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Der Mekka-Pakt in Washingtons globaler Lastenteilung | Von Wolfgang Effenberger

Der Mekka-Pakt in Washingtons globaler Lastenteilung | Von Wolfgang Effenberger

Europa gegen Russland – Westasien gegen Iran

Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.

Am 7. August 2026 schlossen die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan in Mekka einen gemeinsamen Verteidigungspakt. Gegen wen? Da springt doch nur der Iran ins Auge, ein Land, dass im US-Dokument 525-3-1 vom September 2014 unter 2.4 „künftige Konflikte“ in einer Reihe mit Russland, China und Nordkorea genannt wird. Die von diesen 4 Ländern ausgehende Bedrohung sollen die US-Streitkräfte in den beiden Dekaden abbauen. Nach außen wirkt der Pakt mit seiner weitreichenden Beistandsformel (Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Partner soll als Angriff auf alle gelten) zunächst defensiv. In Bezug auf integriertes Oberkommando, feststehende Einsatzkräfte und automatisch ausgelöste militärische Hilfe bleibt die öffentliche Vertragsarchitektur bewusst offen. Bei einer ähnlichen Lastenteilung wie in Europa wären diese Punkte auch von untergeordneter Bedeutung.

Noch ist der Pakt weniger als geschlossenes Gegenbündnis zu China, Russland und Iran zu erkennen – noch kooperieren Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan selbst in unterschiedlicher Intensität mit den BRICS-Mächten: Pakistan bleibt eng mit China verbunden; Saudi-Arabien unterhält wesentliche Energie- und Wirtschaftsbeziehungen zu Peking und Moskau; die Türkei verbindet ihre NATO-Mitgliedschaft mit einer eigenständigen Politik gegenüber Russland, China und Iran. Das Bündnis soll also gerade nicht schlicht als antiiranische Front gelesen werden. Vor wem will sich der Dreierpakt dann schützen? 

Die USA können ihre militärischen, industriellen und politischen Ressourcen nicht in jedem Raum zugleich in gleicher Stärke einsetzen. Wenn die Priorität im langfristigen Systemkonflikt mit China liegt, muss Washington andere Konflikträume durch regionale Partner absichern lassen. Europa übernimmt dabei, gestützt auf die USA, zunehmend mehr Verantwortung für die konventionelle Abschreckung Russlands. In Westasien entsteht parallel ein regionaler Verbund, der Risiken am Golf, im Roten Meer und am Arabischen Meer selbst auffangen kann – darunter auch Risiken, die von Iran ausgehen.

Muss der Mekka-Pakt als von den USA mitinitiiert oder als antiiranisches Angriffsbündnis verstanden werden? 

Senatsanhörung von General Keith Kellogg am 28. Februar 2023

In diesem Zusammenhang muss an die Senatsanhörung vom ehemaligen Drei-Sterne-General Keith Kellogg vom 28. Februar 2023 zum Ukrainekrieg erinnert werden.

Der ehemaliger Sondergesandter des Präsidenten Trump für die Ukraine arbeitet heute öffentlich als sicherheitspolitischer Kommentator sowie als Co-Vorsitzender für „American Security“ beim trumpnahen "America First Policy Institute" (AFPI).

Senator Rick Scott fragte Keith Kellogg:

„Aber warum hat Deutschland nicht seinen Teil zur tödlichen Hilfe beigetragen?“

Die Antwort des Generals: „Ich glaube, Deutschland spielt in Europa im Moment keine Rolle mehr“. Anschließend schwärmte der General dem Senator vor:

„Wenn man einen strategischen Gegner besiegen kann und dabei keine US-Truppen einsetzt, ist man auf dem Gipfel der Professionalität, denn wenn man die Ukrainer siegen lässt, ist ein strategischer Gegner vom Tisch, und wir können uns auf das konzentrieren, was wir gegen unseren Hauptgegner tun sollten, und das ist im Moment China... wenn wir dabei scheitern, … müssen wir vielleicht einen weiteren europäischen Krieg führen, das wäre dann das dritte Mal.“

Nun, die USA scheitern gerade in der Ukraine und sehen auch bei ihrem Angriff auf den Iran nicht erfolgreich aus. 

Einfluss der der US-Strategiepapiere von 2014 auf die heutige Situation 

Obwohl die USA mit ihrem Strategiepapier TRADOC 525-3-1 „Win in a Complex World 2020-2040“ vom September 2014 und der Repräsentantenhausresolution H.Res. 758 vom Dezember 2014 die von Russland, China, Nordkorea und Iran ausgehende Bedrohung selbst und gleichzeitig abbauen wollten, mussten die US-Strategen ab 2024 erkennen, dass die Umsetzung nur über eine Sequenzierung erfolgen kann: Durch eine zunehmende Europäisierung der Ukraine-Kriegführung. Der für die USA so desolate Krieg gegen den Iran macht nun die Regionalisierung von Sicherheit im Nahen Osten erforderlich und folgt derselben strategischen Ökonomie: Die USA halten ihre globale Führungs- und Eingriffsfähigkeit aufrecht, verlagern aber konventionelle und finanzielle Lasten auf Partner. Dadurch können sie eigene Kräfte für die prioritäre Großmachtrivalität, besonders mit China, konzentrieren.

Das ist keine bloße Unterstellung, sondern entspricht dem offen artikulierten US-Ziel, dass Europa die primäre Verantwortung für seine konventionelle Verteidigung übernehmen soll, sowie der erklärten Ausrichtung auf stärkere regionale Lastenteilung im Nahen Osten. (1)

Die spätere Fassung von TRADOC 525-3-1 – "The U.S. Army in Multi-Domain Operations 2028" von 2018 – verschärfte die Orientierung auf Russland und China. Sie ordnet der Army ausdrücklich Aufgaben zur Abschreckung und gegebenenfalls zum Sieg über chinesische und russische Aggression zu; Nordkorea, Iran und gewaltorientierte nichtstaatliche Akteure werden immer noch als weitere mögliche Gegner geführt.

H.Res. 758 vom Dezember 2014 lieferte die politische Grundlage für eine langfristigen Konfrontations- und Unterstützungslogik gegen Russland. Nach 2022 wurde daraus faktisch ein Krieg, dessen materielle Last zunehmend europäisch organisiert wird: Die USA reduzieren ihre direkte Finanzierung, während europäische NATO-Staaten Waffen aus US-Produktion kaufen und an die Ukraine weitergeben bzw. deren Ersatz beschaffen. (2)

Aktuell gibt Washington zudem die Führung der in Wiesbaden angesiedelten Security Assistance Group–Ukraine an einen NATO-Partner ab. Das Pentagon begründet dies ausdrücklich mit einer Verlagerung von Verantwortung innerhalb des Bündnisses und einer Ausrichtung amerikanischer Ressourcen an der National Defense Strategy; das US European Command behält aber einen stellvertretenden Posten. (3)

Europa trägt damit mehr Verantwortung für Geld, Material, Ausbildung und politische Folgerisiken sowie – falls es weiter eskaliert – potentiell auch die unmittelbare militärische Hauptlast. Zugleich bleibt es bei US-Waffensystemen, Ersatzteilen, Software, Aufklärung, Satelliten-, Ziel- und Logistikleistungen substantiell abhängig. Im ersten Halbjahr 2026 beschafften europäische Staaten mindestens 3 Milliarden Euro Militärhilfe bei US-Rüstungsunternehmen; rund 30 Prozent der über industrielle Beschaffung bereitgestellten europäischen Militärhilfe entfiel damit auf US-Produktion. (4)

Vor diesem Hintergrund muss der Mekka-Pakt gesehen werden: Man darf US-Politik nicht so behandeln, als bestände sie nur aus einzelnen tagespolitischen Erklärungen oder einem etwaigen aktuellen Präsidentenwillen. Militärdoktrin, Streitkräfteplanung, Bündnisarchitektur, Rüstungs- und Stationierungspolitik bilden eine langfristige strategische Infrastruktur. (5)

In diesem Sinn kann eine regionale Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten für Washington nützlich sein, weil sie:

  • regionales Burden Sharing ermöglicht,
  • US-Kräfte und Aufmerksamkeit für den Indopazifik freisetzen könnte,
  • eine iranische Eskalation eindämmen oder jedenfalls regional verwaltbarer machen soll,
  • Partner befähigt, Aufgaben bei Luftverteidigung, Seeraumsicherung, Infrastruktur- und Raketenabwehr stärker selbst zu tragen.

Das passt grundsätzlich zu einer US-Strategie, die militärische Schwerpunktbildung gegenüber China und Russland anstrebt. 

Der Mekka-Pakt könnte dieselbe Lastenteilungsarchitektur initieren:

Die Parallele lautet also: Regionalisierung der Kriegslast bei Fortbestand amerikanischer Schlüsselkontrolle. Washington muss nicht jede Region selbst sichern, wenn Partner die konventionellen, finanziellen und politischen Belastungen übernehmen, aber auf amerikanische Systeme angewiesen bleiben.

Die strategische Wirkung des Mekka-Pakts reduziert im Idealfall den Bedarf an unmittelbar verfügbaren US-Kräften für Luft- und Raketenabwehr, Schutz von Energieinfrastruktur und Seewegen, Drohnenabwehr, Logistik, Aufklärung und regionale Krisenreaktion. Dadurch wird amerikanische Handlungsfreiheit erhöht, um Kräfte, Aufmerksamkeit und Rüstungsressourcen auf den Indo-Pazifik und die Konkurrenz mit China zu konzentrieren.

Die Lastenteilung erfolgt somit nicht über einen einheitlichen Block, sondern über eine gestaffelte Sicherheitsarchitektur. Europa bildet den Schwerpunkt der konventionellen Abschreckung gegen Russland; der türkisch-saudisch-pakistanische Verbund kann eine regionale Stabilisierungs- und Abschreckungsfunktion in Westasien erfüllen; die Vereinigten Staaten behalten Schlüsselkapazitäten – strategische Aufklärung, globale Verlegung, Weltraum- und Cyberfähigkeiten, maritime Hochwertfähigkeiten sowie gegebenenfalls nukleare Rückversicherung – und die Hauptanstrengung auf China konzentrieren.

Die praktische Bedeutung des Abkommens liegt zunächst im Aufbau materieller Handlungsfähigkeit: politische und militärische Konsultationen, gemeinsame Übungen zu Land, zur See und in der Luft, Kooperation bei Luft- und Raketenabwehr, Drohnen, elektronischer Kampfführung und KI sowie der Ausbau gemeinsamer Rüstungs-, Wartungs- und Logistikstrukturen. Erst gemeinsame Lagebilder, interoperable Führung, verfügbare Flugplätze und Häfen, Ersatzteil- und Munitionsketten sowie gemeinsame Produktionskapazitäten machen aus einer politischen Erklärung einen belastbaren Sicherheitsraum. (6)

Die Ressourcen der drei Staaten ergänzen sich: Die Türkei verfügt über militärisch-industrielle Kompetenz und NATO-Interoperabilität; Saudi-Arabien über Kapital, Energieinfrastruktur und strategische Standorte am Golf und am Roten Meer; Pakistan über große Streitkräfte, Zugang zum Arabischen Meer und eine nukleare Abschreckungsdimension. Der Mekka-Pakt kann deshalb als regionaler Baustein einer umfassenderen, durch Ressourcenknappheit erzwungenen Neuverteilung von Sicherheitslasten gelesen werden – ohne dass daraus ein direkter US-Auftrag, eine formale Unterordnung unter Washington oder ein geschlossenes Gegenbündnis gegen China, Russland und Iran folgt

Pakistan bringt damit einen Faktor ein, den Türkei und Saudi-Arabien nicht besitzen: eine eigene nukleare Abschreckung. Politisch liegt darin ein wesentlicher Teil der Signalwirkung gegenüber regionalen Gegnern. 

Im Fokus des Mekka-Pakts: Der Iran 

Der zentrale geopolitische Widerspruch verläuft zum Iran, der seit 2024 BRICS-Mitglied ist und mit China sowie Russland engere strategische Beziehungen ausgebaut hat.

Der Mekka-Pakt benennt keinen Gegner. Seine Entstehung fällt jedoch in eine Phase wachsender regionaler Eskalation und iranischer Raketen- und Drohnenbedrohung für die Golfmonarchien. Beobachter sehen deshalb den Iran und die mit ihm verbundenen regionalen Akteure als einen wesentlichen sicherheitspolitischen Hintergrund des Paktes. (7)

Dabei sind die Konfliktlinien je nach Partner verschieden:

Saudi-Arabien–Iran

Konkurrenz um die Sicherheitsordnung am Golf, Einfluss im Irak, Libanon, Jemen und in der islamischen Welt. Die chinesisch vermittelte Wiederannäherung von 2023 hat die Rivalität gedämpft, aber nicht strategisch aufgehoben.

Türkei–Iran

Kooperation und Konkurrenz zugleich. Beide wollen westliche Dominanz begrenzen; zugleich stehen sie sich im Irak, in Syrien, im Kaukasus und im Ringen um regionalen Einfluss gegenüber.

Pakistan–Iran

Grenz- und Sicherheitsprobleme in Belutschistan, konfessionelle Spannungen sowie die pakistanisch-saudische Sonderbeziehung. Gleichzeitig kann Islamabad wegen seiner engen Bindung an China kein Interesse an einer offenen Frontstellung gegen Teheran haben.

Die nüchterne Formel lautet daher: China–Russland–Iran bilden keine formelle Militärallianz; Türkei–Saudi-Arabien–Pakistan ebenfalls nicht im NATO-Sinn. Aber beide Dreiecke verdichten sich zu zwei überlappenden Sicherheitsräumen mit dem Iran als Hauptkonfliktachse.

Der Mekka-Pakt kein „Anti-BRICS“-Projekt oder regionale Ergänzung zur globalen Multipolarität? 

Der Mekka-Pakt kann zwar als Versuch einer begrenzten Eigenabsicherung gelesen werden; „nicht von Washington, Peking oder Moskau abhängig“ zu sein, ist jedoch weder für Saudi-Arabien, noch für die Türkei oder Pakistan gegenwärtig eine realistische Option.

Die drei Staaten wollen ihre Verhandlungsposition gegenüber externen Mächten verbessern. Der Pakt verbindet eine Beistandsklausel mit angekündigter Zusammenarbeit bei Rüstung, Geheimdiensten, Übungen und Luftverteidigung. Das kann Abhängigkeiten punktuell reduzieren, etwa durch türkisch-saudische Rüstungskooperation oder durch engere politische Abstimmung. (8)

Vor allem Saudi-Arabien reagiert damit offenbar auf Zweifel an der praktischen Verlässlichkeit des US-Sicherheitsschirms angesichts der jüngsten regionalen Eskalation, insbesondere Raketen- und Drohnenbedrohungen gegen Golfstaaten.

Ein Pakt ist noch keine autonome Machtbasis. Dafür fehlen ihm bislang zentrale Voraussetzungen:

Keine erkennbare integrierte militärische Kommandostruktur, gemeinsame Streitkräfteplanung oder verbindliche Einsatzplanung.

Keine veröffentlichte Klarheit über Schwellenfälle: Wer definiert den „bewaffneten Angriff“? Welche militärischen Mittel werden wann gestellt? Gilt dies etwa bei einem Konflikt der Türkei mit Russland oder bei einer Indien-Pakistan-Krise?

Große Asymmetrien und divergierende Prioritäten: Für Saudi-Arabien primär Golf-, Iran- und Energiesicherheit; für die Türkei zugleich Syrien, östliches Mittelmeer, Kaukasus und NATO. Pakistan ist vor allem durch Indien, Afghanistan, seine Wirtschaftsprobleme und die Bindung an China geprägt.

Die geographische Entfernung zwischen den Partnern erschwert glaubwürdige, schnelle militärische Hilfe erheblich.

Die öffentliche Formel „Angriff auf einen = Angriff auf alle“ ist daher zunächst eine Abschreckungs- und Symbolklausel, nicht der Beleg für eine NATO-ähnliche operative Allianz. Selbst Beobachter, die den Pakt strategisch bedeutsam nennen, betonen, dass seine Wirkung von der späteren Umsetzung abhängt. (9)

Gerade Pakistan widerlegt die Behauptung am deutlichsten: Seine strategische Rückversicherung gegenüber Indien beruht in erheblichem Maß auf China. Saudi-Arabien wiederum kann seine hochkomplexen westlichen Waffensysteme nicht durch einen Vertragstext von heute auf morgen autonom betreiben.

Versuch einer Einordnung des Mekka-Pakts 

Der Mekka-Pakt ist kein geschlossenes Anti-BRICS-Projekt, aber auch kein autonomer multipolarer Gegenpol. Er kann durchaus als eine regionale Risikoversicherung in der Außen- und Sicherheitspolitik geschlossen worden sein. Zweifelsfrei wollen Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan auch ihre Abschreckung erhöhen, ihre Rüstungs- und Geheimdienstkooperation ausbauen und gegenüber Washington, Peking und Moskau zusätzliche Verhandlungsspielräume gewinnen. Ihre jeweiligen externen Abhängigkeiten bleiben jedoch bestehen.

So ist der Pakt unter anderem vorerst auch eine Botschaft: Washingtons regionale Partner organisieren Alternativen; Teheran soll eine sunnitische Koordinierung wahrnehmen; und Peking sowie Moskau sollen sehen, dass die drei nicht einfach in ihre jeweilige Ordnung einzuordnen sind. (10) 

USA: Zustimmung zur Eigenverantwortung 

US-Präsident Donald Trump begrüßte den Pakt am 16./17. August ausdrücklich. Er bezeichnete ihn als „big, bold and important first step“ und erklärte, er sei erfreut, dass Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan ihre Verteidigung „in a meaningful way“ selbst organisieren wollten. (11)

Die strategische Logik Washingtons ist dabei:

Entlastung amerikanischer Ressourcen: Regionalmächte sollen einen größeren Teil der konventionellen Abschreckung, Luftverteidigung, maritimen Sicherung und Krisenreaktion selbst tragen.

Keine formale Abkehr der Partner: Saudi-Arabien und die Türkei bleiben für Washington wichtige Partner; Ankara bleibt NATO-Mitglied. Der Vertrag stellt nach türkischer Darstellung bestehende Abkommen nicht infrage und ist offiziell defensiv ausgerichtet. (12)

Eindämmung regionaler Eskalation:  Ein stärkerer saudisch-türkisch-pakistanischer Sicherheitsrahmen kann aus US-Sicht den Iran abschrecken, ohne dass die USA selbst unmittelbar mit größeren Verbänden eingreifen müssen.

Risiko der Verselbständigung: Das Bündnis könnte jedoch eigene politische Ziele verfolgen – etwa türkische regionale Führungsansprüche oder pakistanische Rückendeckung gegenüber Indien – die nicht mit US-Interessen deckungsgleich sind.

Die Zustimmung Trumps ist deshalb keine Übertragung amerikanischer Sicherheitsgarantien auf den Pakt. Sie signalisiert politische Billigung eines regionalen Sicherheitsarrangements, nicht die Bereitschaft, dessen Beistandsklausel mit US-Streitkräften zu garantieren.

Der Mekka-Pakt ist kein nachweisbares Produkt von Win in a Complex World. Er passt aber in ein seit Jahren entwickeltes US-amerikanisches Operationsverständnis, wonach regionale Partner militärisch interoperabel werden, Operationsräume vorbereiten und einen größeren Anteil an regionaler Sicherheitslast tragen sollen.

Paradoxerweise kann derselbe Prozess Washington zugleich entlasten und relativ schwächen. Er entlastet die USA, sofern Partner tatsächlich selbst abschrecken und Infrastruktur sichern. Er schwächt ihre exklusive Rolle, wenn diese Partner eigene Rüstungsnetzwerke, autonome Lagebilder, eigene politische Prioritäten und flexible Beziehungen zu China, Russland oder anderen Akteuren entwickeln.

Der entscheidende Prüfstein liegt daher nicht im Vertragstext oder in politischen Erklärungen, sondern in den Folgeindikatoren: gemeinsame Planungsstäbe, abgestimmte Luftverteidigung, dauerhafte Zugangs- und Stationierungsrechte, Daten- und Lagebildintegration, Vorpositionierung von Material, Standardisierung von Munition und Kommunikationssystemen sowie langfristige gemeinsame Rüstungsprogramme. Erst wenn solche Elemente dauerhaft entstehen, wandelt sich der Pakt von einem politischen Signal zu einem realen regionalen Operationssystem.

Der Mekka-Pakt könnte für die USA in West- und Südasien eine ähnliche Funktion der regionalen Lastenverlagerung übernehmen, wie sie Washington in Europa zunehmend von europäischen NATO-Staaten verlangt. Er wäre dann kein US-gesteuertes Instrument, sondern ein regionaler Sicherheitsrahmen, dessen Fähigkeiten amerikanische Präsenz teilweise ergänzen oder ersetzen könnten. 

Die Parallele zu Europa

Die US-Verteidigungsstrategie von 2026 priorisiert die Abschreckung Chinas im Indo-Pazifik und verlangt zugleich mehr Lastenteilung durch Verbündete. Russland wird darin zwar weiter als erhebliche, aber vor allem für Europas östliche NATO-Mitglieder relevante Bedrohung beschrieben; Europas Verbündete sollen die primäre Verantwortung für konventionelle Abschreckung und Verteidigung übernehmen, während die USA nur noch kritische, aber begrenztere Unterstützung geben. (13)

Deutschland, Frankreich und Großbritannien bauen daher – im Verbund mit weiteren europäischen NATO-Staaten – Fähigkeiten aus für:

  • konventionelle Abschreckung und Verteidigung gegen Russland;
  • Luft- und Raketenabwehr, weitreichende Präzisionswirkung und Drohnen;
  • Rüstungsproduktion, Nachschub und militärische Mobilität;
  • Unterstützung der Ukraine sowie Resilienz kritischer Infrastruktur. 

Die E5-Staaten – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen – haben sich im Juni 2026 ausdrücklich auf eine stärkere europäische Rolle in der NATO, zusätzliche Beiträge zur Abschreckung Russlands sowie Kooperation bei Luftverteidigung, unbemannten Systemen, KI und weitreichender Wirkung verständigt. 

Der Mekka-Pakt erscheint also nicht als Aufbruch in eine eigenständige multipolare Sicherheitsordnung, sondern als Teil einer globalen Lastenteilung: Europa soll Russland binden, Westasien Iran eindämmen – während Washington seine Machtmittel für die entscheidende Konfrontation des 21. Jahrhunderts freisetzt.

Der Zeitpunkt der Gründung lässt auf jeden Fall einen Zusammenhang mit dem gescheiterten US-Iran-Waffenstillstandsverhandlungen vermuten.

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Anmerkungen und Quellen

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020), "Die unterschätzte Macht" (2022), "Vom Krieg zur Weltordnung" (2026).

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1) https://www.tribuneindia.com/news/usa-news/us-launches-europe-posture-review-to-shift-conventional-defence-burden-to-nato-allies/

2) https://www.govinfo.gov/content/pkg/BILLS-113hres758eh/pdf/BILLS-113hres758eh.pdf

3) https://www.politico.com/news/2026/07/31/pentagon-ukraine-nato-withdrawal-01020966

4) https://www.kielinstitut.de/publications/news/ukraine-support-tracker-europe-leads-on-aid-us-weapons-remain-key/

5) https://api.army.mil/e2/c/downloads/367967.pdf

6) https://www.reuters.com/world/asia-pacific/turkey-pakistan-saudi-arabia-will-form-political-military-mechanisms-coordinate-2026-08-13/

7) https://www.reuters.com/world/asia-pacific/saudi-arabia-turkey-pakistan-sign-joint-defence-deal-amid-regional-turmoil-2026-08-07/

8) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/militaerpakt-tuerkei-saudi-arabien-pakistan-100.html

9) https://www.jpost.com/middle-east/article-905171

10) https://www.chathamhouse.org/2026/08/should-egypt-join-mecca-pact

11) https://www.aljazeera.com/news/2026/8/17/trump-hails-mecca-pact-can-it-replace-the-regions-us-security-umbrella

12) https://www.reuters.com/world/asia-pacific/saudi-arabia-turkey-pakistan-sign-joint-defence-deal-amid-regional-turmoil-2026-08-07/

13) https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/EPRS_BRI(2026)785720

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Nationalflaggen von Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei
Bildquelle: Farhan Sayeed / shutterstock


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