Korruptistan
Was der Fall Hanning über die Korruption in Deutschland aussagt
Der Spiegel versuchte sich daran, einen kritischen Artikel über die Machenschaften von Ex-BND-Chef Hanning zu schreiben, aber wenn man die nötigen Hintergrundinformationen hat, dann war der Artikel nicht kritisch, sondern der Versuch, die Korruption in Deutschland zu verschleiern.
Ein Kommentar von Thomas Röper.
Ex-BND-Chef August Hanning wurde verhaftet, weil er seinen ehemaligen Büroleiter nach seinem Ausscheiden aus dem Amt dafür bezahlt haben soll, ihm gegen Bezahlung streng geheime Informationen weiterzugeben, die Hanning dann in seinem neuen Job als Berater gewinnbringend verwerten konnte. Der Spiegel hat unter der Überschrift „Verhaftung von Ex-BND-Chef – Der tiefe Fall des August Hanning" einen Artikel veröffentlicht, der dem Leser den Eindruck vermittelt, der Spiegel würde kritisch über die Zustände in Deutschland berichten, die das erst möglich gemacht haben. Tatsächlich hat der Spiegel-Artikel das Ausmaß der Korruption in deutschen Regierungskreisen bewusst verschleiert.
Wie Hanning nach der Zeit beim BND Geld gemacht hat
Das Problem des westlichen Systems ist, dass Korruption ein fester Bestandteil des Systems ist, der unter dem Begriff „Lobbyismus“ legalisiert wurde. Ein beliebtes Mittel ist es dabei, dass Politiker und Spitzenbeamte, die dem System treu gedient haben, nach ihrem Karriereende bestens bezahlte Jobs bei der Industrie, Lobbyfirmen und NGOs erhalten – und damit für ihre Treue belohnt werden. Und sie sind für ihre neuen Arbeitgeber auch sehr wertvoll, denn natürlich schöpfen sie aus ihren in ihrer politischen Karriere aufgebauten Netzwerken. Oder, wie man auch sagen könnte, von den verfilzten Strukturen der Politik.
Nach diesem Prinzip hat auch Ex-BND-Chef Hanning nach seinem Ausscheiden aus dem Amt sehr viel Geld verdient. Er hat die Firma HanningConsult gegründet, die 2021 eine Bilanzsumme von stolzen 2,7 Millionen Euro hatte. Und zu dem Firmengeflecht gehörten noch andere Firmen, wie die Pluteos AG aus der Schweiz und deren Tochterfirma, die Sicherheitsfirma System 360 AG.
Übrigens gab es da schon früher schon mal einen Skandal, den aber anscheinend niemand weiterverfolgt hat. Die Schweizer Firmen sind laut einer Recherche des Stern von 2020 reine Briefkastenfirmen, während sie tatsächlich in Berlin arbeiten. Ich will nicht ins Detail gehen, die können Sie im Stern-Artikel von 2020 nachlesen, aber es ging um dubiose Mitarbeiter und andere unappetitliche Details.
Und übrigens waren bei diesen Schweizer Firmen gleich zwei ehemalige Geheimdienstchefs aus Deutschland aktiv, denn neben Eigentümer Hanning hat auch der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen die Firma nach eigenen Angaben zumindest beraten.
Das Beispiel zeigt, wie ehemalige führende Beamte und Politiker nach ihrem Karriereende das große Geld verdienen, indem sie eigene Beratungsfirmen gründen oder in bestehende einsteigen. Dass dabei viel Geld fließt, zeigt beispielsweise die stolze Bilanzsumme in Millionenhöhe der Firma, die der Rentner Hanning in seinem Unruhestand gegründet hat.
Das Prinzip Korruption
Im Westen haben diese Beratungsfirmen eine große Macht, denn viele sind Lobbyisten, die die Politik direkt beeinflussen. Und zwar für Geld, was per Definition Korruption ist, im Westen aber als „Lobbyismus“ legalisiert wurde. Wie das funktioniert, schauen wir uns nun an einem konkreten Beispiel an, von dem die Spiegel-Redaktion sicher weiß, es ihren Lesern hier aber verschweigt.
In seinem pseudo-kritischen Artikel schreibt der Spiegel:
„Dass einige von Hannings Geschäften anrüchig wirkten, war auch in der Bundesregierung bekannt. Zumal seine zweite Karriere kein Einzelfall war. Da war Gerhard Schindler, einer von Hannings Nachfolgern beim BND, der sich bei der Agentur Friedrich30 verdingte. Dort heuerte auch Günter Heiß an, ehemals Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt. Ebenso der Ex-Bundeswehr-General Hans-Lothar Domröse, nachdem er seinen Top-Posten bei der Nato geräumt hatte.“
Der Spiegel bestätigt also, was ich schon gesagt habe, nämlich dass ehemalige Spitzenbeamte ihre Rente mit lukrativen Beraterjobs „aufbessern“. Und der Spiegel nennt als Beispiel die Agentur Friedrich30, die der Spiegel also kennen muss, seinen Lesern aber verschweigt, dass das Geschäftsmodell dieser Agentur per Definition Korruption ist.
Und das geht so: Wenn Sie einige Millionen übrig haben und erreichen möchten, dass in Deutschland ein bestimmtes Gesetz erlassen wird, oder dass die Bundesregierung ein bestimmtes Ziel fördert, oder wenn Sie erreichen möchten, dass ein ausländischer Politiker im Bundestag eine Rede halten darf, dann können Sie sich vertrauensvoll an Friedrich30 wenden, die Ihnen einen Preis nennen, zu dem sie versuchen werden, das Ziel zu erreichen.
Das denke ich mir nicht aus, denn Friedrich30 präsentiert sich im Netz als „internationales Beratungsunternehmen“ mit „großer Erfahrung im Bereich von Gesetzgebungsprozessen auf nationaler und europäischer Ebene“ Im Klartext hilft F30 also zahlungskräftigen Kunden dabei, von denen gewollte Gesetze durchzudrücken. Was ist das anderes, als politische Korruption?
Entsprechend liest sich die Liste der leitenden Mitarbeiter von Friedrich30, denn neben den vom Spiegel genannten Herrschaften arbeiten für die Agentur ein ehemaliger Minister, der ehemalige Spitzendiplomat Hans-Ulrich Seidt, mehrere ehemalige Ministerialdirektoren, Staatsekretäre und andere ehemalige hohe Regierungsbeamte.
Wie Friedrich30 arbeitet, wurde öffentlich bekannt, als die Firma glaubte, sie stehe in Kontakt mit Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs von Persien, der von der Bundesregierung bei seiner Wiedereinsetzung als Schah von Persien unterstützt werden und dazu eine Rede im Bundestag halten wollte. Das Team von Friedrich30 bezeichnete das in den Verhandlungen als „sehr ambitioniertes, aber erreichbares Ziel“ und nannte als Preis für seine Unterstützung bei den Versuchen, „Prinz Reza Pahlavi im Iran an die Macht zu bringen“, monatlich 50.000 Euro, worin natürlich Treffen mit vielen Bundestagsabgeordneten enthalten sein sollten.
Dass diese von Friedrich30 als vertraulich betrachteten Verhandlungen öffentlich geworden sind, haben die natürlich nicht gewollt. Aber blöderweise hatFriedrich30 bei den Verhandlungen nicht mit Pahlavi gesprochen, sondern ist einem Telefonstreich aufgesessen – und das gesamte Gespräch der Geschäftsleitung von Friedrich30 mit dem angeblichen Reza Pahlavi und seinem Team wurde veröffentlicht. Die Details dazu und das Gespräch im englischen Original und der deutschen Übersetzung finden Sie hier.
Wie korrupt die deutsche Politik ist, sieht man daran, dass die Leute, die den Telefonstreich organisiert haben, eigentlich mit Armin Laschet, dem Chef des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, sprechen wollten, aber dessen Büro hat den angeblichen Reza Pahlavi an Friedrich30 verwiesen, damit Friedrich30 die Kontakte zu Bundestagsabgeordneten wie Laschet gegen Bezahlung herstellt.
Was ist das anderes, als Korruption?
Aber Spiegel-Leser erfahren von all dem nichts, sie wissen nicht, wer oder was Friedrich30 ist, die der Spiegel erwähnt.
Rechtlich kann man nichts dagegen machen?
Als nächstes schreibt der Spiegel, der seinen Lesern alle zum Verständnis wichtigen Informationen vorenthält:
„Im Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags, das die Nachrichtendienste im Blick behalten soll, brachten Abgeordnete das Problem solcher Beratertätigkeiten wiederholt vor. Doch keine Bundesregierung wagte es, dem Treiben ein Ende zu setzen. Die Begründungen ähnelten sich stets: Rechtlich könne man leider nichts gegen das Geschäftsgebaren der Ex-Geheimdienstchefs unternehmen.“
Immerhin schreibt der Spiegel wahrheitsgemäß, dass es keine Bundesregierung „wagte“, etwas dagegen zu tun, denn die Macht dieser Netzwerke auf die westliche Politik ist zu groß, als das eine Regierung sich mit denen anlegen würde.
Die Aussage, „rechtlich könne man leider nichts gegen das Geschäftsgebaren der Ex-Geheimdienstchefs unternehmen“, ist übrigens Quatsch, denn Geheimdienstchefs sind Geheimnisträger erster Güte und es wäre nur verständlich, wenn es ehemaligen Geheimdienstchefs daher lebenslang verboten wäre, in irgendeiner Form, ob direkt oder indirekt, Geld aus dem Ausland zu beziehen. Aber auch so ein Verbot zu beschließen, traut sich die Regierung nicht, was bedeutet, dass es offensichtlich gewollt ist, dass andere Staaten ehemalige deutsche Geheimdienstchefs und andere ehemalige Spitzenbeamten abschöpfen können.
Und hier wird der Fall Hanning wieder interessant, denn er wurde verhaftet, weil er mit den illegal erhaltenen Geheiminformationen eine Analyse für aserbaidschanische Dienste erstellt haben soll. Da versteht der deutsche Staatsanwalt keinen Spaß, denn Aserbaidschan gehört offensichtlich nicht zu den Ländern, die ehemalige deutsche Spitzenbeamten abschöpfen dürfen.
Ob Hanning wohl auch verhaftet worden wäre, wenn er die Analyse nicht für Aserbaidschan, sondern beispielsweise für die USA geschrieben hätte?
Ich frage für einen Freund…
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Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Dieser Beitrag erschien zuerst am 08. Oktober 2026 auf anti-spiegel.ru.
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Bild: Nahaufnahme von zwei Geschäftsleuten, die Hand schütteln und Bribe unter Holztisch auf grauem Hintergrund nehmen
Bildquelle: Andrey_Popov / Shutterstock
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