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Ukraine: Amerikas anhaltender Stellvertreterkrieg gegen Russland | Von Jeffrey Sachs und Sybil Fares

Ukraine: Amerikas anhaltender Stellvertreterkrieg gegen Russland | Von Jeffrey Sachs und Sybil Fares

Ein Meinungsbeitrag von Jeffrey Sachs und Sybil Fares.

Eisenhowers Warnung, dass die US-Politik von einer wissenschaftlich-technologischen Elite vereinnahmt werden würde, liefert einen konkreten Grund, warum die USA den Krieg in der Ukraine aufrechterhalten: Die Ukraine ist zu einem einzigartigen Labor unter realen Einsatzbedingungen für KI-Kriegsführung in großem Maßstab geworden.

In seiner Abschiedsrede vom Januar 1961 warnte Dwight D. Eisenhower die Amerikaner vor dem „Erwerb unberechtigter Einflussnahme – ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex und vor der Gefahr, dass die öffentliche Politik selbst zur Gefangenen einer wissenschaftlich-technologischen Elite werden könnte.“

65 Jahre später haben sich Eisenhowers Warnungen auf tragische Weise bewahrheitet. Die amerikanische Demokratie hängt am seidenen Faden, während der militärisch-industrielle Komplex, zu dem mittlerweile auch das Silicon Valley gehört, die amerikanische Außenpolitik gegen den Willen des amerikanischen Volkes bestimmt. Das Ziel ist die Vorherrschaft der USA – das heißt der unangefochtene Reichtum, die Macht und die Vorrechte der amerikanischen Eliten, ungehindert durch irgendeine andere Nation oder Gruppe von Nationen.

In der Praxis bedeutet dies, dass die Wall Street, Militärdienstleister, das Silicon Valley und die großen Ölkonzerne die amerikanische Außenpolitik kontrollieren, um den Reichtum der Elite sowie den Zugang zu globalen Ressourcen, Lieferketten und strategischen Nadelöhren zu maximieren. Der Rest der Welt soll sich dem fügen. Der militärisch-industrielle Komplex setzt ein Instrumentarium ein, das wir als Regimekontrolle zusammenfassen und das darauf abzielt, die Regierungen der übrigen Welt den Vereinigten Staaten unterzuordnen.

Zu den Instrumenten der Regimekontrolle gehören:

  • die Auferlegung oder Aufhebung von Handelsbarrieren,
  • der Zugang zu oder die Verweigerung von Technologien,
  • die Verhängung oder Aufhebung wirtschaftlicher Sanktionen,
  • der Besitz und die Manipulation ausländischer Medien,
  • Wahlbeeinflussung in unterschiedlichem Ausmaß,
  • politische Attentate, Farbrevolutionen und von der CIA unterstützte Staatsstreiche,
  • die Auslösung von Bankenstürmen im Ausland und die Gewährung von Notkrediten, sofern Staaten nachgeben,
  • das Einfrieren und Auftauen ausländischer Vermögenswerte,
  • die gezielte Verfolgung ausländischer Amtsträger durch Vorwürfe der Korruption, Auslieferung oder Entführung –
  • und wenn all dies zur Regimekontrolle nicht ausreicht: der offene Krieg.

Die von den USA gewählten Kriege, die in Wirklichkeit Kriege zur Regimekontrolle sind, verlaufen andauernd und sind extrem lukrativ für die Rüstungsindustrie – obwohl der „Tiefe Staat“ es in der Regel bevorzugt, dass andere Regierungen kampflos nachgeben.

Geopolitische Dreh- und Angelpunkte und die amerikanische Vorherrschaft

Zbigniew Brzezińskis Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ aus dem Jahr 1997 legte das Ziel der Regimekontrolle mit bemerkenswerter Offenheit dar: Eurasien ist das Schachbrett, auf dem Amerikas globale Vorherrschaft gesichert werden muss. Um erfolgreich zu sein, sollte Amerika „geopolitische Dreh- und Angelpunkte“ dominieren – das heißt Staaten, die für Amerika an sich unwichtig, aber nützlich sind, um eine andere Großmacht zu schwächen.

Brzeziński nannte wichtige geopolitische Dreh- und Angelpunkte, von denen der wichtigste die Ukraine war. Er erklärte wiederholt, dass Russland ohne die Ukraine keine Großmacht mehr sei. Als weiteren Dreh- und Angelpunkt identifizierte er den Iran. Die Kontrolle über den Iran sichert Amerikas Einfluss auf den Persischen Golf, das Öl im Nahen Osten und die kaspische Region. Es ist keine Überraschung, dass an beiden Orten US-Kriege ausgetragen werden.

Dies ist wichtig, um die Entscheidungen von sechs scheinbar unterschiedlichen US-Präsidenten zu verstehen, die alle eine einheitliche Ukraine-Politik verfolgten:

  • Bill Clinton begann mit der Erweiterung der NATO um die Ukraine und andere Grenzstaaten Russlands, wobei er davon ausging, dass Russland zu schwach sei, um Einwände zu erheben. Er und die nachfolgenden Präsidenten gingen davon aus, dass Russland letztendlich seinen geschwächten globalen Status akzeptieren, die Realität der NATO an seinen Grenzen hinnehmen und sich in einer untergeordneten Rolle als Rohstofflieferant für den Westen innerhalb eines von den USA bestimmten Eurasiens einrichten würde. Clinton leitete die NATO-Osterweiterung in den 1990er-Jahren ein – ungeachtet der Warnung von George F. Kennan, dies sei „der verhängnisvollste Fehler der amerikanischen Politik in der gesamten Zeit nach dem Kalten Krieg“, und trotz der zusichernden Gespräche, die die USA 1990 gegenüber Michail Gorbatschow geführt hatten, wonach sich die NATO „keinen einzigen Zoll nach Osten“ bewegen würde.
  • George W. Bush trat vom ABM-Vertrag zurück und verpflichtete die NATO 2008 auf dem Gipfel in Bukarest zur zukünftigen Aufnahme der Ukraine und Georgiens als Mitglieder. Damit überschritt er jene Grenze, die William Burns (damals Botschafter in Moskau, später CIA-Direktor) intern als „die deutlichste aller roten Linien“ für die gesamte russische Elite bezeichnet hatte.
  • Barack Obama bzw. seine Regierung unterstützten 2014 den Maidan-Umsturz der gewählten, neutralen Regierung der Ukraine. Wir wissen dies unter anderem durch das abgehörte Telefonat von Victoria Nuland, in dem sie die Auswahl des nächsten Ministerpräsidenten erörterte. Anschließend förderte die US-Regierung das Bestreben des neuen Regimes, der NATO beizutreten.
  • Donald Trump lieferte in seiner ersten Amtszeit Javelin-Panzerabwehrraketen an das von den USA unterstützte Regime in Kiew, um gegen den abtrünnigen, russischsprachigen Donbass vorzugehen.
  • Joe Biden wies Russlands Entwurf für Sicherheitsverträge vom Dezember 2021 ohne Verhandlungen zurück und vereitelte die fast schon beschlossene Einigung zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul im Frühjahr 2022, die den Krieg beendet hätte. Also dauert der Krieg bis heute an.

Trumps inhaltsleere Wahlversprechen gegen den Krieg

Donald Trump trat im Wahlkampf 2024 als der Mann auf, der Amerikas ewige Kriege beenden würde. Dies stellte sich als weit von der Wahrheit entfernt heraus. Das Jahr 2025 begann mit theatralischen Inszenierungen, darunter die Demütigung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office im Februar, die spöttische Bemerkung, die Ukraine habe „keine Trümpfe in der Hand“, sowie die einwöchige Aussetzung des Informationsaustauschs der US-Geheimdienste mit Kiew im März.

Diese Woche bewies zwei Dinge:

  1. Es handelt sich hierbei um einen amerikanischen Krieg: Da der Ukraine nur für wenige Tage der Zugang zu US-Geheimdienstinformationen verwehrt war, verschlechterten sich ihre Fähigkeiten zu Präzisionsangriffen und ihre Lageerfassung auf dem Schlachtfeld zusehends.
  2. Der Druck zielte auf Gehorsam ab: Der Druck des Weißen Hauses zielte nicht auf Frieden mit Moskau ab, sondern auf Gehorsam seitens Kiews.

Der US-Militärhahn wurde wieder aufgedreht, und was darauf hinter der Kulisse von Gipfeltreffen und Telefonaten folgte, war die systematischste Eskalation der amerikanischen Militärpräsenz seit 2022:

  • Juni 2025: Trump unterzeichnete die Executive Order 14307 mit dem Titel „Unleashing American Drone Dominance“ („Entfesselung der amerikanischen Drohnenvorherrschaft“), in der er den Wiederaufbau der amerikanischen Drohnenindustriebasis anordnete und das Pentagon anwies, in der Lage zu sein, kostengünstige, leistungsstarke Drohnen zu beschaffen, zu integrieren und deren Einsatz zu trainieren.
  • Juli 2025: Verteidigungsminister Pete Hegseth inszenierte im Pentagon eine Drohnenvorführung und hob Beschaffungsbeschränkungen auf, um die militärische Drohnenvorherrschaft zu entfesseln. Im selben Monat fragte Trump – laut späterer Berichterstattung der Financial Times – in einem Telefonat mit Selenskyj, ob die Ukraine Moskau angreifen könne, wenn man ihr Waffen mit größerer Reichweite zur Verfügung stelle.
  • Ab Hochsommer 2025: Die USA lieferten die Geheimdienstinformationen für die ukrainische Langstreckendrohnenkampagne gegen russische Raffinerien, Pipelines und Kraftwerke. Sie beeinflussten dabei die Routenplanung, die Flughöhe, den Zeitplan sowie die Einsatzentscheidungen. Nach Angaben einiger Beamter legten sie sogar selbst die Prioritäten bei der Zielauswahl fest.
  • August 2025: Der Gipfel in Alaska fand statt. Dieser suggerierte zwar diplomatische Bemühungen, sah gleichzeitig jedoch den Verkauf von Extended Range Attack Munitions (Munitionssystemen mit erweiterter Reichweite) an die Ukraine vor, wobei die europäischen Verbündeten die Kosten übernahmen.
  • Oktober 2025: Trump hatte das Pentagon und die Geheimdienste offiziell ermächtigt, der Ukraine Zieldaten für Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur tief im Inneren Russlands zu übergeben – ein Schritt, den die vorherige Regierung selbst als zu eskalierend abgelehnt hatte. Währenddessen drängte Washington die NATO-Verbündeten, dasselbe zu tun, und debattierte offen über Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite bis nach Moskau.

Während alldem hielt CIA-Direktor John Ratcliffe die Präsenz der Behörde in der Ukraine auf höchstem Niveau, stockte die Mittel für ihre dortigen Programme auf, koordinierte ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien durch die Weitergabe von Geheimdienstinformationen über Schwachstellen in der Infrastruktur und lenkte Trump geduldig zur Zustimmung zu dieser Kampagne. Wie sich herausstellte, hatten die Vereinigten Staaten von Anfang an Milliarden in den Aufbau des ukrainischen Drohnenprogramms investiert – ein Vorhaben, das durchgehend von der CIA unterstützt wurde.

Trump lügt ununterbrochen, und vieles davon ist die Improvisation eines eitlen und leichtsinnigen Mannes. Doch die Lügen mit weitreichenden Folgen sind systematisch und gehen in eine Richtung: in den Dienst des militärisch-industriellen Komplexes.

Das Schlachtfeld als Labor

Eisenhowers Warnung, die US-Politik werde von einer wissenschaftlich-technologischen Elite vereinnahmt, liefert einen konkreten Grund für die Fortsetzung des Ukraine-Kriegs durch die USA: Die Ukraine ist zu einem einzigartigen Labor unter realen Kampfbedingungen für KI-Kriegsführung in großem Maßstab geworden.

Millionen von Drohneneinsätzen, ein ständiger Wettlauf um die Anpassung an die elektronische Kriegsführung eines gleichwertigen Gegners sowie tausende Stunden an Kampfdaten stellen das wertvollste militärische KI-Kapital der Welt dar.
Im Zentrum alldessen steht Palantir – ein Konzern, der mit Startkapital der CIA gegründet wurde, das Maven-Zielerfassungssystem des Pentagons betreibt und über eine Drehtür eng mit dem britischen Sicherheitsapparat verflochten ist (darunter ein ehemaliger MI6-Chef sowie mehr als 30 britische Beamte, die von dem Konzern eingestellt oder unter Vertrag genommen wurden). Sein Geschäftsführer rühmt sich offen damit, dass die Palantir-Software den Großteil der Zielerfassung der Ukraine übernimmt.

Im Januar 2026 gab das ukrainische Verteidigungsministerium bekannt, dass Palantir den „Bravely Data Room“ aufbaue, um reale Schlachtfelddaten in die KI-Systeme von Abfangdrohnen einzuspeisen. Bereits im Mai diskutierten der Minister und der Geschäftsführer eine erweiterte Zusammenarbeit bei der Schlachtfeldanalyse und der militärischen Planung, wobei das Ministerium versprach, „den Krieg auf russisches Territorium zu verlagern“.

Auch der Iran ist kein von der Ukraine getrennter Fall. Erinnern wir uns daran, dass in Brzezińskis Geografie der Bogen vom Persischen Golf bis zum Kaspischen Meer der zweite große Preis ist, mit dem Iran als seinem zentralen Dreh- und Angelpunkt. Ukrainische Abfangteams wurden in Jordanien gegen iranische Drohnen eingesetzt. Die gegen Russland bewährten Anti-Drohnen-Systeme werden an die Golfstaaten verkauft. Zwei geopolitische Dreh- und Angelpunkte, ein Schachbrett und eine einzige ultimative Quelle dieser beiden Wahlkriege: der militärisch-industrielle Komplex.

Kissingers Mahnung an Partnerstaaten der USA

Henry Kissinger wird bekanntlich die Aussage zugeschrieben, er habe den Nationen, die die USA instrumentalisiere und dann fallen lasse, die Wahrheit gesagt:

„Ein Feind der Vereinigten Staaten zu sein mag gefährlich sein, doch ein Freund zu sein ist tödlich.“

Die Ukraine stirbt durch amerikanische Hand. 30 Jahre, nachdem Brzeziński die Ukraine als den entscheidenden geopolitischen Dreh- und Angelpunkt für die amerikanische Vorherrschaft bezeichnet hatte, ist die Ukraine demografisch ausgehöhlt und territorial beschnitten. Ihr Energienetz ist zerstört, ihre Waffenlieferungen wurden zeitweise ausgesetzt und ihre Politik auf korrupte Machtintrigen reduziert.

Der Bruch in Kiew zeigt, dass Selenskyj – inmitten des von der westlichen Berichterstattung als „großes Comeback der Ukraine“ bezeichneten Geschehens – seine Regierung zum vierten Mal seit Kriegsbeginn aufgelöst hat, seinen Ministerpräsidenten zur Botschaft in Washington entsandt hat, um den wichtigen Partner zu betreuen, und Mychajlo Fedorow, den beliebten Minister, der als Architekt des Drohnen-Ökosystems gefeiert wurde, kurzerhand entlassen hat. Ein Land, das seinen Krieg wirklich gewinnt, verhält sich nicht so.

Die tiefste Grausamkeit besteht jedoch darin, dass Russland wiederholt und seit dreißig Jahren eine Sicherheitsvereinbarung mit den USA angestrebt hat, in der beide Länder und ihre Nachbarregionen in Frieden, gegenseitigem Respekt und unteilbarer Sicherheit leben würden. Doch die USA wollen keine Sicherheit auf der Grundlage gegenseitigen Respekts. Sie streben nach Vorherrschaft, was etwas völlig anderes ist. Dabei opfern sie die Ukraine und den Iran ihrer Hybris.

Frieden in der Ukraine erfordert lediglich, dass die USA ihre seit Jahrzehnten gepflegte Hybris aufgeben, Russland könne zur Kapitulation gezwungen werden, und stattdessen die Ukraine als neutrale Brücke zwischen Europa und Russland akzeptieren – und nicht als geopolitischen Dreh- und Angelpunkt, der gegen Russland eingesetzt wird.

Eisenhower sah voraus, warum die Akzeptanz des Friedens so schwerfallen würde: Der militärisch-industrielle Komplex beeinflusst die Politik nicht nur – er bestimmt sie. Solange das amerikanische Volk die Demokratie nicht von Palantir, BlackRock, SpaceX, Chevron und ihresgleichen zurückerobert, werden die Laboratorien auf dem Schlachtfeld bestehen bleiben und die Ukraine wird den tödlichen Preis für die amerikanische Freundschaft zahlen.



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Dieser Artikel wurde von Jeffrey Sachs und Sybil Fares verfasst und am 21. Juli 2026 auf Common Dreams veröffentlicht.

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Transkript von Dirk Ellerbrock

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Bildquelle: lev radin /shutterstock

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Quellen
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https://www.youtube.com/watch?v=PIMHJm3xDuo


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