderen Einfluss auf irgendetwas haben, obwohl sie immer noch über ein sehr mächtiges Militär verfügen“. An die iranische Bevölkerung gewandt, sagte Sachs:

„Wir sind gegen diese Kriege. Das sind keine Kriege der Amerikaner. Das sind Kriege des militärisch-industriellen Komplexes Amerikas. Leider hat das US-amerikanische Volk derzeit kein Mitspracherecht, aber wir arbeiten daran, dass es eines bekommt.“

Dieser neue Krieg der USA gemeinsam mit Israel beruhe auf einer „erheblichen Fehleinschätzung“, die schon vorher offensichtlich gewesen sei. Das erklärte der ehemalige US-Oberstleutnant Daniel Davis in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen. Er habe angesichts des militärischen Aufmarsches der USA in der Region in den letzten Wochen mit dem Überfall auf den Iran trotz der laufenden Verhandlungen gerechnet. Auch das weitreichende Entgegenkommen des Iran kurz vor dem Angriff habe nichts genutzt. Als der dann am Samstag erfolgte, „wurde damit sehr deutlich, dass es nie um Verhandlungen ging“, so Davis gegenüber Diesen.

Folgenreiche Irrtümer und Überraschungen

Auch für den Ex-Militär ist klar, „dass dies ein Krieg ist, den man nicht gewinnen kann. Man setzt sich unerreichbare militärische Ziele.“ Die iranische Führung habe zuvor berechnet, „dass ein Krieg mit den USA weniger riskant sei, als sich den USA zu unterwerfen“. Das habe selbst die US-Zeitung New York Times berichtet. Das Land sei auf den Krieg vorbereitet und könne in der Lage sein, diesen „über einen längeren Zeitraum hinweg zu überstehen“. Wenn Teheran nicht kapituliere, stünden die USA und Israel „in echten Schwierigkeiten“.

Davis schätzt ein, dass Chamenei sich bereitwillig geopfert habe, „um als Märtyrer zu dienen“. Durch den gezielten Mord an ihm sei die Unterstützung für den Iran im Land selbst und in der gesamten schiitischen Welt gestärkt worden. Das würden die sich ausweitenden Proteste in muslimischen Ländern bestätigen.

Das Problem sei, dass US-Präsident Trump sein eigenes Denken auf sein Gegenüber projiziert: „Ja, wenn ich hereinkäme und jemand aus einer stärkeren Position hereinkäme, würde er einfach anfangen, mich zu bombardieren und einige Leute zu töten, und ich würde aufgeben.“ Er habe auch nach dem Vorgehen gegen Venezuela eine entsprechende Reaktion der iranischen Führung erwartet, „ohne die radikalen und tiefgreifenden Unterschiede zwischen Venezuela und dem schiitischen Iran zu erkennen“.

Davis gestand ein, davon überrascht zu sein, dass der Iran sich von Beginn an massiv verteidigt und wie vorher angekündigt zurückschlägt, auch auf Nachbarländer mit US-Basen. Die Botschaft aus Teheran sei:

„Hey, Leute, wir leiden unter den USA. Seit 2010 leiden wir unter Israel und seit 2019 unter den Morden durch die USA. Wir wurden gnadenlos angegriffen, und ihr schützt sie. Ihr errichtet dort diese Stützpunkte, und sie nutzen das gegen uns. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch ihr etwas Schmerz spürt.“

Für den Iran handele es sich um eine existenzielle Krise, die er aber für durchstehbar halte, um am Ende bei Verhandlungen die eigenen Bedingungen durchsetzen zu können. Wie Sachs sieht Davis die USA nicht in der Lage, einen langanhaltenden Zermürbungskrieg durchzustehen. Mit anhaltender Kriegsdauer und der steigenden Opferzahl auf der eigenen Seite werde es „einen unglaublichen politischen Druck auf Jerusalem und Washington“ geben, nach einer Lösung zu suchen. Das sei das Ziel Teherans, schätzte der Ex-Offizier ein. Die „Kriegslüsternen und Kriegstreiber“, die Trump zum Angriff gedrängt hätten, würden diesen dann dafür verantwortlich machen, dass der erhoffte Sieg ausblieb.

Drohende Niederlage für die USA

Der Angriff habe nicht zum erhofften Sturz der politischen Führung des Irans geführt, sondern das Land eher wieder zusammengeführt. Selbst die Kritiker der Mullahs seien wütend auf Israel und wollten nicht den Schah-Sohn Reza Pahlavi als neuen Führer des Landes. Diejenigen Politiker in den USA wie Lindsey Graham, die einen entsprechenden Regimewechsel anstrebten, würden „völlig falsch“ liegen. Die Menschen im Iran würden sich jetzt nicht gegen ihr eigenes Land wenden und sich nicht dem anschließen, „was sie seit 47 Jahren als den kleinen Satan oder in unserem Fall als den großen Satan bezeichnen“, so der Ex-US-Offizier. Den Iranern sei die Verlogenheit der US-Versprechen klar:

„Wir wissen also, dass es hier nicht um uns geht. Und dann werdet ihr nichts für uns tun, sobald ihr bekommen habt, was ihr wollt, nämlich den Sturz dieses Regimes.“

Zu den inzwischen gemeldeten ersten drei toten und mehreren verwundeten US-Soldaten in diesem Krieg sagte Davis, dass diese Zahlen nach seinen Informationen nicht stimmen und zu niedrig seien. Der Ex-Oberstleutnant befürchtet, dass die Eskalation noch zunehmen wird.

Die Zahl der eigenen Opfer und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges für die USA hält auch der ehemalige US-Geheimdienst-Offizier Scott Ritter für entscheidend für die US-Politik. Das sagte er in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit den Betreibern von India & Global Left.

Die US-Amerikaner würden zunehmend wütend werden und „für alles andere als Trump oder jemanden, der Trump unterstützt, stimmen“, so Ritter mit Blick auf die US-Zwischenwahlen im November dieses Jahres. Er rechnet mit „schrecklichen politischen Konsequenzen für diesen Präsidenten, wenn er diesen Krieg verliert“. Der ehemalige US-Offizier und frühere UN-Waffeninspekteur sieht den Iran „auf dem besten Weg, diesen Krieg zu gewinnen“, wie er am dritten Tag des Angriffs erklärte.

„Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten besiegt, gedemütigt und zum Rückzug aus dem Nahen Osten gezwungen werden. Israel wird in den arabischen Golfstaaten allein zurückbleiben. Wir werden ihre Gebiete von US-amerikanischen Militärstützpunkten säubern müssen.“

Er begründete das mit den iranischen Angriffen auf die Golfstaaten, die wirtschaftlichen Folgen und die wachsenden Proteste der dortigen muslimischen Bevölkerungen. Zudem habe der Mord an Chamenei den Zusammenhalt im Iran verstärkt statt ihn zu schwächen. Zugleich sei das Land „besser auf den Krieg vorbereitet als alle anderen“, so Ritter, der sich nach eigener Aussage auf Fakten und seine jahrelangen geopolitischen und militärischen Analysen stützt.

„Wenn sich nichts Grundlegendes an der Art und Weise ändert, wie dieser Krieg geführt wird, werden den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten in wenigen Wochen die Munition ausgehen. Dem Iran wird die Munition nicht ausgehen.“

Wie Davis verwies er darauf, dass der Iran sich seit Jahren auf den erwarteten und angekündigten Angriff aus Israel und den USA vorbereitet habe. Er habe zahlreiche Raketen und Drohnen, die vorher produziert wurden und unterirdisch sicher gelagert seien. Die USA seien nicht entsprechend vorbereitet und seien nicht in den „Kriegsproduktionsmodus“ übergegangen. Auch das politische System des Iran sei als „Ein-Mann-Diktatur“ Chameneis falsch eingeschätzt worden, was zeige, dass US-Politik und -Geheimdienste keine Ahnung vom Iran haben. Das Ziel, mit dem anfänglichen „Enthauptungsschlag“ einen Regimewechsel herbeizuführen, sei deshalb gescheitert – „wir haben genau das Gegenteil erreicht“.

Unwissenheit und israelischer Einfluss

Es gebe in der US-Führungsspitze „ein beispielloses Maß an Unwissenheit über den Iran“. Der Hass auf die Islamische Republik habe zu Ignoranz gegenüber der Tatsache geführt, „dass sie die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten ist“, betonte Ritter. Die US-Geheimdienste hätten bei ihrer Aufgabe, die politische Führung genau zu informieren, versagt, weil sie seit den frühen 1990er Jahren von der „Krankheit der Politisierung“ befallen seien. Trump hätte die wahrheitsgemäßen Aussagen der Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard zum nichtexistenten iranischen Atomwaffenprogramm ignoriert, weil er auf Informationen aus Israel höre.

„Israel korrumpiert grundlegend die politischen Entscheidungsprozesse hier in den Vereinigten Staaten.“

Ritter verwies darauf, dass auch hochrangige US-Militärs Trump erklärt hätten, dass die von ihm befohlene Mission so nicht zu erfüllen sei. Es gebe eine „Revolte der Generäle im Pentagon“, deren Ausgang noch offen sei. Während „Kriegsminister“ Pete Hegseth den Krieg für gewinnbar halte, würden die dafür notwendigen Ressourcen und auch die nötige Zeit fehlen.

Er ging in dem Gespräch mit dem indischen Portal ausführlich auf die fehlenden Voraussetzungen für den Einsatz für US-Bodentruppen im Iran ein, den Hegseth, aber auch Trump inzwischen für möglich halten. Er habe in den 1980er Jahren selbst einen entsprechenden Operationsplan ausarbeiten müssen, für den Fall einer sowjetischen Invasion in den Iran. Daher wisse er, dass ein Einmarsch von US-Truppen in den Iran unmöglich sei. Er rechnet mit zunehmenden Folgen für die Energieversorgung der westlichen Welt in Folge der iranischen Gegenschläge:

„Am Ende der Woche wird Europa schreien. Am Ende des Monats wird Europa tot sein. Mitte des Monats werden die US-Amerikaner schreien. Und das ist die Realität.“

Trump werde dem politischen Druck im Inland und weltweit wegen der Folgen dieses illegalen Angriffskrieges nicht standhalten können, schätzte Ritter ein. Für ihn gibt es nur einen Ausweg aus diesem nicht notwendigen Krieg:

„Der einzige Weg, dies zu beenden, besteht darin, dass die Vereinigten Staaten anerkennen, dass ihre Präsenz im Nahen Osten nicht mehr tragbar ist, und dass sie sich dauerhaft aus den von ihnen errichteten Militärstützpunkten zurückziehen. Dies wird mit der Erklärung der arabischen Golfstaaten einhergehen, dass die Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium nicht mehr willkommen sind.“

In der Folge wäre Israel isoliert und müsse seine Groß-Israel-Ziele aufgeben, da die USA nicht mehr an seiner Seite stünden. Der Iran werde nicht kapitulieren, da es für ihn ein Krieg um das Überleben sei. Er könne nicht zulassen, „dass dieser Krieg endet, insbesondere nach dem Schaden, der angerichtet wurde, und dass die andere Seite ihre Stärke und Fähigkeiten wieder aufbaut“.

„Die Iraner sind schlauer als alle anderen“

Der Iran werde den Krieg gewinnen, weil die USA nicht über genügend Munition verfügen, so Ritter. Und „weil wir etwas begonnen haben, das wir nicht unter Kontrolle haben“. Der Iran habe „alle Vorteile auf seiner Seite“, sei militärisch besser vorbereitet und stehe politisch „auf der richtigen Seite der Geschichte“.

„Dieser Krieg endet also mit der strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten. Oder die Vereinigten Staaten zerstören den Iran und stürzen das Regime.“

Aber er glaube nicht, dass Letzteres passieren wird, fügte Ritter hinzu. Er hält es auch für möglich, dass einige der Golfstaaten den Krieg politisch nicht überleben, so Bahrain, Kuwait oder auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zugleich machte er auf „unbeabsichtigte Folgen des Konfliktes“ aufmerksam: Die Briten hätten „in ihrer imperialen Dummheit beschlossen, dass sie in diesem Konflikt eine Rolle spielen wollen“ und sich pro-israelisch positioniert. Deshalb habe der Iran britische Stützpunkte auf Zypern angegriffen – was zu einer griechischen Reaktion geführt habe. Athen habe Kampfflugzeuge, Luftabwehr und Kriegsschiffe nach Zypern entsandt.

Das könne wiederum eine türkische Reaktion hervorrufen, so der Ex-US-Offizier. Die Türkei werde nicht tatenlos zusehen und Griechenland gewähren lassen, „sodass wir sehr wohl in naher Zukunft einen neuen regionalen Krieg zwischen der Türkei und Griechenland erleben könnten“, also zwischen zwei Nato-Mitgliedern. Dagegen habe der Iran die US-Luftwaffenbasis Incirlik in der Türkei nicht angegriffen, von der aus Israel unterstützt werde. Ritter dazu:

„Wenn Sie eins und eins zusammenzählen, wissen Sie genau, was vor sich geht. Die Iraner sind schlauer als alle anderen. So ist es nun einmal.“

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Benjamin Netanjahu (Ministerpräsident Israels) und Donald Trump (US-Präsident)

Bildquelle: carlos110 / shutterstock


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