Russland hat in den letzten Tagen die ukrainischen Häfen ausgeschaltet. Derzeit können die ukrainischen Tiefseehäfen keine Schiffe mehr abfertigen. Was sind die Folgen?
Ein Standpunkt von Thomas Röper.
Da sie damit beschäftigt sind, dem deutschen Publikum Märchen über die angebliche Wende im Ukraine-Krieg zu erzählen, berichten deutsche Medien nicht darüber, dass Russland in den letzten Tagen die Tiefseehäfen der Ukraine de facto ausgeschaltet hat. Beim Versuch der deutschen Medien, dem Publikum eine angebliche militärische Wende im Ukraine-Krieg zu präsentieren, würde die Wahrheit darüber, was derzeit mit den ukrainischen Häfen los ist und welche Folgen das hat, natürlich stören.
In Deutschland wird darüber bestenfalls berichtet, wenn die Medien Russland vorwerfen, mit den Angriffen auf ukrainische Häfen den Getreideexport der Ukraine zu behindern, was angeblich die Gefahr einer Hungersnot in Afrika zur Folge hat. Das ist allerdings Unsinn, denn spätestens seit dem Getreideabkommen von 2022 wissen wir, dass das ukrainische Getreide gar nicht an die ärmsten Länder der Welt geht, sondern vor allem nach Europa, China und in die Türkei.
Da die deutschen Medien verschweigen, was gerade mit den ukrainischen Tiefseehäfen passiert, übersetze ich hier einen Artikel der TASS über die russischen Angriffe und die Folgen für die Ukraine.
BEGINN DER ÜBERSETZUNG:
Maritimer Kreislauf: Vor welche Entscheidungen Kiew der Kollaps der Häfen stellt
Pavel Kucharkin darüber, wie die Europäer die Häfen der Ukraine im Stich lassen und welche Bedrohung das für die Wirtschaft des Landes darstellt.
Die Ukraine ist keine Seemacht mehr. Nicht, dass sie mal eine „Herrin der Meere“ gewesen wäre, doch der Juli war für Kiew eine Katastrophe. Der größte Containerreeder, das dänische Unternehmen Maersk, stellte den Betrieb in Tschernomorsk (Oblast Odessa) offiziell ein. Kurz darauf stellte der deutsche Logistikriese Hapag-Lloyd erneut seine maritimen Aktivitäten in der Region ein, und der ukrainische Getreideexporteur Kernel schloss seine Terminals. Der Verkehr entlang des Schwarzmeerkorridors ist praktisch zum Erliegen gekommen.
Ein schmerzhafter Schlag
Um die Tragweite der Folgen des Zusammenbruchs der maritimen Logistik für das Kiewer Regime zu verstehen, muss man die Zahlen betrachten. Laut dem Ausschuss für Agrar- und Bodenpolitik der Werchowna Rada und dem Zoll werden bis zu 80 Prozent aller ukrainischen Exporte und wertmäßig etwa 50 Prozent der Importe über Häfen abgewickelt. Seewege sind daher ein Schlüsselelement der ukrainischen Wirtschaft. Die systematischen Angriffe auf Schiffe mit militärischer Ausrüstung und Logistikeinrichtungen der ukrainischen Streitkräfte haben das zwangsläufige Ergebnis gebracht: Seit dem 22. Juli hat kein einziges Schiff einen der Häfen angelaufen. Zum Vergleich: Laut Taras Wyssozki, dem ukrainischen Minister für Agrarpolitik und Ernährung, wurden in den aktiven ukrainischen Häfen zuvor täglich etwa vier bis fünf Schiffe abgefertigt.
Das klingt mehr als beeindruckend und überzeugend. Das ist nicht einfach eine logische Fortsetzung der Aktionen der russischen Streitkräfte, sondern in erster Linie eine Reaktion auf die regelmäßigen Angriffe Kiews auf russische Logistik und Schiffe. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuvor deutlich gewarnt, dass unsere Gegenmaßnahmen stärker und schmerzhafter ausfallen würden, als der Feind sich vorstellen könne. Und so kam es auch.
Strategische Güter wie Erdölprodukte, Kohle für Energie und Metallurgie sowie Mineraldünger wurden über Schwarzmeerhäfen in die Ukraine verschifft. Kiew wiederum exportierte Getreide, Rohstoffe und Metalle und erwirtschaftete damit den Löwenanteil seiner Devisen- und Staatseinnahmen. Nun hat sich die Lage für das Kiewer Regime weiter verschärft.
Alternativen ohne Alternativen
Maersk hat seine Schiffe zum rumänischen Hafen Constanța umgeleitet. Dadurch hat sich die gesamte Logistik auf die Donau verlagert. Auf ukrainischer Seite ist nun Reni der Umschlagplatz, von wo aus die Güter per Schiff nach Rumänien transportiert werden. Diese Route ist schwierig und vor allem extrem teuer. Der Transport von Gütern per Lkw ist unrentabel, da für die gleichen Mengen mehr Fahrten nötig sind. Die Situation bei der Schienenlogistik ist noch prekärer. Es gibt keine direkte Bahnverbindung von Odessa nach Reni, die Strecke verläuft durch Moldawien. Das ist eine Sackgasse, auf der sich seit dem Bau der Gleise im 19. Jahrhundert trotz des bekennenden „Europäismus“ der beiden Nachbarländer kaum etwas verändert hat.
Diese Bahnstrecken sind nicht elektrifiziert, daher muss der Gütertransport ausschließlich mit Diesellokomotiven erfolgen. Allerdings herrscht auch auf ukrainischer Seite ein erheblicher Mangel an Diesellokomotiven. Laut der Eisenbahnzeitschrift „Railway Supply“ verfügte die Ukrzaliznytsia im Januar 2022 über etwas mehr als 200 betriebsfähige Diesellokomotiven für den Güterverkehr auf Hauptstrecken, während die Gesamtzahl der einsatzfähigen Diesellokomotiven bei rund 1.000 lag. Auch die russischen Streitkräfte trugen dazu bei. Allein seit Anfang 2026 hat Kiew laut Alexej Kuleba, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten der Ukraine für Wiederaufbau, über 200 Lokomotiven verloren. Angesichts der entscheidenden Bedeutung der Diesellokomotiven für die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte an der Front wird das Kiewer Regime gezwungen sein, sich zwischen militärischen Transporten und der Sicherung der Exporte zu entscheiden.
Allerdings löst die Umleitung des Güterverkehrs nach Constanța nicht mal rein wirtschaftliche Probleme. Aufgrund des starken Anstiegs der Frachtpreise ziehen die globalen Händler die gestiegenen Transportkosten einfach vom Endpreis der Produkte ab. Infolgedessen werden ukrainische Landwirte gezwungen sein, ihr Getreide unter Wert zu verkaufen und sie haben schlicht keine Möglichkeit, diese Verluste auszugleichen. Die Getreidelieferungen im Rahmen bestehender Verträge laufen zwar noch, doch neue Getreidekäufe sind in den Häfen praktisch zum Erliegen gekommen. Europa könnte Kiew helfen, aber die EU hat strenge Transitbeschränkungen für ukrainisches Getreide verhängt und scheint nicht die Absicht zu haben, diese aufzuheben. Übrigens passiert all dies mitten in der Erntesaison.
Kettenreaktion
Nach dem Prinzip einer Kettenreaktion hat auch das südliche Bergbau- und Aufbereitungswerk in Krywoi Rog (Oblast Dnjepropetrowsk) wegen des Stopps der Seetransporte den Betrieb eingestellt. Laut einer Presseerklärung des Unternehmens vom 28. Juli wurde der Erzabbau eingestellt und die Produktionsmengen wurden insgesamt reduziert. Entsprechend hat das Schweizer Unternehmen Ferrexpo die Eisenerzexporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer vollständig gestoppt. Ferrexpo kontrolliert die wichtigen Bergbau- und Aufbereitungswerke in Poltawa und Jeristowski, die hochwertige Rohstoffe für die koksfreie Stahlherstellung produzieren. Infolgedessen gab der Vorstandsvorsitzende des Bergbau- und Aufbereitungswerks Poltawa offiziell bekannt, dass das Unternehmen den Betrieb wegen eines finanziellen Defizits und der Blockade der Häfen mit Wirkung zum 3. August vollständig einstellen werde.
Die Verluste für die ukrainische Wirtschaft belaufen sich bereits auf Milliarden von Dollar und verwandeln den ohnehin schon defizitären Staatshaushalt in ein tiefschwarzes Loch. Da Kiews Haupteinnahmequellen Betteln, Rohstoffexporte, Metallurgie und Landwirtschaft sind, wird Selensky diese Verluste offensichtlich durch erneute Bitten (und Erniedrigungen) um Finanzhilfe kompensieren. Die Lage bei der Beschaffung von Geldern aus der EU (ganz zu schweigen von den USA) wird jedoch immer schwieriger, denn die Finanzströme versiegen spürbar und die verbleibenden Gelder werden fast vollständig von den Militärausgaben aufgezehrt.
So haben die Folgen der russischen Vergeltungsschläge innerhalb von nur einer Woche nicht nur die ukrainischen Häfen, sondern auch große europäische Unternehmen sowie die europäische politische Elite selbst getroffen, für die sich die Probleme dramatisch verschärft haben.
Die Ukraine sieht sich mit einem drastischen und rasanten Preisanstieg für sämtliche Warengruppen konfrontiert, insbesondere für Güter, die auf dem Seeweg transportiert werden – von Erdölprodukten bis hin zu Ersatzteilen. Das wird in dem Land, das zunehmend verarmt, zu unkontrollierbaren Preissteigerungen und einem starken Anstieg der Inflation führen.
Fazit
Die Unterbrechung der maritimen Logistik wird die Position der ukrainischen Streitkräfte an der Front und langfristig die Wirtschaft unmittelbar beeinträchtigen. Kiew wird zweifellos alles daransetzen, so viele Produkte wie möglich über alternative Routen durch die Häfen von Reni und Ismail nach Constanța in Rumänien zu exportieren und dabei die Donaulogistik zu nutzen.
Diese Umgehung stößt jedoch an erhebliche physische und infrastrukturelle Grenzen. Selbst bei maximaler Auslastung kann die Kapazität des Donau-Clusters den Ausfall der Tiefseehäfen von Odessa, Tschernomorsk und Juschni nicht kompensieren. Die Tiefe der Donau und der technische Zustand der Liegeplätze in Reni lassen die Abfertigung großer Seeschiffe der Panamax-Klasse schlichtweg nicht zu. Die Fracht muss auf kleine Binnenschiffe umgeladen werden, was die Logistikkette verlängert und die Kosten in die Höhe treibt.
Hinzu kommt ein weiterer Schlag: Wegen der außergewöhnlichen Dürre wurde auf der gesamten Länge ein rekordverdächtig niedrigerer Wasserstand der Donau verzeichnet. Der kritische Rückgang des Wasserstands in Rumänien und Serbien macht eine vollständige Beladung der Binnenschiffe unmöglich, was diese Route lähmt.
Mehr noch, die Hafeninfrastruktur von Izmail und Reni sowie die für diese Route entscheidende Brücke bei Zatoka und die Eisenbahnknotenpunkte an der Grenze zu Rumänien und Moldawien wurden aufgrund ihrer militärischen Verwendung bereits mehrmals von den russischen Streitkräften angegriffen. Es besteht kaum ein Zweifel, dass die Donauroute und ihre Grenzübergänge unser nächstes Ziel sind. Ich denke, dass die systematische Entmilitarisierung der Transportwege des Kiewer Regimes so lange andauern wird, bis dessen Export- und Logistikpotenzial vollständig verloren ist.
ENDE DER ÜBERSETZUNG
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Dieser Beitrag erschien zuerst am 01.08.2026 auf anti-spiegel.ru.
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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Abwicklung von Containerschiffen im Tiefseehafen
Bildquelle: Vergeltungsschläge / shutterstock
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