Artikel

Bilderberger 2026 – Guttenberg: der transatlantische Netzwerker | Von Wolfgang Effenberger

Bilderberger 2026 – Guttenberg: der transatlantische Netzwerker | Von Wolfgang Effenberger

Dieselben Gesichter, neue Agenda — Washington: 9. bis 12. April 2026

Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger

Während der US-Kongress über Zölle streitet und die europäischen Parlamente ihre Haushalte debattieren, treffen sich 128 Personen im Salamander Hotel an der Potomac. Keine Protokolle, keine Pressezulassung, kein Rechenschaftsbericht. Nur ein knappes Kommuniqué mit Themenlisten — und die Gewissheit, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird.

Es ist das 72. Bilderberg-Treffen. Und es ist das erste, das nicht im Juni stattfindet, sondern im April — mitten in der politischen Saison, unmittelbar nach Trumps Zollschock und parallel zu NATO-Krisengesprächen über einen möglichen US-Rückzug aus dem Bündnis.

57 der 128 Teilnehmer waren bereits ein Jahr zuvor in Stockholm dabei. Fast die Hälfte. Darunter der NATO-Generalsekretär, der Chef von Google DeepMind, der CEO von Palantir, der Außenminister Polens, der Präsident Finnlands, der Exekutivdirektor der Internationalen Energiebehörde — und erstmals seit Jahren wieder Karl-Theodor zu Guttenberg.

Wer diese Namen kennt und weiß, was zwischen Stockholm und Washington beschlossen, gegründet und in Gesetze gegossen wurde, dem drängt sich eine Frage auf: Ist Bilderberg ein Diskussionsforum — oder ist es der Ort, an dem Entscheidungen abgesegnet werden, die anderswo bereits gefallen sind?

Die Antwort liegt nicht im Geheimnis. Sie liegt im Tempo.

1. Die Kontinuität — wer immer dabei ist und warum

57 von 128 Teilnehmern waren bereits 2025 in Stockholm. Das ist die Stammbesetzung. Bilderberg hat kein Mitgliederverzeichnis, keine Satzung, keine demokratische Legitimation. Es hat etwas Wirksameres: eine Steuerungsgruppe, die entscheidet, wer eingeladen wird. Und wer zweimal eingeladen wird, gehört zum Kern.

Dieser Kern ist in Washington deutlich sichtbar. Mark Rutte, NATO-Generalsekretär, 2025 und 2026 dabei — obwohl, oder gerade weil Trumps Drohung eines NATO-Austritts die Allianz in ihre schwerste Krise seit der Gründung geführt hat. Ebenso Samuel Paparo, Oberkommandierender des US Indo-Pacific Command — zuständig für genau jenes Szenario, das China als eigenständigen Agendapunkt auf den Plan gerufen hat. Radoslaw Sikorski, polnischer Außenminister, beide Jahre. Alexander Stubb, finnischer Staatspräsident, beide Jahre. Jens Stoltenberg, nach seinem NATO-Amt nun norwegischer Finanzminister, beide Jahre.

Auf der Wirtschaftsseite: Henry Kravis, Mitgründer von KKR, dem größten Private-Equity-Fonds der Welt — beide Jahre. Nadia Calviño, Präsidentin der Europäischen Investitionsbank — beide Jahre. José Manuel Barroso, heute im Dienst von Goldman Sachs International — beide Jahre. Valérie Baudson, CEO von Amundi, Europas größtem Vermögensverwalter — beide Jahre.

Daneben die Elite der Medien: Zanny Minton Beddoes vom Economist, John Micklethwait von Bloomberg, Gideon Rachman von der Financial Times, Fareed Zakaria von CNN — alle beide Jahre. Wer die Deutungshoheit über das kontrolliert, was die Öffentlichkeit über Krieg, Wirtschaft und Weltordnung erfährt, sitzt mit am Tisch.

Das ist keine Verschwörung. Das ist Netzwerkpflege auf höchstem Niveau — mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Wiederholer nach Sektor

  • Wirtschaft / Industrie (18)
  • Politik (9)
  • Technologie / KI (8)
  • Finanzen / Investment (8)
  • Energie (5)
  • Militär / Sicherheit (4)
  • Medien / Journalismus (4)
  • Think-Tank / Wissenschaft (1)

Wiederholer nach Ländern

  • USA (18)
  • Frankreich  (6)
  • Großbritannien (5)
  • International (5)
  • Deutschland (4)
  • Niederlande (2)
  • Schweden (2)
  • Norwegen (2)

2. Agenda-Verschiebung:

Von der Bedrohungsdiagnose (2025) zur operativen Planung (2026) — neu: Future of Warfare, Arctic Security, China, Digital Finance.

Beim Vergleich der Agenden von 2025 und 2026 erkennt man eine Verschiebung, die mehr verrät als jedes Kommuniqué: 2025 waren in Stockholm Transatlantic Relationship, Authoritarian Axis, AI, Deterrence and National Security, Defence Innovation and Resilience die bestimmenden Themen.

2026 in Washington geht es um Future of Warfare, Trans-Atlantic Defence-Industrial Relationship, Arctic Security, Digital Finance, Global Trade. Die Sprache hat sich verändert. Hier wurde nicht mehr diagnostiziert, sondern Arbeitsaufträge vergeben.

Der Begriff "Authoritarian Axis" — jener Sammelbegriff, der Russland, China, Iran und Nordkorea zu einer Achse des Bösen zusammenfasste — ist verschwunden. Stattdessen erscheinen Russland und China als eigenständige Punkte. Das klingt nach Nüchternheit, ist aber das Gegenteil: Wer einen Gegner aus dem moralischen Rahmen herauslöst und ihn als separates strategisches Problem behandelt, bereitet konkrete Optionen vor, keine Rhetorik.

Die Bezeichnung "Arctic Security" ist neu — auch kein Zufall. Grönland, die Nordostpassage, die Ressourcen unter dem schmelzenden Eis: Das sind die Schlachtfelder der nächsten Dekade. Dass Donald Trump Grönland im selben Zeitraum zum amerikanischen Territorium erklären wollte, gibt diesem Agendapunkt seinen realpolitischen Kontext.

Unter dem Sammelbegriff "The West" schließlich — als philosophischer Punkt formuliert, aber mit handfester Bedeutung: Was bleibt vom Westen noch, wenn Amerika seine Verbündeten mit Zöllen bestraft und die NATO-Mitgliedschaft als Verhandlungsmasse sieht?

Trotz schwelender Iran-Krise fiel "Proliferation" — Atomwaffenverbreitung – unter den Tisch, obwohl die Iran-Krise weiter schwelt. Gestrichen wurden die demografischen Themen wie "Depopulation and Migration". Dafür kamen neue Schwerpunktthemen: "Future of Warfare" (Zukunft der Kriegführung) — direkter und offener als das alte "Defence Innovation". Neu und bezeichnend für den Grönland-Konflikt: "Arctic Security" 

In der Kontinuität blieben: Ukraine, Europa, Naher Osten und Energie. 

Die zentrale Verschiebung zu 2025 

2025 war die Agenda noch in einem Bedrohungsrahmen formuliert — Sicherheit, Abschreckung, Achsen. 2026 ist sie operativer: Krieg der Zukunft, transatlantische Rüstungsindustrie, digitales Geld, arktische Ressourcen. Das Netzwerk arbeitet nicht mehr an der Diagnose — es arbeitet an Lösungen, die es selbst umsetzt.

Die KI spielte durchaus eine starke Rolle, vor allem in Bereichen, die eigentlich unter OmniWar fallen. Das wurde auch von der Anzahl der KI-Vertreter unterstrichen und dürfte nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem neuen US-Befehlsbereich "Transformation and Training Command" stehen.

3. T2COM und FUSE/FUZE — wie Silicon Valley und Schlachtfeld verschmelzen

Am 2. Oktober 2025 — zwischen den Bilderberger-Treffen in Stockholm und Washington — wurde in den USA ein neues Militärkommando aktiviert: das "United States Army Transformation and Training Command", kurz T2COM, mit Sitz in Austin, Texas. Es umfasst 350.000 Personen und vereint Ausbildung, Doktrin, Rüstungsbeschaffung und Zukunftskonzepte unter einem Dach. (3) 

In T2COM verschmilzt das 1973 angesichts der verlorenen Vietnamkrieges geschaffene "Training and Doctrine Command" (TRADOC) und das "Army Futures Command" (AFC) zu einer einzigen Behörde, die Doktrin, Ausbildung, Rüstungsbeschaffung und Zukunftskonzepte unter einem Dach vereint. 350.000 Personen, drei untergeordnete Großkommandos — darunter das im Februar 2026 aktivierte "Futures and Concepts Command", zuständig für die Konzeption der Kriegsführung 2030 bis 2040.

Der Architekt dieses Umbaus ist Daniel P. Driscoll, Secretary of the Army — und Bilderberg-Teilnehmer 2026. 

Heeresminister Daniel P. Driscoll ist der politische Architekt von T2COM. Da drängt sich die Erinnerung an den stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz auf, der ab 1992 die Leitlinien zur Verteidigungsplanung entwickelte, die im TRADOC-Dokument 525 -5 "Force XXI Operations A Concept for the Evolution of Full-Dimensional Operations for the Stragegic Army of the Early Twenty-First Century" festgehalten sind.

Nun wurden also genau zwischen den beiden Bilderberg-Treffen in Stockholm und Washington das "Training and Doctrine Command" (TRADOC) und das "Army Futures Command" (AFC) zusammengelegt. Dieser Schritt war innen- wie außenpolitisch motiviert und soll wie 1973 angesichts des verlorenen Ukrainekrieges den ansteigenden Spannungen in den USA Rechnung tragen. 

Driscolls Kernbotschaft, formuliert bereits im Oktober 2025 bei der Fachmesse/Tagung der „Association of the United States Army“ (AUSA) in Washington (4), bei der Militär, Industrie und Politik zusammenkommen:

„Unsere Gegner nutzen KI, Robotik und autonome Systeme, um die Kriegsführung zu verändern. Wenn wir nicht schnell handeln und innovativ sind, riskieren wir, den Anschluss zu verlieren.“

Sechs Wochen vor dem Angriff auf den Iran, am 9. Januar 2026, unterzeichnete der US‑Verteidigungsminister ein Memorandum mit dem Titel „Strategie für Künstliche Intelligenz des Kriegsministeriums“. (5) 

Nur zwei Wochen vor dem Bilderbergtreffen in Washington besuchte Driscoll am 26. März 2026 das "Army Cyber Command" und ließ sich KI-gestützte Offensivoperationen und Drohnen-Cyber-Kopplung demonstrieren — exakt die Themen, die dann in Washington auf der Agenda standen. (6)

Das Pentagon-Dokument "AI Strategy for the Department of War" vom Januar 2026 — also drei Monate vor Bilderberg — nennt explizit Programme wie Swarm Forge (KI-Drohnenschwärme), Agent Network (KI-gestützte Kill-Chain-Entscheidungen) und Ender's Foundry (KI-Kriegssimulation). Diese Konzepte brauchen zivile Tech-Partner. (7)

Heeresminister und Bilderberg-Teilnehmer Daniel Driscoll hat mit FUZE einen Venture Capital-Mechanismus eingeführt, der Startups wie Anduril (Schimpf), Palantir (Karp) und Anthropic (Clark) in 70 Tagen unter Rüstungsvertrag bringt — ohne parlamentarische Kontrolle.

Die Namen zweier Startups sind aus Herr der Ringe entlehnt:

"Anduril" ist vor allem der Name von Aragorns Schwert in "Der Herr der Ringe" und bedeutet in Tolkiens Elbensprache Quenya "Westschimmer" bzw. wird mit dem Beinamen "Flamme des Westens" verbunden (8) und "Palantir" die sehenden Steine.

Das neue "Army Transformation and Training Command" als institutioneller Rahmen der zivil-militärischen Fusion: Das neue "Army Transformation and Training Command" fungiert als institutioneller Rahmen der zivil-militärischen Fusion.

Der entscheidende Mechanismus: Zivil-militärische Fusion 

Driscoll kommt nicht aus dem Militär. Er kommt aus dem "Venture Capital", war CEO des 200-Millionen-Dollar-Fonds Flex Capital. Und genau das trägt er ins Pentagon: Im September 2025 lancierte er FUZE — ein Rüstungsbeschaffungsmodell, das den Risikokapitalismus des Silicon Valley direkt in die Kriegsmaschinerie überträgt.

750 Millionen Dollar jährlich fließen seither in ein System, das Startups identifiziert, sie in 60 bis 70 Tagen unter Vertrag nimmt und ihre Prototypen innerhalb von Wochen zu den Soldaten bringt. Kein Ausschreibungsverfahren im klassischen Sinn, keine mehrjährigen Entwicklungszyklen, keine parlamentarische Begleitung. Driscoll selbst nannte es ein "cradle-to-grave capital funding model" — von der Idee bis zur Waffe, durchfinanziert wie ein Startup auf dem Weg zum Börsengang.

Der erste Wettbewerb fand in Kooperation mit Y Combinator statt — jenem Startup-Beschleuniger aus dem Silicon Valley, der unter anderem Airbnb und Dropbox groß gemacht hat. Nun sind Drohnenschwärme und elektronische Kriegsführung dran.

Die Nutznießer sitzen in Washington beim Bilderberg-Treffen: Brian Schimpf, Co-Gründer und CEO von Anduril Industries — bereits mit milliardenschweren Army-Aufträgen ausgestattet. Alex Karp, CEO von Palantir — Enterprise-Service-Vertrag mit der US Army. Jack Clark, Co-Gründer von Anthropic — KI-Modelle für militärische Entscheidungsprozesse. Eric Schmidt, ehemaliger Google-Chef, heute Relativity Space.

Das Pentagon-Dokument "Artificial Intelligence Strategy for the Department of War" vom Januar 2026 — drei Monate vor Bilderberg — nennt die Programme beim Namen: Swarm Forge für KI-gesteuerte Drohnenschwärme, Agent Network für KI-gestützte Kill-Chain-Entscheidungen, Ender's Foundry für KI-Kriegssimulation. Diese Programme brauchen zivile Partner. Die zivilen Partner sitzen in Washington.

Die Grenze zwischen dem Silicon Valley und dem Schlachtfeld existiert zwar rechtlich noch, aber praktisch nicht mehr.

Genau hier liegt der Omniwar-Kern: T2COM hat mit dem FUZE-Modell einen Venture-Capital-Ansatz für Rüstungsbeschaffung eingeführt — nicht-traditionelle Rüstungsunternehmen sollen schneller als klassische Konzerne liefern. Die Bilderberg-Teilnehmer Brian Schimpf (Anduril), Alex Karp (Palantir), Jack Clark (Anthropic) und Eric Schmidt sind genau jene "non-traditional defense contractors", die Driscoll meint. Sie sitzen nicht zufällig am selben Tisch wie Driscoll in Washington.

T2COM ist der institutionelle Rahmen, der erklärt, warum bei Bilderberg 2026 so viele KI-Vertreter saßen: Es geht nicht um eine abstrakte Technologiedebatte, sondern um die Vergabe konkreter Aufträge und die Abstimmung von Doktrin und Industrie — in einem Forum, das keine Protokolle führt. Das ist Omniwar in der Praxis: Die Grenze zwischen Silicon Valley und Schlachtfeld wird in Washington eingerissen, bevor das Parlament davon erfährt.

FUZE — offiziell Army FUZE — ist ein im September 2025 von Daniel Driscoll eingeführtes Rüstungsbeschaffungsmodell, das das Silicon-Valley-Prinzip des Risikokapitals direkt ins Pentagon überträgt. Driscoll kommt selbst aus der VC-Welt, er war CEO des 200-Millionen-Dollar-Fonds "Flex Capital".

Statt des klassischen Beschaffungszyklus von 12–18 Monaten oder jahrzehntelanger Großaufträge an etablierte Rüstungskonzerne soll FUZE mithilfe von Startups innerhalb von Wochen erste Prototypen für Soldaten verfügbar machen.

Dazu bündelt FUZE vier bestehende Förderprogramme unter einem Dach: 

  1. xTech: Pitch-Wettbewerbe ("Shark Tank für Rüstung"), Einstieg für Newcomer
  2. SBIR/STTR: Staatsgelder für Kleinunternehmen, ohne Eigenkapitalabgabe
  3. TMI: Reifung und Härtung von Prototypen für den Feldeinsatz
  4. ManTEch: Skalierung erfolgreicher Technologien zur Massenproduktion, Volumen: 750 Millionen Dollar jährlich — mit angekündigter Steigerung. Erstes Partnerprogramm gemeinsam mit Y Combinator, dem bekanntesten Startup-Accelerator des Silicon Valley.

FUZE bricht bewusst mit dem alten Modell der großen Rüstungskonzerne ("primes"). Driscoll sagte explizit, er würde es als Erfolg bezeichnen, wenn in seiner Amtszeit ein Rüstungskonzern pleitegeht.

Stattdessen fließt das Geld direkt zu jenen Firmen, die auch in Washington bei Bilderberg saßen: FUZE ist damit der institutionelle Mechanismus, der die Grenze zwischen Venture Capital, Silicon Valley und Kriegsführung auflöst — mit bewusst gesenkter Einstiegshürde für Firmen, die noch nie mit dem Militär zusammengearbeitet haben.

Palantir‑Mitgründer Alexander C. Karp und Nicholas W. Zamiska (Kommunikations‑ und Strategieverantwortlicher bei Palantir) haben mit ihrem Buch "Die technologische Republik: Harte Macht, weiche Überzeugung und die Zukunft des Westens" eine Art Palantir‑Manifest vorgelegt. Darin argumentieren sie, dass das Atomzeitalter als Grundlage der Abschreckung zu Ende gehe und eine neue Ära KI‑gestützter Abschreckung beginne. (9)

Das Buch ist bewusst als politisch‑strategisches Manifest angelegt: Es verbindet geopolitische Analyse, Kulturkritik und einen programmatischen Entwurf für eine "technologische Republik". (10)

Technologischer und ökonomischer Vorsprung hängt – so ihre These – stark davon ab, ob Eliten bereit sind, sich gegen den Mainstream zu stellen und kontroverse Technologie (insbesondere militärnahe KI) zu entwickeln. (11)

Während Befürworter die klare Benennung strategischer Risiken: KI‑Rüstungswettlauf, geopolitische Rivalen, eine überforderte Bürokratie und die Kurzfristigkeit der Märkte loben, sehen Kritiker einen massiven Interessenkonflikt, da Palantir direkt von staatlichen Sicherheits‑ und Militäraufträgen profitiert. (12) Umstritten ist zudem das Demokratie‑ und Freiheitsverständnis: Die starke Betonung von Geheimdiensten, Militär und "harter Macht" wirft Fragen auf, wie transparente Kontrolle, Bürgerrechte und Missbrauchsrisiken gehandhabt werden sollen. (13) 

Omniwar nicht als Theorie, sondern als Beschaffungsrichtlinie.

Was FUZE in seiner Konsequenz bedeutet: Der Krieg wird nicht mehr nur von Staaten geführt, sondern von einer Investitionskette — vom Startup-Pitch über den VC-Fonds bis zur Kill-Chain — und das alles in 70 Tagen, ohne dass irgendein Parlament die Zeit hätte, auch nur eine Frage zu stellen.

Der Begriff "Dual-Use" taucht in den FUZE-Dokumenten ausdrücklich auf. Das heißt: Technologien, die heute zivil vermarktet werden, können morgen auf dem Schlachtfeld landen — und umgekehrt.

Bilderberg 2026 war in diesem Licht kein Diskussionsforum. Es war ein Abstimmungsgespräch zwischen den Architekten dieses Systems: dem Auftraggeber (Driscoll), den Auftragnehmern (Karp, Schimpf, Clark, Schmidt) und den politischen Absicherern (Rutte, Sikorski, Stubb).

Alles nicht protokolliert. Alles freiwillig. Alles legal. 

4. Guttenberg und die deutsche Frage

Erstmals wieder bei Bilderberg: Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Bundesverteidigungsminister, 2011 wegen Plagiats zurückgetreten, seither in New York und Washington ansässig als Chef von Spitzberg Partners — einer Beratungs- und Investmentfirma im transatlantischen Rüstungs- und Technologiebereich — ein transatlantischer Netzwerker mit CSU-Herkunft und Washington-Basis.

Guttenberg war zuletzt vor Jahren bei Bilderberg. Jetzt ist er wieder da — in Washington, im April 2026, während Friedrich Merz mit einer historisch knappen Mehrheit von neun Stimmen das Kanzleramt hält und die deutschen Rüstungsausgaben auf ein Rekordniveau steigen.

Am 22. November 2019 schrieb Wolfgang Effenberger in WORLD ECONOMY unter dem Titel "US-Krieg gegen Rivalen China": 

„Für den ‚Deep State' in den USA scheint der aalglatte Musterschüler Guttenberg also der richtige Mann zu sein, der Deutschland nach den Vorgaben der USA in den Krieg führen und diesen der Bevölkerung als ‚Kampf gegen das Böse' verkaufen kann. Deutschland wäre dann hinterher wieder der Schuldige.“

2019 war Guttenberg noch weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden.

Sieben Jahre später sitzt er in Washington beim Bilderberg-Treffen, während auf der Agenda steht: "Trans-Atlantic Defence-Industrial Relationship, Future of Warfare, China". Die moralische Rahmung — der Kampf gegen das Böse — wurde 2025 noch unter dem Begriff "Authoritarian Axis" geführt. 2026 ist sie in die Einzelteile zerlegt und operationalisiert.

Drei Dinge haben sich seit 2019 verändert, die den Aussagen im Artikel von 2019 zusätzliches Gewicht geben: China ist jetzt explizit auf der Bilderberg-Agenda — erstmals als eigenständiger Punkt.

Der "Kampf gegen das Böse"-Rahmen ist bereits vorbereitet — durch die Agendapunkte "The West" und "Authoritarian Axis" (2025) wurde das moralische Narrativ aufgebaut, das in dem Artikel von 2019 bereits beschrieben wurde.

Guttenberg ist heute kein Politiker mehr, sondern ein transatlantischer Netzwerker mit direktem Zugang zu Washington und Berlin. Seine Einladung erklärt sich daher zunächst durch seine Funktion: Er ist einer der wenigen Deutschen, die gleichzeitig tief im amerikanischen Establishment verankert sind und in der deutschen CDU/CSU-Welt noch Ansehen genießen.

Die drei möglichen Rollen bei Bilderberg:

  1. Transatlantischer Übersetzer: Guttenberg versteht beide Seiten — das macht ihn in einem Jahr wertvoll, in dem das Verhältnis USA–Europa unter Trump erheblich gestresst ist. Agendapunkt "Trans-Atlantic Defence-Industrial Relationship" und "The West" sind genau sein Terrain.
  2. Rüstungs- und Tech-Investor: Spitzberg Partners bewegt sich im Dual-Use-Bereich. Im FUZE-Kontext — Silicon Valley trifft Rüstung — ist ein Mann mit politischem Kapital in Deutschland und VC-Netzwerk in Amerika eine wertvolle Verbindung.
  3. Politischer Platzhalter: Merz ist seit Mai 2025 Kanzler, aber mit einer schwachen Mehrheit von gerade mal neun Stimmen im zweiten Wahlgang gestartet — historisch einmalig. Die Koalition mit der SPD ist fragil. Eine reguläre Bundestagswahl findet 2029 statt.

Guttenberg hat zuletzt mehrfach eine Rückkehr in die Politik ausgeschlossen — zuletzt 2022 gegenüber dem Stern. Aber solche Aussagen haben in der politischen Geschichte eine bekannte Halbwertszeit.

Guttenbergs Profil passt präziser denn je — transatlantisch vernetzt, mediengewandt, mit dem Nimbus des gescheiterten Helden, der einen zweite Chance verdient.

Guttenberg, ein Mann mit transatlantischem Kapital, CDU-Herkunft, Washington-Netzwerk und Bilderberg-Einladung — kurz nach einem historisch schwachen Kanzlerstart von Merz. Bilderberg lädt keine Touristen ein. So dürfte er als Option im Raum gehalten werden — nicht als designierter Nachfolger, aber als jemand, dem man signalisiert, dass die Tür noch offen ist, wenn die Zeit kommt. Das ist die klassische Bilderberg-Funktion: keine Entscheidungen, aber Möglichkeiten vorbereiten.

5. Kernthese

Die eigentliche Macht liegt im Tempo. Wer 70 Tage schneller ist als das Parlament, braucht keine Verschwörung.

Die Teilnehmerlisten des Bilderberg-Treffens sind öffentlich, die Agenden sind abrufbar, die Namen sind bekannt. Und doch bekommt kaum jemand etwas mit.

Während Parlamente beraten, Öffentlichkeiten debattieren und Wahlen Regierungen aus- und einwechseln, trifft sich einmal im Jahr ein Kreis von 120 bis 150 Personen, der niemandem Rechenschaft schuldet — und koordiniert, was als nächstes kommt. FUZE bringt ein Rüstungsstartup in 70 Tagen unter Vertrag. T2COM entwirft die Kriegsführung von 2030 bis 2040. Bilderberg stimmt die Akteure ab, bevor die Öffentlichkeit die Fragen kennt.

Das ist kein Komplott, das ist Architektur. 

In dem immer noch gültigen US-Strategiepapier 525‑3‑1 "Win in a Complex World 2020-2040" vom September 2014 wird explizit argumentiert, dass die US‑Armee in allen Domänen — Land, Luft, See, Cyber, Weltraum und Informationsraum — gleichzeitig wirken muss. Angesichts erstarkter Gegner wie Russland, China und nun auch der Iran muss nun sequenziert vorgegangen werden.

„TRADOC 525‑3‑1 bildet zwar weiterhin einen wichtigen Referenzrahmen, wird in seiner 2014 skizzierten Sequenz und Tiefe aber durch die inzwischen etablierte Multi‑Domain‑Transformation und Army‑2030‑Planung faktisch nicht mehr eins zu eins umgesetzt werden können.“ Das alte Ziel, Gegner wie Russland oder China in ihrer Handlungsfreiheit so zu begrenzen, dass sie sich entweder fügen oder in einem möglichen Krieg unterliegen, ist noch nicht aufgegeben worden. Die Doktrin einer permanenten Druckausübung, die nichts mit einer klassischen Verteidigung zu tun hat, wird von den BRICS-Staaten und den Ländern des Globalen Südens massiv bekämpft. Diese Staaten streben nach einer multipolaren Friedensordnung. (14)

Die US-Strategie muss also angepasst werden.

+++

Anmerkungen und Quellen 

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022).

Demnächst werden von Wolfgang Effenberger die Bücher "Vom Krieg zur Weltordnung – Reden und Essays zu Krieg, Frieden und Geopolitik 2009-2026" (Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Michael Meyen) sowie Strategie der Unausweichlichkeit Transformation und Technokratie Der kalte Geist des Krieges (Mit einem Vorwort von Prof. Mag. Dr. Hermann Mückler) im etica-Verlag erscheinen.

+++

1) Bilderberg Meetings: List of Participants 2025, 71st Bilderberg Meeting, Stockholm, 12.–15. Juni 2025.
URL: https://bilderbergmeetings.org/meetings/meeting-2025/participants-2025
Abgerufen: 15. April 2026

Teilnehmerliste 2026: Bilderberg Meetings: List of Participants 2026, 72nd Bilderberg Meeting, Washington D.C., 9.–12. April 2026.
URL: https://bilderbergmeetings.org/meetings/meeting-2026/participants-2026
Abgerufen: 15. April 2026

2) bilderbergmeetings.org

3) https://en.wikipedia.org/wiki/United_States_Army_Transformation_and_Training_Command

4) https://teamorlando.org/army-secretary-daniel-driscoll-outlines-transformation-plans-at-ausa-2025/

5) https://media.defense.gov/2026/Jan/12/2003855671/-1/-1/0/ARTIFICIAL-INTELLIGENCE-STRATEGY-FOR-THE-DEPARTMENT-OF-WAR.PDF

6) https://www.army.mil/article/291503/secretary_of_the_army_sees_future_of_cyber_warfare_ai_integration_at_arcyber

7) https://media.defense.gov/2026/Jan/12/2003855671/-1/-1/0/ARTIFICIAL-INTELLIGENCE-STRATEGY-FOR-THE-DEPARTMENT-OF-WAR.PDF

8) https://lotr.fandom.com/de/wiki/And%C3%BAril

9) https://www.all-ai.de/news/beitrage2026/palantier-manifest-22punkte

10) https://therepublicjournal.com/book-reviews/reviews-of-the-technological-republic/

11) https://techrepublicbook.com/

12) https://www.heise.de/news/Palantir-CEO-schreibt-Buch-und-kritisiert-das-Silicon-Valley-10292580.html

13) https://spartanat.com/de/die-thesen-von-alex-karp

14) https://books.google.com/books/about/TRADOC_Pamphlet_525_3_1.html?id=U04OzgEACAAJ

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Karl-Theodor zu Guttenberg (ehem. Bundesverteidigungsminister)
Bildquelle: Markus Wissmann / shutterstock


+++
Ihnen gefällt unser Programm? Machen wir uns gemeinsam im Rahmen einer "digitalen finanziellen Selbstverteidigung" unabhängig vom Bankensystem und unterstützen Sie uns bitte mit der:

Spenden-Kryptowährung „Nackte Mark“: https://apolut.net/unterstuetzen/#nacktemark

oder mit

Bitcoin: https://apolut.net/unterstuetzen#bitcoin

Informationen zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie hier: https://apolut.net/unterstuetzen/

+++
Bitte empfehlen Sie uns weiter und teilen Sie gerne unsere Inhalte in den Sozialen Medien. Sie haben hiermit unser Einverständnis, unsere Beiträge in Ihren eigenen Kanälen auf Social-Media- und Video-Plattformen zu teilen bzw. hochzuladen und zu veröffentlichen.

+++
Abonnieren Sie jetzt den apolut-Newsletter: https://apolut.net/newsletter/

+++
Unterstützung für apolut kann auch als Kleidung getragen werden! Hier der Link zu unserem Fan-Shop: https://harlekinshop.com/pages/apolut

Wolfgang Effenberger Bilderberg-Konferenzen Stockholm Washington Arctic Security T2COM Daniel P. Driscoll FUZE Karl-Theodor zu Guttenberg


Artikel vorlesen MP3 Download
0:00
0:00