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Klimalüge und Klimadiktatur (Teil 11): Klimajournalismus | Von Uwe Froschauer

Klimalüge und Klimadiktatur (Teil 11): Klimajournalismus | Von Uwe Froschauer

Berichterstattung oder Mission?

Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.

Journalismus soll informieren, kontrollieren, hinterfragen und einordnen. Er soll der Macht auf die Finger schauen – nicht ihr die Argumente liefern. Er soll dem Bürger Informationen geben, damit dieser sich ein eigenes Urteil bilden kann – nicht ihm das gewünschte Urteil gleich mitliefern. Diese Grenze verschwimmt unter anderem beim Thema Klima zunehmend.

Wenn aus einer Überschwemmung schon in der Schlagzeile eine Folge des Klimawandels wird, wenn ein Waldbrand als Beleg für die Klimakrise präsentiert wird, bevor überhaupt geklärt ist, welche Faktoren ihn verursacht oder begünstigt haben, wenn wissenschaftliche Unsicherheiten aus der Berichterstattung verschwinden und aus Modellrechnungen Gewissheiten werden, dann wird aus Information schnell Interpretation. Und wenn bestimmte wissenschaftliche Positionen große Aufmerksamkeit erhalten, während andere kaum vorkommen, entsteht ein Bild, das durchaus aus richtigen Einzelinformationen bestehen kann – und dennoch unvollständig ist.

Bedenklich wird es, wenn Journalisten ihre Rolle verändern. Wer sich nicht mehr in erster Linie als kritischer Beobachter versteht, sondern als Mitstreiter für eine vermeintlich gute Sache, läuft Gefahr, die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus zu überschreiten. Beim Klima ist diese Gefahr groß. Kaum ein anderes Thema verbindet Wissenschaft, Politik, Moral, Angst und langfristige Zukunftsszenarien derart eng miteinander. Und kaum ein anderes politisches Projekt greift inzwischen so tief in Wirtschaft und Alltag ein.

Ein genauer Blick auf diejenigen, die den Bürgern dieses Projekt täglich erklären – die Medien – ist angebracht.

Wie berichten sie über den Klimawandel? Welche Informationen wählen sie aus? Welche lassen sie weg? Welche Bilder zeigen sie? Welche Begriffe verwenden sie? Wie gehen sie mit wissenschaftlicher Unsicherheit um? Und vor allem: Informieren sie den Bürger noch so, dass er sich selbst ein Urteil bilden kann – oder liefern sie das Urteil zunehmend gleich mit? Darum geht es in diesem Kapitel.

Vom Beobachter zum Akteur

Journalismus hat in einer Demokratie einen klaren und wichtigen Auftrag: Er soll den Bürger informieren. Ein Journalist soll recherchieren, Behauptungen überprüfen, Widersprüche aufdecken, unterschiedliche relevante Positionen sichtbar machen und insbesondere den Mächtigen auf die Finger schauen. Regierungshandeln darf dabei ebenso wenig sakrosankt sein wie die Position einer Opposition, eines Unternehmens, eines Verbandes oder einer Nichtregierungsorganisation.

Journalismus ist keine Pressestelle der Regierung. Das gilt unabhängig davon, ob eine politische Maßnahme Steuern, Migration, Krieg, Gesundheit oder Klima betrifft. Wenn politische Entscheidungen tief in das Leben der Menschen eingreifen, sollte journalistische Kontrolle besonders kritisch sein.

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist dieser Anspruch rechtlich verankert. § 26 des Medienstaatsvertrages verpflichtet ARD, ZDF und Deutschlandradio zu einer unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung. Außerdem sollen die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit beachtet und eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen dargestellt werden. Das ist der Auftrag.

Die ARD selbst hat diesen Anspruch noch deutlicher formuliert. In ihren journalistischen Grundsätzen heißt es unter anderem:

„Wir berichten ausgewogen und fair.“

Und an anderer Stelle:

„Dabei trennen wir Nachricht und Meinung.“

Die ARD erklärt ausdrücklich, Hintergründe und komplexe Zusammenhänge so verständlich machen zu wollen, dass sich die Menschen „ihr eigenes Bild machen können“.

Es wäre schön, wenn es so wäre. Der Bürger soll sich sein eigenes Bild machen können, und nicht das Bild übernehmen, das ihm eine Redaktion bereits fertig gerahmt an die Wand hängt. In vielen Fällen scheint mir Zweiteres der Fall zu sein.

Das ZDF formuliert seinen Auftrag ähnlich. Die zentrale Aufgabe seiner Berichterstattung bestehe darin, den Zuschauern eine „freie Meinungs- und Urteilsbildung“ zu ermöglichen. Dazu gehörten unabhängige und objektive Informationen sowie die umfassende Darstellung unterschiedlicher gesellschaftlicher Ansichten. Auf dem Papier klingt das hervorragend.

Die Frage ist jedoch, was passiert, wenn Journalisten glauben, bei einem bestimmten Thema sei die gesellschaftlich richtige Richtung längst geklärt. Das ist für mich das Problem des Klimajournalismus – das Problem des Journalismus der Mainstreammedien generell.

Natürlich muss ein Journalist nicht so tun, als seien wissenschaftlich gut belegte Erkenntnisse und jede noch so abseitige Gegenbehauptung gleichwertig. Ausgewogenheit bedeutet nicht, zu jeder wissenschaftlichen Aussage zwanghaft eine Gegenmeinung mit identischem Gewicht präsentieren zu müssen. Ein Journalist darf einordnen. Er soll sogar einordnen. Aber Einordnung ist etwas anderes als Mission.

Nehmen wir eine politische Entscheidung zur Verringerung von CO₂-Emissionen. Aufgabe des Journalismus wäre es nicht nur, den von der Regierung gewünschten Klimaeffekt zu erklären. Er müsste ebenso fragen: Wie groß ist dieser Effekt tatsächlich? Auf welchen Annahmen beruht die Berechnung? Welche Kosten entstehen? Wer trägt sie? Welche sozialen Folgen hat die Maßnahme? Welche technologischen Alternativen gibt es? Welche Gegenargumente bringen Wissenschaftler, Ökonomen oder betroffene Unternehmen vor? Und wie sicher sind die zugrunde liegenden Prognosen? Das wäre kritische Kontrolle politischer Entscheidungen.

Wenn dagegen bereits vorausgesetzt wird, dass eine bestimmte Maßnahme notwendig und richtig ist, verändert sich die journalistische Perspektive. Dann lautet die Frage nicht mehr:

Ist diese Maßnahme sinnvoll?

Sondern:

Warum ist diese Maßnahme notwendig, und wie kann sie umgesetzt werden?

Das klingt ähnlich, ist aber etwas völlig anderes. Im ersten Fall wird eine politische Entscheidung überprüft. Im zweiten Fall wird ihre grundlegende Berechtigung bereits vorausgesetzt. Anstatt also zu beobachten, zu hinterfragen und kritisch zu prüfen, was die Politik tut, beginnt der Journalismus durch die Art seiner Berichterstattung selbst politische Ziele zu unterstützen und damit Politik mitzugestalten. Er berichtet dann nicht mehr nur über Politik – er wirkt an ihrer Durchsetzung mit.

Wie nah diese beiden Rollen inzwischen teilweise beieinanderliegen, zeigt schon die Sprache, mit der öffentlich-rechtliche Sender ihre Klimaberichterstattung gelegentlich selbst präsentieren. Die ARD überschrieb beispielsweise im November 2025 eine eigene Pressemitteilung mit:

„Wissen meets Klimaschutz“.

Das muss für sich genommen noch keinerlei Verletzung journalistischer Standards bedeuten. Es zeigt aber die Frage auf, die mich interessiert: Wo endet die Vermittlung von Wissen – und wo beginnt das Anliegen, selbst Klimaschutz zu betreiben?

Auch innerhalb des ZDF wurde diese Gratwanderung bereits thematisiert. In einem Beitrag des ZDF-Fernsehrats zur Klimaberichterstattung fiel der denkwürdige Satz:

„Haltung ist gut, eine von Fakten gestützte Debatte ist besser.“

Dem zweiten Teil kann ich nur zustimmen. Denn Journalismus braucht nicht zuerst Haltung. Er braucht zuerst Fakten, Recherche, Zweifel und die Bereitschaft, auch die eigene Sichtweise infrage zu stellen. Das Wort „Haltung“ ist für mich in diesem Zusammenhang kritisch zu sehen. Ein Journalist darf selbstverständlich eine persönliche Haltung besitzen. Aber in dem Moment, in dem diese Haltung bestimmt, welche Informationen ausgewählt, welche Fragen gestellt, welche Experten eingeladen und welche Gegenargumente überhaupt noch ernst genommen werden, verändert sich seine Funktion. Dann berichtet er nicht mehr nur über eine politische Auseinandersetzung – er wird Teil von ihr.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender sollte Klimapolitik nicht bekämpfen. Er sollte sie aber auch nicht machen. Er sollte sie kritisch hinterfragen.

Medien: Information oder fertiges Urteil?

Journalismus sollte dem Bürger Informationen liefern, aus denen er sich ein eigenes Urteil bilden kann. Das klingt selbstverständlich, ist es aber längst nicht mehr. Vereinfacht läuft menschliche Urteilsbildung in mehreren Schritten ab: Ein Mensch nimmt Informationen wahr, denkt darüber nach, vergleicht sie mit anderen Informationen, beurteilt sie und trifft auf dieser Grundlage schließlich eine Entscheidung.

Wahrnehmung – Reflexion – Beurteilung – Entscheidung.

Fragwürdig wird es, wenn Medien diesen Prozess abkürzen und dem Bürger die Beurteilung gleich mitliefern. Ein gutes Beispiel ist die Verwendung des Begriffs „Klimaleugner“. Wer so bezeichnet wird, ist sprachlich bereits abgeurteilt, bevor seine Argumente überhaupt auf dem Tisch liegen. Der Leser erfährt nicht zuerst, was jemand sagt, und kann anschließend beurteilen, ob das Argument trägt. Er erfährt zunächst, wer da angeblich spricht: ein „Klimaleugner“. Damit ist der gedankliche Rahmen gesetzt.

Ähnlich funktioniert es, wenn ein außergewöhnliches Wetterereignis bereits in Überschrift oder Anmoderation als Folge der „Klimakrise“ präsentiert wird. Die journalistisch interessante Frage wäre zunächst: Was ist geschehen? Welche Ursachen kommen infrage? Wie ungewöhnlich ist das Ereignis historisch? Welchen Anteil kann der Klimawandel daran nach heutigem Forschungsstand tatsächlich haben? Erst aus diesen Informationen sollte sich eine Beurteilung ergeben. Wird die Beurteilung dagegen vorangestellt, verändert sich die Funktion der Berichterstattung. Aus der Information über ein Ereignis wird eine Interpretation für den Zuschauer.

Das ist keineswegs nur eine Frage der Aneinanderreihung einzelner Wörter. Sprache schafft gedankliche Rahmen. Begriffe wie „Klimakrise“, „Klimanotstand“, „Klimakatastrophe“ oder eben „Klimaleugner“ transportieren bereits Bewertungen. Das bedeutet nicht, dass solche Begriffe grundsätzlich unzulässig wären. Aber Journalisten sollten sich bewusst sein, dass sie damit nicht nur beschreiben, sondern auch interpretieren.

Ein mündiger Bürger braucht keine Medien, die ihm sagen, was er denken soll. Er braucht Medien, die ihm möglichst vollständig zeigen, worüber er nachdenken sollte. Demokratie lebt vom eigenverantwortlichen Selbstdenker, nicht vom Bürger, der vorgefertigte Deutungen übernimmt. Wo das eigene Urteil zunehmend durch betreutes Denken ersetzt wird, wächst die Gefahr der Fremdsteuerung. Aus Orientierung wird dann schnell Bevormundung.

Agenda-Setting und Framing in der Klimaberichterstattung

Auf Agenda-Setting und Framing bin ich bereits in einem früheren Kapitel eingegangen. Deshalb möchte ich die Mechanismen hier nicht noch einmal theoretisch erklären. Interessanter ist, wie sie in der Klimaberichterstattung konkret wirken.

Agenda-Setting entscheidet zunächst darüber, was überhaupt auf die öffentliche Tagesordnung gelangt. Ein schwerer Waldbrand in Südeuropa, eine Überschwemmung oder ein neuer Temperaturrekord besitzt hohen Nachrichtenwert und erhält entsprechend große Aufmerksamkeit. Weniger spektakuläre Entwicklungen schaffen es dagegen wesentlich seltener in die Schlagzeilen.

Das Problem liegt nicht darin, über Extremereignisse zu berichten. Selbstverständlich gehören sie in die Nachrichten. Kritisch wird es, wenn durch Auswahl und Häufigkeit der Berichterstattung beim Publikum der Eindruck entsteht, solche Ereignisse nähmen überall und zwangsläufig aufgrund des Klimawandels zu.

Hier kommt das Framing ins Spiel. Ein Waldbrand ist zunächst ein Waldbrand. Für seine Entstehung und sein Ausmaß können zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen: Hitze und Trockenheit ebenso wie Vegetation, mangelnde Waldpflege, Brandstiftung oder Fahrlässigkeit. Wird er jedoch bereits in Überschrift oder Anmoderation in den Rahmen „Klimakrise“ gestellt, ist ein Teil der Ursachenbewertung vorweggenommen.

Ähnliches gilt für Überschwemmungen. Extremniederschläge können eine wichtige Rolle spielen. Ob daraus eine Katastrophe entsteht, hängt aber ebenso von Bebauung, Bodenversiegelung, Flussbegradigungen, Hochwasserschutz und örtlichen Gegebenheiten ab. Wer nur das Klima nennt, erzählt deshalb möglicherweise keine falsche – aber eine unvollständige Geschichte. Das begründet die Macht des Framings: Es muss nichts erfunden werden. Es genügt mitunter, bestimmte Aspekte hervorzuheben und andere in den Hintergrund treten zu lassen.

Auch Bilder wirken auf diese Weise. Die bereits angesprochenen tiefroten Wetterkarten sind dafür ein anschauliches Beispiel. Rot signalisiert intuitiv Hitze und Gefahr. Eine Temperaturangabe von 35 Grad bleibt zwar dieselbe, ob sie vor grünem, gelbem oder dunkelrotem Hintergrund erscheint. Ihre emotionale Wirkung ist es nicht.

Agenda-Setting und Framing funktionieren besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel: Das eine beeinflusst, worüber gesprochen wird. Das andere beeinflusst, in welchem gedanklichen Rahmen darüber gesprochen wird.

Für Klimajournalismus ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung. Wer über Waldbrände, Hochwasser oder Temperaturrekorde berichtet, sollte nicht nur das spektakuläre Ereignis zeigen, sondern auch dessen Ursachen, historische Einordnung und wissenschaftliche Unsicherheiten. Sonst entsteht leicht das, was Journalismus eigentlich verhindern sollte: ein fertiges Bild, bevor der Zuschauer alle relevanten Teile des Bildes – das er sich selbst zusammensetzen sollte – gesehen hat.

Was nicht berichtet wird

Auch hier geht es im Kern um Agenda-Setting. Doch während bisher die Frage im Mittelpunkt stand, welche Themen ausgewählt und wie sie dargestellt werden, geht es nun um die andere Seite journalistischer Auswahl: Was erfährt der Bürger nicht?

Ein verzerrtes Bild entsteht nicht nur durch falsche Informationen. Es kann ebenso dadurch entstehen, dass ausschließlich bestimmte richtige Informationen präsentiert werden, während andere relevante Fakten, Studien oder Positionen kaum vorkommen. Eine Redaktion muss keine einzige falsche Zahl nennen und keinen Wissenschaftler falsch zitieren – und kann dennoch ein einseitiges Gesamtbild erzeugen. In der Klimaberichterstattung – wie bei jeder anderen Berichterstattung auch – sollte aus diesem Grund ein Blick auf das geworfen werden, was nicht in den Schlagzeilen und Berichten steht. Welche wissenschaftlichen Ergebnisse finden große Resonanz? Welche werden nur am Rande erwähnt? Wird über eine Studie, die vor größeren Klimarisiken warnt, anders berichtet als über eine Untersuchung, die bestimmte Risiken geringer einschätzt oder frühere Annahmen relativiert?

Dabei geht es nicht darum, jeder einzelnen Studie dieselbe Aufmerksamkeit zu geben. Wissenschaft produziert ständig neue Ergebnisse von sehr unterschiedlicher Qualität und Bedeutung. Journalistische Auswahl ist unvermeidbar. Die interessante Frage lautet vielmehr: Gibt es bei dieser Auswahl ein erkennbares Muster?

Dafür muss man nicht einmal auf sogenannte Klimaskeptiker zurückgreifen. Ein Blick in die Berichte des IPCC selbst genügt. Dort finden sich neben deutlichen Warnungen auch zahlreiche Einschränkungen und Unsicherheiten. So stellt der IPCC beispielsweise fest, dass bei langfristigen Veränderungen der Häufigkeit tropischer Wirbelstürme nur eine geringe wissenschaftliche Sicherheit besteht. Auch beim Permafrost wird zwar eine weitere Erwärmung und Freisetzung von Kohlenstoff erwartet, für einen klar bestimmbaren Schwellenwert eines nichtlinearen Kippeffekts besteht jedoch nur geringe Sicherheit. Beim arktischen Meereis geht der IPCC sogar davon aus, dass es keinen Kipppunkt gibt, nach dessen Überschreiten der Verlust unumkehrbar wäre – Veränderungen seien grundsätzlich innerhalb von Jahren bis Jahrzehnten reversibel.

All das bedeutet keineswegs, dass der IPCC den Klimawandel für harmlos hält. Das tut er ausdrücklich nicht. Es zeigt aber, wie viel differenzierter wissenschaftliche Befunde häufig sind als das Bild, das beim flüchtigen Nachrichtenkonsum hängen bleibt.

Wissenschaftliche Unsicherheit besitzt allerdings einen gehörigen Nachteil: Sie macht schlechte Schlagzeilen. „Wissenschaftler warnen vor unumkehrbarem Kipppunkt“ erzeugt mehr Aufmerksamkeit als die Nachricht, dass für einen bestimmten Schwellenwert nur geringe wissenschaftliche Sicherheit besteht. Ein brennender Wald liefert stärkere Bilder als eine Statistik, die langfristige Entwicklungen differenziert einordnet.

Hier kann man von einem strukturellen Problem des Klimajournalismus sprechen. Wissenschaft arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, Bandbreiten, Unsicherheiten und unterschiedlichen Evidenzgraden. Medien brauchen dagegen für die Aufrechterhaltung ihrer Auflagenhöhe oder Zuschauer-/Zuhörerquoten verständliche, kurze und möglichst eindeutige Geschichten. Bei dieser Übersetzung kann aus einem „könnte“ schnell ein „wird“, aus einer möglichen Entwicklung eine erwartete Entwicklung und aus einem Risiko eine scheinbar bevorstehende Gewissheit werden.

Dass solche Verkürzungen tatsächlich vorkommen, ist keine Erfindung von Klimaskeptikern. Auch die wissenschaftliche Forschung zur Klimakommunikation beschäftigt sich seit Jahren damit. Untersuchungen beschreiben unter anderem, dass Unsicherheiten in der medialen Darstellung verloren gehen können und komplexe Klimaszenarien dem Publikum häufig nur unzureichend erklärt werden.

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine große Untersuchung der deutschen Klimaberichterstattung, die 2026 veröffentlicht wurde. Dafür wurden mehr als 50.000 Artikel aus sieben großen deutschen Zeitungen zwischen 2010 und 2024 analysiert. Das Ergebnis zeigt, wie stark journalistische Auswahl das Gesamtbild bestimmt: Über Ursachen, Folgen und Emissionsminderung wurde wesentlich häufiger berichtet als über die Anpassung an bereits eintretende oder erwartete Klimaveränderungen – etwa durch besseren Hochwasserschutz, Hitzeschutz in Städten oder eine angepasste Landwirtschaft. Auch innerhalb der Ursachen erhielten bestimmte Faktoren deutlich mehr Aufmerksamkeit als andere. So standen fossile Energieträger besonders häufig im Mittelpunkt, während etwa Landwirtschaft, hoher Ressourcenverbrauch oder wirtschaftliches Wachstum wesentlich seltener als Treiber des Klimawandels thematisiert wurden.

Das ist Agenda-Setting in seiner praktischsten Form. Man kann ein Bild eben nicht nur dadurch verändern, dass man etwas Falsches hinzufügt. Man kann es auch verändern, indem man etwas Wichtiges weglässt.

Wie Botschaften verstärkt werden

Welche Themen ausgewählt und welche Informationen weggelassen werden, ist die eine Seite der Klimaberichterstattung. Die andere ist die Frage, wie eine Botschaft vermittelt wird.

Auf verschiedene Techniken der Beeinflussung – etwa Angsterzeugung, Wiederholung, sprachliche Etikettierung und die Wirkung von Bildern – bin ich in früheren Kapiteln bereits eingegangen. Deshalb möchte ich sie hier nicht erneut theoretisch erklären. An dieser Stelle interessiert vielmehr, wie diese Mechanismen im Klimajournalismus konkret eingesetzt werden und zusammenwirken können.

Wiederholung.

Was Menschen immer wieder hören, prägt sich ein. „Klimakrise“, „Klimanotstand“, „Klimakatastrophe“, „Rekordhitze“, „Extremwetter“ – begegnen uns solche Begriffe über Jahre hinweg in Nachrichten, Talkshows, Dokumentationen und Schlagzeilen, entsteht ein gedanklicher Rahmen, der irgendwann kaum noch bewusst wahrgenommen wird. Die Botschaft muss dann nicht jedes Mal neu begründet werden. Sie ist bereits im Kopf.

Das bedeutet nicht, dass eine häufig wiederholte Aussage deshalb falsch sein muss. Aber Wiederholung ist kein Beweis für Wahrheit. Sie erhöht zunächst nur die Vertrautheit einer Aussage – und Vertrautheit kann leicht mit Gewissheit verwechselt werden.

Bilder und Emotionen.

Brennende Wälder, ausgetrocknete Flussbetten, überflutete Häuser, schmelzende Gletscher, ausgemergelte Eisbären oder verzweifelte Menschen erzeugen etwas, das eine Temperaturkurve kaum leisten kann: unmittelbare Betroffenheit. Solche Bilder sind journalistisch legitim. Problematisch wird es, wenn durch ihre Auswahl eine eindeutige Ursache suggeriert wird, die wissenschaftlich so eindeutig gar nicht festgestellt wurde. Auch die bereits angesprochenen roten Wetterkarten gehören in diesen Zusammenhang. Die gemessene Temperatur verändert sich durch die Farbe natürlich nicht. Ihre emotionale Wahrnehmung sehr wohl.

Wer eine Bedrohung als unmittelbar und existenziell empfindet, denkt anders über politische Maßnahmen nach als jemand, der Chancen, Risiken, Kosten und Alternativen in Ruhe gegeneinander abwägt. Im regelrechten Panikmodus wird eine solche nüchterne Abwägung erheblich erschwert. Aus „Welche Maßnahme ist sinnvoll?“ kann dann schnell „Was müssen wir tun, um die Katastrophe noch zu verhindern?“ werden. Schon die Fragestellung verengt damit den Raum möglicher Antworten.

Und schließlich gibt es Begriffe, die eine Diskussion beenden können, bevor sie überhaupt begonnen hat. „Klimaleugner“ ist dafür das bekannteste Beispiel in der Klimadebatte. Wer mit einem solchen Etikett versehen wird, muss nicht mehr inhaltlich widerlegt werden. Das Etikett selbst übernimmt einen Teil dieser Arbeit.

Ähnlich problematisch wird es bei Formulierungen wie „Die Wissenschaft ist sich einig“, wenn damit nicht ein konkret gut belegter wissenschaftlicher Befund bezeichnet, sondern eine politische Schlussfolgerung gegen Kritik abgeschirmt werden soll. Dass der Mensch das Klima beeinflusst, beantwortet beispielsweise noch nicht die Frage, ob eine bestimmte Steuer, ein bestimmtes Heizgesetz oder ein bestimmtes Verbot sinnvoll und verhältnismäßig ist. Wissenschaftlicher Konsens über einen Befund ist kein Totschlagargument für jede daraus abgeleitete politische Maßnahme.

Keine dieser Techniken muss für sich genommen Manipulation bedeuten. Bilder gehören zum Fernsehen, Wiederholungen entstehen zwangsläufig bei dauerhaft wichtigen Themen, und Journalisten müssen komplexe Sachverhalte vereinfachen. Ihre eigentliche Wirkung entfalten diese Mechanismen vor allem in der Kombination: ständige Wiederholung, emotional aufgeladene Bilder, alarmierende Begriffe und ein sprachlicher Rahmen, in dem Zweifel schnell als moralisches oder wissenschaftliches Defizit erscheinen. Dann wird nicht mehr nur informiert. Dann wird Wahrnehmung gelenkt.

ARD und ZDF: Kontrolleure oder Mitstreiter?

Private Medien betreffend kann jeder selbst entscheiden, ob er sie liest, sieht oder bezahlt. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk liegt die Sache anders. ARD und ZDF werden durch den Rundfunkbeitrag zwangsfinanziert und haben einen gesetzlich definierten Auftrag. Wie bereits dargestellt, gehören dazu unabhängige, sachliche und umfassende Information, Objektivität, Unparteilichkeit sowie eine möglichst breite und ausgewogene Themen- und Meinungsvielfalt.

Für sie gelten aus diesem Grund besondere Maßstäbe.
Beim Klima stellt sich die Frage, ob diese Distanz zur Politik immer gewahrt bleibt. Da habe ich massive Zweifel. In öffentlich-rechtlichen Angeboten wird Klimaschutz teilweise nicht nur als Gegenstand politischer Berichterstattung behandelt, sondern sprachlich als Ziel vermittelt, das grundsätzlich unterstützt werden sollte. Damit kann die Grenze zwischen der Information über Klimapolitik und der Identifikation mit ihren Zielen unscharf werden.

Ein kleines, aber bezeichnendes Beispiel wurde bereits erwähnt: Die ARD überschrieb 2025 eine eigene Pressemitteilung mit „Wissen meets Klimaschutz“. Natürlich beweist eine solche Formulierung für sich genommen noch keine einseitige Berichterstattung. Interessant ist jedoch das dahinter erkennbare Rollenverständnis. Klimaschutz erscheint hier nicht als politisches Ziel, über dessen konkrete Ausgestaltung Journalismus kritisch berichtet, sondern als positiv besetztes Anliegen, zu dem der Sender selbst einen Beitrag leisten möchte. Hier beginnt die Grenze zu verschwimmen: Berichtet ein öffentlich-rechtlicher Sender noch über Klimapolitik – oder versteht er sich bereits als Mitstreiter für deren Ziele?

Diese Unterscheidung ist keineswegs spitzfindig. Ein Journalist kann über die Notwendigkeit höherer Verteidigungsausgaben berichten, ohne selbst für Aufrüstung zu werben. Er kann über eine Rentenreform informieren, ohne sie zu seiner eigenen Sache zu machen. Warum sollte für Klimapolitik ein anderer journalistischer Maßstab gelten?

Noch deutlicher wird diese Nähe bei der Initiative „Klima vor acht“. Seit Jahren fordert der gleichnamige Verein einen festen Sendeplatz unmittelbar vor der Tagesschau, um regelmäßig über die Klimakrise zu informieren. Die Forderung zeigt, wie stark inzwischen darüber diskutiert wird, ob Klimaberichterstattung lediglich auf aktuelle Ereignisse reagieren oder selbst dauerhaft einen festen Platz auf der medialen Tagesordnung erhalten soll.

Beim Klimathema zeigt sich, wie schnell sich die journalistische Fragestellung verschieben kann. Wenn Klimaneutralität, Emissionsminderung oder der Ausbau erneuerbarer Energien bereits als grundsätzlich richtige Ziele vorausgesetzt werden, richtet sich der journalistische Blick eventuell nur noch darauf, wie schnell und mit welchen Mitteln diese Ziele erreicht werden können.

Diese Ziele sind längst Bestandteile staatlicher Politik und werden von großen Teilen des politischen Spektrums unterstützt. Kritischer Journalismus müsste einen Schritt weitergehen und fragen: Was kostet eine Maßnahme? Was bewirkt sie global? Wer profitiert? Wer trägt die Belastungen? Welche Alternativen gibt es? Auf welchen Annahmen beruhen die Berechnungen? Und was geschieht, wenn sich eine Prognose als falsch oder eine Maßnahme als ineffizient erweist?
Das sind keine klimafeindlichen Fragen. Das sind journalistische Fragen.

Dazu gehört auch, Wissenschaftler, Ökonomen und andere Fachleute zu Wort kommen zu lassen, die einzelne Annahmen oder politische Maßnahmen begründet infrage stellen. Nicht jede Gegenposition ist deshalb richtig. Aber eine Position wird auch nicht dadurch falsch, dass sie vom vorherrschenden Konsens abweicht.

In der Beantwortung dieser Fragen zeigt sich, ob öffentlich-rechtlicher Klimajournalismus seiner Kontrollfunktion gerecht wird. Ein Sender darf über die Risiken des Klimawandels berichten – selbstverständlich. Er darf wissenschaftliche Erkenntnisse einordnen und politische Maßnahmen erklären. Aber er sollte nicht zum Mitstreiter einer bestimmten Klimapolitik werden.

Sobald Journalismus ein politisches Ziel selbst zu seiner Sache macht, verändert sich seine Perspektive. Dann besteht die Gefahr, dass nicht mehr gefragt wird, ob eine Maßnahme sinnvoll ist, sondern nur noch, wie sie möglichst schnell umgesetzt werden kann.

Damit würde der öffentlich-rechtliche Rundfunk jene Distanz verlieren, die er benötigt, um seine eigentliche Aufgabe erfüllen zu können:

Macht infrage stellen – nicht Politik machen.

Der mündige Bürger

Am Ende läuft die Frage nach gutem Journalismus auf einen einfachen Punkt hinaus: Welches Bild hat er vom Bürger? Sieht er in ihm einen mündigen Menschen, der unterschiedliche Informationen aufnehmen, gegeneinander abwägen und sich daraus ein eigenes Urteil bilden kann? Oder einen Menschen, dessen Denken in die vermeintlich richtige Richtung gelenkt werden muss?

Auf die Bedeutung des mündigen Bürgers und des eigenständigen Denkens bin ich bereits in den ersten Kapiteln eingegangen. Deshalb möchte ich diesen Gedanken hier nicht wiederholen. Für den Journalismus ist er jedoch von grundlegender Bedeutung.

Demokratie braucht informierte Bürger. Wer politische Entscheidungen beurteilen soll, muss nicht nur deren Begründungen kennen, sondern auch Zweifel, Gegenargumente, Unsicherheiten, Kosten und mögliche Alternativen.

Das gilt beim Klima umso mehr, weil die daraus abgeleitete Politik tief in Wirtschaft und Alltag eingreift. Journalismus sollte deshalb nicht versuchen, den Bürger auf die vermeintlich richtige Seite zu ziehen. Er sollte ihm das Material liefern, mit dem er selbst entscheiden kann, welche Seite er für richtig hält.

Der mündige Bürger braucht keinen medialen Vormund. Er braucht Informationen. Er braucht unterschiedliche Sichtweisen. Und vor allem braucht er eines:

Die Freiheit, selbst zu denken.

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Anmerkungen und Quellen

Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser! Das Buch „Corona – das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben“ ist am 20. August 2026 im Online-Handel erschienen. Über Corona wurde viel geschrieben – meist über einzelne Aspekte. Dieses Buch versucht, die vielen Teile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. In 18 Kapiteln werden die politischen, gesellschaftlichen, medizinischen, medialen und psychologischen Facetten der Corona-Zeit: von Zahlen und Impfkampagne über Grundrechtseingriffe, RKI-Protokolle und mediale Meinungslenkung bis hin zu Widerstand und der bis heute unzureichenden Aufarbeitung beleuchtet.

Das Buch richtet sich besonders an Menschen, die angesichts widersprüchlicher Darstellungen noch immer fragen: Was ist damals eigentlich geschehen? Es liefert keine vorgeschriebene Antwort, sondern Zusammenhänge, Widersprüche und unterschiedliche Perspektiven als Grundlage für das eigene Urteil.

Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2. Juli 2026 veröffentlicht. Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein. Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.

Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht. Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Reporter berichtet unter Regenschirm bei strömendem Regen
Bildquelle: PeopleImages / shutterstock


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