Schluss mit den Vergewaltigungen
Ein Kommentar von Paul Clemente.
„Tod dem Tyrannen!“ Ein Aufschrei wie in Hollywoods Sandalenfilmen. Nur 2000 Jahre später. Und nicht gegen Julius Caesar gerichtet, sondern gegen einen US-Präsidenten des 21. Jahrhunderts: Gegen Donald Trump. Tatort: Ein Washingtoner Hilton-Hotel. Zeitpunkt: am vergangenen Samstagabend, nach europäischer Zeit.
Im Festsaal startete das jährliche „White House Correspondents-Dinner“, ein Treffen von Machthabern, Berichterstattern und Promis. Bislang hatte Trump sich dieser Veranstaltung erfolgreich entzogen. Diesmal nicht. Diesmal präsentierte sich der ehemalige New Yorker Baulöwe den 2600 Gästen.
Nur wenige Meter entfernt, am Haupteingang: Ein Mann, bis an die Zähne bewaffnet, zischte an den verdutzten Wachen vorbei. Beim Sprint in Richtung Festsaal, schoss er mit einer Schrotflinte wild um sich. Außerdem trug er Handfeuerwaffen und mehrere Messer im Gepäck: Da hatte sich jemand fürs große Massaker präpariert.
Das Video der Überwachungskamera zeigt, dass die Sicherheits-Profis zunächst kaum reagierten. Zu unerwartet, zu überrumpelnd war der Vorstoß. Kurz vor Eintritt in den Festsaal wurde der Attentäter doch noch gestoppt. Womöglich in letzter Sekunde. Ein Security-Mann wurde verletzt.
So endete der dritte Mordanschlag auf Trump innerhalb von zwei Jahren. Er und sein Vize J.D. Vance wurden rasch evakuiert. Schon bald kamen erste Fragen auf: Wer ist der Attentäter? Was war sein Motiv? Und wie kam er überhaupt rein? Tim Röhn, Reporter der Tageszeitung Die Welt, selber anwesend, mokierte sich über die liberale Einlass-Politik:
„Was mich überraschte, waren die laxen Sicherheitsvorkehrungen. Trotz der Menschenmengen von teilweise aggressiven Trump-Gegnern vor dem Hotel reichte es aus, dass die Gäste einen Screenshot einer Einladung vorzeigten, um Zutritt zum Gelände und zum Gebäude zu erhalten. Ausweis? Nicht erforderlich.“
Was Röhn besonders ärgerte: Nicht einmal die Jacken seien durchstöbert worden.
Na und? Selbst wenn das Personal ein Vorzeigen des Ausweises verlangt oder gar einen Strip Search vorgenommen hätte: Das hätte wenig gebracht. Der Attentäter hatte schließlich auf die Wirkkraft seiner Wumme gesetzt, auf Überrumpelungstaktik, auf Schockeffekt, auf Verwirrung. Andererseits war der Finsterling nicht ganz allein. Einige Dutzend Demonstranten standen in der Nähe zum Eingang. Auf einem Transparent stand der Satz, den der Attentäter später ausrufen würde: „Tod dem Tyrannen“. Da durfte die Security doch mit aggressiven Handlungen rechnen.
Auch Trumps Security-Team reagierte zögerlich. Viel langsamer als die Jungs von J.D. Vance. Die evakuierten den Vize schneller als den Präsidenten. Das heizte Spekulationen über eine False Flag-Aktion an. Ein Leser der iranischen Nachrichtenseite Wana mit dem Username „The patriotic pirate“ erklärte:
„Dies ist eine weitere False-Flag-Operation des Deep State, genau wie 2024. Die Frage ist, ob Karoline Leavitt (Pressesprecherin des Weißen Hauses, Anm.) und Trump die Iraner oder die Demokraten beschuldigen werden, denn das wird ihnen helfen, bei der kommenden Wahl Stimmen zu gewinnen."
Bevor wir das Geständnis des Attentäters hier ausbreiten, ein paar Infos zu seiner Vita: Der 31jährige Cole Thomas Allen entstammt der kalifornischen Stadt Torrance. Laut seines LinkedIn-Profils jobbte Allen als Teilzeitlehrer für C2 Education, einem Unternehmen für Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung. Scheinbar mit großem Erfolg. Denn C2 Education erhob Allen im Dezember 2024 zum „Lehrer des Monats“. Außerdem entwickelte er Videospiele und spendete 2024 25 Dollar an die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris.
Am California Institute of Technology engagierte Allen sich neben dem Studium in einer christlichen Studentengemeinschaft. Auch in einer Campusgruppe, die mit Spielzeug-Waffen kämpfte. Sein ehemaliger Lehrer, der Informatik-Professor Bin Tang, versicherte gegenüber „Associated Press“: Allen „war in der Tat ein sehr guter Schüler“. Außerdem: „Leise, sehr höflich, ein guter Kerl. Ich bin sehr schockiert, die Nachricht zu sehen."
Am Sonntag schrieben ausländische Nachrichtendienste, darunter die New York Post, das New Delhi Television, die Zeitung The Irish Sun und die norwegische Verdens Gang über ein „Manifest“. Allen soll es zehn Minuten vor dem Attentat an seine Familie geschickt haben. Darin nennt er sein Tatmotiv: Er wolle nicht länger Mitschuld an den Verbrechen der US-Regierung tragen.
Die christliche Lehre, dem Aggressor noch die andere Wange hinzuhalten, dürfe nur gelten, wenn man selbst der Geschlagene sei. Aber nicht, wenn ein anderer Mensch geprügelt würde. Da müsse man eingreifen. O-Ton: „Die andere Wange hinzuhalten, wenn jemand unterdrückt wird, ist kein christliches Verhalten; es ist Mitschuld an den Verbrechen des Unterdrückers." Und Allen will der Trump-Regierung auf keinen Fall die andere Wange anbieten. O-Ton: „Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen beschmutzt."
Auffallend ist: Keine Anschuldigung verweist unmittelbar auf Trumps Krieg gegen den Iran. Null. Auch das Wort „Verräter“ ist alles außer eindeutig. Dagegen verweist die Titulierung als „Pädophiler“ auf die Epstein-Files. Der Vorwurf der „Vergewaltigung“ taucht an anderer Stelle des Manifests wieder auf: Da spricht Allen von Personen, die in „einem Internierungslager vergewaltigt“ wurden. Sind damit Kriegsgefangene oder Guantanamo-Insassen gemeint?
Geradezu bizarr ist die Gewissenhaftigkeit, mit der Allen seinen Anschlag plant: „Um die Verluste zu minimieren, werde ich auch Schrotkugeln statt Kugeln verwenden (weniger Durchschlag durch Wände).“ Er will die „Unschuldigen“ möglichst schonen. Nur, wer ist überhaupt „unschuldig“? Sind die Gäste nicht bereit, die
„Rede eines Pädophilen, Vergewaltigers und Verräters zu besuchen und daher mitschuldig“?
Diese Ambivalenz spiegelt sich noch in seiner Unterschrift zum Manifest. Das signiert er mit: Cole „coldForce“ „Friendly Federal Assassin“ Allen. Übersetzt: Cole, der „kaltblütige“, „freundliche Bundes-Killer“ Allen.
Eine kleine Prognose zum Schluss: Beim nächsten „White House Correspondents-Dinner“ dürfte Trump wieder durch Abwesenheit glänzen.
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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
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Bild: ARLINGTON, VA - 11. November 2025: US-Präsident Donald Trump nimmt an der National Veterans Day Observatory auf dem Arlington National Cemetery
Bildquelle: Philip Yabut / Shutterstock
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